«Der schlimmste Fall»

26. Juni 2015 08:20; Akt: 26.06.2015 14:51 Print

Pädophiler Serientäter in Freiburg verhaftet

Jahrzehntelang schändete er Kinder – erst in der Schweiz, dann in Thailand. Er hat eine Vorliebe für Knaben zwischen 12 und 14. Nun sitzt er in Untersuchungshaft.

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Der Schweizer R.T. bei seiner Verhaftung in Pattaya im Jahr 2014. (Bild: Screenshot Video pattayadailynews.com)

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Der 70-jährige Luzerner Robert T.*, der lange in Thailand gelebt hatte, wurde im Kanton Freiburg verhaftet. Das berichtet das Westschweizer Fernsehen RTS. Die Freiburger Staatsanwaltschaft habe ein Verfahren gegen einen Schweizer eröffnet – wegen sexueller Handlungen mit Kindern und Besitz von Kinderpornografie.

Der Luzerner wird verdächtigt, mehrere Jahre lang minderjährige Knaben in Thailand missbraucht zu haben. Die Opfer – darunter Buben unter 14 Jahren – liess er in seine Villa ausserhalb der Stadt Pattaya kommen. Er war 2014 verhaftet worden – doch weil der damals festgestellte Besitz von Kinderpornografie nicht ausreichte, mussten ihn die Ermittler wieder gehen lassen. Ein zweites Verfahren gegen ihn läuft derzeit in Thailand noch. Die Festnahme T.s in der Schweiz sei im Anschluss an Abklärungen an der Schweizer Grenze erfolgt, so RTS. Die Untersuchung laufe gemeinsam mit den französischen Behörden und der Schweizerischen Bundespolizei – ein Rechtshilfeersuchen mit den thailändischen Behörden sei hängig.

«Der schlimmste Fall meiner Karriere»

RTS meldet die Verhaftung des mutmasslichen Serien-Kinderschänders am Abend der Ausstrahlung des Dok-Films «Die Jagd auf Schweizer Pädophile» («La tracque au pédophiles suisses»)**. Die Reise geht an schöne Schauplätze – an malerische Buchten auf Madagaskar oder zu weissen Stränden und teuren Villen in Thailand. Doch die Bilder und Töne, die das RTS-Team in die Schweizer Stuben sendet, verstören von der ersten Minute an.

Die reichen Ausländer schänden reihenweise Kinder – im Fall von T. für den Preis eines Kaffee crème. Ein Knabe erzählt im Dokumentarfilm detailliert, zu welchen Sex-Praktiken ihn T. gezwungen hat. Der Undercover-Ermittler beschreibt Gruppen-«Partys» in der Villa des Schweizers: «So viele Erwachsene, so viele Kinder. Das ist der schlimmste Fall, der mir je untergekommen ist. Er ist ein sehr schlechter Mensch.»

R.T. missbraucht seit den 70er-Jahren Knaben

R.T. ist in der Schweiz zweifach vorbestraft wegen sexueller Handlungen mit Minderjährigen, wie die «Sonntagszeitung» im vergangenen Jahr berichtete. Seit den 1970er-Jahren nutzte der gelernte Verkäufer, der im Alter von 31 mit Jugendlichen zu arbeiten begann, sämtliche Lücken im damaligen System aus. Nach Kündigungen zog er in den nächsten Kanton – so war es ihm nach seinen Schändungen mehrmals gelungen, eine neue Stelle im Jugendbereich zu finden.

Der RTS-Film zeigt auch die Schwierigkeiten der Schweizer Ermittler auf, die im Ausland Schweizer Pädophile jagen. Nicht nur wegen des bedrückenden Alltags mit Bildern und Filmen, für die es, wie es ein Ermittler formuliert, «kein Limit gibt. Es gibt alles: Babys, Tiere, Gewalt, alles.» Die Schwierigkeiten sind auch formeller Natur: Der Informationsaustausch funktioniert schlecht, Auslieferungsabkommen gibt es oft nicht. Und wie ein weiterer tragischer Fall in Madagaskar zeigt: Geld und Macht können Untersuchungen beenden. Auch wenn Dutzende junger Mädchen – manche von ihnen gerade mal zehn Jahre alt – detaillierte Zeugnisse über die Schandtaten ihrer Vergewaltiger ablegen.

*Name der Red. bekannt

**«La traque au pédophiles suisses» – RTS 1, Donnerstag, 25. Juni, 20.10 Uhr. Wiederholungen am Freitag, 26. Juni, 10.30 Uhr und 16.20 Uhr, sowie am Montag, 29. Juni, um 16.20 Uhr auf RTS Deux.

(gbr)