Lange Arbeitszeiten

17. Juni 2015 05:40; Akt: 17.06.2015 18:22 Print

Paare gehen nicht mehr zusammen ins Bett

von Tanja Bircher - Arbeitszeiten, Ausgang und Fernsehen – alles Gründe, weshalb Schweizer Paare seltener gemeinsam ins Bett gehen. Eine gefährliche Entwicklung für die Beziehung, sagen Experten.

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Immer häufiger geht ein Partner vor dem anderen ins Bett. (Bild: Valeriy Lebedev)

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Er hat Nachtdienst, sie ist bereits um 17 Uhr zuhause. Oder sie trifft sich nach der Arbeit noch mit ein paar Kollegen auf ein Bier, er sitzt zu Hause auf dem Sofa. Oder er will noch das Penaltyschiessen im Champions-League-Final zu Ende schauen, sie ist müde und will schlafen. Drei Viertel der Paare in England gehen regelmässig zu unterschiedlichen Zeiten ins Bett.

Zu den Hauptgründen gehören längere Arbeitszeiten und ein hektisches Sozialleben. Laut einer neuen Studie sind aber auch Gamen, Fernsehen, E-Mails-Schreiben und Surfen dafür verantwortlich, dass viele Partner alleine unter die Decke kriechen, wie die «Daily Mail» schreibt.

Auch in der Schweiz leiden Paare

Wenn der andere dann schliesslich ins Bett kommt, weckt er den bereits Schlafenden meist auf. Dies führt zu schlechter Schlafqualität, genervter Stimmung und schliesslich oft auch zu Streit. Alles belastet und ruiniert schlimmstenfalls die Beziehung.

In der Schweiz sieht die Situation nicht anders aus, sagt Jens Acker, Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin in Bad Zurzach. «Auch hierzulande ist die Arbeitsbelastung hoch, dazu kommt der grosse Anteil an Schichtarbeitern.» 15 bis 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung schiebe regelmässig Spät- oder Nachtdienst.

Eulen und Lerchen

Doch das sei nur ein Teil des Problems, das Schweizer Paare belaste. «Die Hauptschwierigkeit liegt aber bereits darin, dass es zwei verschiedene Schlaftypen gibt. Die Lerche und die Eule.» Lerchen wollen meist zwischen 21 und 22 Uhr ins Bett, Eulen hingegen werden erst um oder nach Mitternacht müde.

«Heiratet also eine Schicht arbeitende Eule eine Lerche, die im Büro tätig ist, wird es äusserst kompliziert», so Acker. Gemeinsam ins Bett zu gehen, ist jedoch wichtig. Allein schon des Intimlebens wegen. «Je häufiger sich die Möglichkeit zum Sex bietet, desto öfter haben Paare Sex. Das haben Studien gezeigt.»

«Es nervt, wenn er sich hin- und herbewegt»

Doch auch das Herumblödeln beim Zähneputzen, die Gespräche vor dem Einschlafen und das Kuscheln fallen weg, wenn Paare zu unterschiedlichen Zeiten ins Bett gehen. Laut Paarberaterin Rita Schriber sind aber genau diese Rituale wichtig für die Beziehung. «Sie schaffen Vertrauen und Intimität, was wiederum die Beziehung stärkt.»

Auch das gegenseitige Aufwecken sorgt oft für Probleme. «Natürlich stört es, wenn der eine mitten in der Nacht ins Bett steigt und sich danach hundert Mal hin- und herbewegt, bis er eine bequeme Schlafposition gefunden hat.» Vor allem, wenn der andere am Morgen früh aufstehen müsse.

Getrennte Schlafzimmer? Getrennte Schlafzimmer!

Was also tun? Getrennte Schlafzimmer? Das ist laut Schriber eine gute Lösung. «Wenn sie nicht jede Nacht zum Zug kommt.» Sie empfiehlt, dass man sich gemeinsam ein paar Abende sucht, an denen man sich Zeit füreinander nimmt und auch gemeinsam ins Bett geht. «Dann wird es auch etwas Spezielles.» Auch Acker sagt, getrennte Schlafzimmer seien empfehlenswert für jene Nächte, in denen man ohnehin nichts voneinander hat.

Sexologin Dania Shiftan sieht die Sache noch aus einer anderen Perspektive: «Für viele Menschen ist es belastend, wenn sie jeden Abend mit ihrem Partner ins Bett gehen und dann während Stunden wach liegen und die Decke anstarren, weil sie noch nicht einschlafen können.» Sich anpassen zu müssen, führe oft zu mehr Konflikten, als von Anfang an seinem eigenen Schlafrhythmus zu folgen.

«Man meint, mit der Beziehung stimme etwas nicht»

Sie empfehle ebenfalls getrennte Schlafzimmer. «Man kann auch zusammen unter die Decke kriechen, Sex haben, schwatzen, kuscheln und danach aufstehen und in sein eigenes Bett gehen», so Schiftan. Für viele Paare sei dies aber noch immer ein Tabu. «Man hat das Gefühl, mit der Beziehung stimme etwas nicht, wenn man nicht im selben Bett schlafen kann.» Laut Acker ist jedoch für viele Paare die romantische Vorstellung und das intime Gefühl, beieinander zu schlafen, wichtiger als die Schlafqualität.

