Trotz schwarzer Liste

18. Juli 2019 09:22; Akt: 18.07.2019 09:56 Print

Entlassener Pädo-Lehrer arbeitete in drei Kantonen

Trotz mehrerer Entlassungen wegen sexueller Übergriffe unterrichtete ein Lehrer jahrelang weiter. Die Schulen wollen nichts von den Vorfällen gewusst haben. Offenbar wurden sie nicht gemeldet.

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Ein pädophiler Aargauer Lehrer, der sich vor Bundesgericht erfolglos gegen seine U-Haft gewehrt hatte, ist seit rund einem Monat wieder auf freiem Fuss. Das berichtet die Aargauer Zeitung. Am 19. März hatte die Kantonspolizei bei ihm eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Dabei wurden beim 42-Jährigen kinderpornografische Bilder und Videos gefunden sowie verdächtige Chats und Fotos von jungen Frauen. Offenbar hatte der Mann mehrere Beziehungen mit minderjährigen Mädchen.

Recherchen zeigen nun: 2008 war der Mann in Brittnau AG und ab Sommer 2010 als Klassenlehrer an der Oberstufe Dulliken SO tätig. Schon in Brittnau soll er mit einer Schülerin ein Verhältnis gehabt haben.

Mehrere Beziehungen zu Schülerinnen

Wie es scheint, wussten beide Schulbehörden nichts über das Verhalten des Mannes in Brittnau. Auch am neuen Arbeitsort näherte er sich wieder Schülerinnen. 2012 schrieb er einer ehemaligen Schülerin intime Nachrichten. Für die Aargauer Staatsanwaltschaft sind die Chatnachrichten eindeutige Hinweise darauf, dass der Lehrer mit der 15-Jährigen eine sexuelle Beziehung hatte.

Ein paar Monate später endete die Schulkarriere des Lehrers in Dulliken abrupt. Er wurde im Frühling 2013 fristlos entlassen. Dies, weil er mit einer weiteren, noch nicht 16-jährigen Schülerin über den Messenger-Dienst Kik Nachrichten ausgetauscht hatte, in denen es um den Aufbau einer Liebesbeziehung ging. Ausserdem soll er diese Schülerin bei einem Treffen geküsst und an den Po gefasst haben. Bei der Befragung bestritt er die Vorwürfe.

Seine Verfehlungen wurden nur publik, weil der Lehrer sich bis vor Bundesgericht gegen die dreimonatige U-Haft gewehrt hatte und die Aargauer Zeitung auf das kürzlich veröffentlichte Urteil stiess.

Schulen hüllen sich in Schweigen

Nur fünf Monate nach seiner fristlosen Entlassung in Dulliken stand der Lehrer in Wettingen schon wieder vor einer Schulklasse. Wie konnte es dazu kommen? Offenbar hat die Schule Dulliken die fristlose Entlassung des Lehrers nicht öffentlich kommuniziert. Ob es eine Information der Schulbehörden in Wettingen gab, bleibt offen – ist aber sehr unwahrscheinlich.

Auskunft dazu gibt der Dulliker Gemeindepräsident Walter Rhiner mit Verweis auf den Datenschutz nicht. Der Schulleiter in Wettingen liess Fragen unbeantwortet und war telefonisch nicht erreichbar.

Letzter Arbeitgeber wusste von nichts

Gemäss Recherchen der AZ war der pädophile Lehrer zuletzt von Sommer 2018 bis im Frühjahr 2019 an der Freien Evangelischen Schule Zürich angestellt. Am 19. März, als die Hausdurchsuchung beim Lehrer stattfand, meldete er sich krank. «Wir haben ihm nach der Information durch die Kantonspolizei Aargau in Absprache mit unserer Juristin sofort gekündigt und ihn freigestellt», sagt der Schulleiter.

Dass der Mann 2013 in Dulliken fristlos entlassen worden war, wusste die Leitung der Zürcher Privatschule nicht. Der Schulleiter betont: «Wir haben den Lehrer vor der Anstellung im Unterricht besucht, zwei Referenzen eingeholt, Strafregisterauszüge kontrolliert, seine Bewerbungsdossiers studiert und Gespräche mit ihm geführt. Dabei haben sich absolut keine Anhaltspunkte ergeben, die uns Hinweise auf die ihm zur Last gelegten Vergehen hätten geben können. Unsere Sorgfaltspflicht haben wir vollumfänglich erfüllt.»

Inzwischen ist der pädophile Lehrer wieder auf freiem Fuss, ihm droht aber ein Prozess wegen sexueller Handlungen mit Kindern und Abhängigen sowie Pornografie (siehe Box).

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