Schwangere ermordet

01. April 2011 17:00; Akt: 01.04.2011 18:38 Print

Paar zu lebenslänglich verurteilt

Ein Paar, das Ende 2007 eine schwangere Frau ermordet hatte, ist vom Genfer Kriminalgericht zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Richter folgten damit dem Antrag des Staatsanwalts, der die Maximalstrafe für die beiden gefordert hatte. Das Paar, ein 28-jähriger Mann und seine 30-jährige Freundin, musste sich vor dem Genfer Kriminalgericht wegen Mordes, strafbaren Schwangerschaftsabbruchs und Störung der Totenruhe verantworten. Sie wurden in allen Punkten für schuldig befunden.

Die beiden Angeklagten - sie haben einen gemeinsamen 5-jährigen Sohn - hatten im November 2007 der schwangeren Geliebten des Mannes eine Falle gestellt und sie getötet. Sie wollten die Frau und das Ungeborene los werden.

«Niederträchtiges Verbrechen»

Der Mann lockte seine junge Geliebte in ein Auto, wo er noch mit ihr Sex hatte. Danach erwürgte er die 20-jährige Frau in der Industriezone von Vernier GE. Anschliessend zündete das Paar die Leiche in einem Wald im Kanton Freiburg an, legte diese in ein Loch und streuten Kalkpulver darüber, um den Verwesungsgeruch zu unterdrücken. Sie wurden wenige Tage später verhaftet.

Staatsanwalt Yves Bertossa sah keine Möglichkeit der Strafmilderung für die beiden Angeklagten und bezeichnete das Verbrechen als das niederträchtigste der vergangenen 15 Jahre. Dem 28-Jährigen schrieb er die volle Verantwortung für die Tat zu. Der 30-Jährigen attestierte er eine leicht verminderte Zurechnungsfähigkeit.

Eine Logik, welcher die Richter folgten. Allerdings wog die kriminelle Vergangenheit der Frau schwer, weshalb die Richter die von der Verteidigung vorgebrachte Reue nicht gelten liessen.

Zusammenbruch und stoische Ruhe

Während des gesamten Prozesses und auch bei der Urteilsverkündung blieb die Frau stoisch ruhig, während ihr Freund angesichts des Urteils zusammenbrach.

Einer seiner Anwälte, François Canonica, bezeichnete nach dem Prozess das Urteil als «nicht sehr intelligent». Man reagiere nicht auf diese Weise auf Kriminalität. Er beklagte sich über die «zunehmende juristische Gewalt».

Die Verteidiger der Frau bezeichneten das Urteil als «abwegig». Die Richter hätten nicht berücksichtigt, dass die Frau, die dieses schreckliche Verbrechen begangen habe, zum Zeitpunkt nicht normal gewesen sei. Die Verteidiger der Frau hatten moniert, die Frau habe eine Borderline-Persönlichkeit.

Der Gerichtssaal war bei der Urteilsverkündung zum Bersten voll. Die Familienmitglieder des Opfers konnten ihre Erleichterung beim Wort «lebenslänglich» nicht zurückhalten. Die Angehörigen des verurteilten Mannes hingegen brachen in Tränen aus.

(sda)