Haben Sie und Ihr Partner unterschiedliche Schlafenszeiten? Berichten Sie uns, wie das bei Ihnen abläuft und mit welchen Problemen Sie kämpfen. Schreiben Sie uns Ihre Geschichte und Telefonnummer an feedback@20minuten.ch!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GastroSklave am 17.06.2015 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uiii

    gastronome... Pflege.. Polizei... Pikett.. Feuerwehr.... sind alles Berufe die Abseits des Normalen Gesellschaftlichen Leben überleben müssen... Meine Freundin die nicht in der Gastro arbeitet sehe ich nur zwischen Tür und Angel... Sie Schläft wenn ich Nachhause komme und ich bin schon wieder weg wenn sie Feierabend hat... Wochenende gibts nicht.. da stehe ich hinter der Bar! Weihnachten Silvester... Volles Haus! Ostern Volles Haus... Wir haben kein Leben mehr wir Leben und Arbeiten für das was ihr Gesellschaft und Kultur nennt... und werden dafür beinahe Respektlos bezahlt. Und verzichten auf ein Gesellschaftsleben wie es die meisten kennen.

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  • Frau am 17.06.2015 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Getrennte Schlafzimmer sind herrlich

    Wir haben schon seit vielen Jahren getrennte Schlafzimmer. Hauptsächlich wegen unterschiedlichen Arbeitszeiten, aber auch wegen dem Schnarchen - von uns Beiden wohl gemerkt. So haben Beide einen erholsamen Schlaf und das hilft der Beziehung! Für alles andere braucht es nur etwas mehr Fantasie...

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  • G. Sundheit am 17.06.2015 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Zahn der Zeit

    Alles ändert sich und alles ist von Menschen selber gemacht, die vielleicht nie genug kriegen können und selber ja wir gehören auch dazu. Wir werden alt und wundern uns wo all die Jahre geblieben sind,

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Houououu am 18.06.2015 16:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau!!

    Schliesslich haben Sex und die Art des Schlafens sehr viel miteinander gemeinsam... wie... ähhm!.... Kuhfladen und das G-Dur Menuett von Bach...!

  • Lina Delgado am 18.06.2015 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    LIEBE MEINE KINDER SO ODER SO!!

    Aus euren Zeilen spricht die pure Eifersucht! Nur weil ihr mit eurem eigenen Leben unglücklich seit müssen dass andere auch sein?! Ich werde meine Kinder so oder so lieben, ob etwas aus ihnen wird oder nicht! Ausserdem kann man auch ohne in die Schule gegangen zu sein eine Ausblidung machen! Auch Studium geht ohne Problem! Voraussetzung ist das sie die Aufnahmeprüfung bestehen! Also keine Angst ich und mein Mann wissen schon was wir tun! ;)

    • pebi am 18.06.2015 15:34 Report Diesen Beitrag melden

      richtig so

      ich finde sie machen das richtig so wenn die kinder aber auch gut gebildet werden. warum muss es ewigs das bild der 0815 Familie sein damit alles opimal ist. mann muss nicht immer soviel arbeiten, kann das leben geniessen und die ganze Familie sieht so auch noch andere teile dieser Erdkugel. finde ich absolut ok

    • Dave A. am 19.06.2015 10:13 Report Diesen Beitrag melden

      Habe deinen Beitrag gelesen...

      ... und kann dir nicht zustimmen. Es muss nichts mit Eifersucht zu tun haben und die Leute müssen auch nicht unglücklich mit ihrem Leben sein, bloss weil sie das bewährte schweizer Standardmodell des Lebens und der Erziehung bevorzugen. Teils ist sicher Angst/Unsicherheit ein Faktor, teils aber sicher auch dass sie nunmal ein solches Leben leben möchten. Deine Liebe sichert deinen Kindern keinen Job - aber ich zweifle nicht daran, dass sie mit Homeschooling durchaus auch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben werden - ausser als Akademiker. Aber ich denke, das wäre wohl keine Laufbahn für sie

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  • sandra.k am 18.06.2015 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    familie

    wir haben 3 kinder und arbeiten beide. ich nachts er tagsüber. wir haben ein schönes haus mit garten und haben ein auto. uns wurde bewusst,dass die wünsche zu hoch waren und wir nun als frau und mann kaum mehr zeit miteinander haben. wir leben nur noch als mama und papa.... wir geniessen dafür umsomehr die wochenenden. könnte ich nochmal wählen würde ich eine schöne sitzplatzwohnung mieten und alles im ruhigen machen wie viele andere familien auch denn luxus ist nicht alles!schönen tag noch

  • Ramona am 18.06.2015 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind keine Roboter...

    Das ist halt so, wenn wir nur noch funktionieren müssen. Da hat man nicht viel Platz für eine Beziehung. Menschheit, wach auf!

  • Bartli am 18.06.2015 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Schon lange bemerkt

    Wen geht es etwas an ? Das ist im Grunde der intimste Lebensbereich der Menschen und das unterscheidet ihn vom Tier. Trotzdem werden wir hierin gelenkt das die Balken krachen. Man sagt uns wie, zeigt uns wie, etc. Das ist Manipulation die nur angeblich auf Freiwilligkeit beruht. Stichwort in etwas hineinschupsen, schupsen.