Hombrechtikon ZH

06. Dezember 2019 04:42; Akt: 06.12.2019 04:42 Print

«Es ist Aufgabe der Armee, sich zu präsentieren»

von Anja Zobrist - Soll die Armee an Primarschulen Panzer zeigen? Das sei Staatsaufgabe, sagt ein SVP-Nationalrat. Linke Politiker wollen das nicht.

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Ein Ausflug mit vier Panzern des Typs M113 stand am Donnerstag auf dem Programm für die Primarschüler der fünften Klasse in Hombrechtikon ZH. CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler findet es nicht sehr sensibel, mit Panzern auf dem Schulgelände aufzufahren. Thomas Hurter von der SVP überlässt die Entscheidung dem Lehrpersonal und dem Militär. «Das Militär hat an Schulen nichts zu suchen», findet SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf. Die Mechanisierte Brigade Stabsbataillon 11 wollte mit Panzerfaust und Maschinengewehr vorbeikommen und die Schüler auf eine Rundfahrt in vier M113-Panzern mitnehmen. Den Kindern des Schulhauses sollte so ein Einblick in das Wehrsystem gegeben werden. Organisiert hatte diese Klassenreise der Vater einer Schülerin, ein Major im Generalstab. Die Eltern und die Schule wurden informiert, die Gemeinde reservierte einen Parkplatz. Um 7.30 Uhr sollte die Kompanie die Kaserne in Bülach verlassen und um 9 Uhr in Hombrechtikon eintreffen. Am Mittwoch fragte 20 Minuten bei der Armee und der Schule nach dem Zweck des Ausflugs, seinen Kosten und der Absicht dahinter. Armeesprecher Stefan Hofer teilte daraufhin mit, der Anlass, der bereits detailliert geplant worden sei, sei abgesagt worden. Das habe der Kommandant entschieden. Der Entscheid sei im Verlauf des Tages gefallen. Es mache keinen Sinn, unnötig mit Panzern im Quartier herumzufahren, Lärm zu verursachen und womöglich sogar den Strassenbelag zu beschädigen, erklärte Hofer. Auch Ausbildungsgründe hätten bei der Entscheidung mitgespielt. Der Kommandant habe Anfang dieser zweiten WK-Woche die Notwendigkeit, seine Soldaten auf einen besseren Ausbildungsstand zu bringen, höher eingestuft als die «ebenfalls wünschenswerte Präsentation der Armee in der Öffentlichkeit».

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Das Militär wollte am Donnerstag mit vier Panzern eine fünfte Klasse im Schulhaus Neues Dörfli in Hombrechtikon besuchen. Geplant war unter anderem eine Rundfahrt in M113-Panzern. Der Ausflug wurde kurzfristig abgesagt – aus technischen Gründen und weil die Kompanie in der Ausbildung noch nicht weit genug sei, so die Armee (20 Minuten berichtete).

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Dass die Armee den Ausflug geplant hatte, kritisiert SP-Nationalrätin und Sicherheitspolitikerin Priska Seiler Graf. «Panzerfahrzeuge haben auf dem Schulgelände nichts zu suchen», sagt sie. Sie verstehe den Sinn und Zweck dahinter nicht: «Vielleicht wollte die Armee eine Charme-Offensive bei den Kindern fahren.»

«Lärmbelastung ist zu hoch»

Wenn sich das Militär präsentieren wolle, dann solle das im freiwilligen Rahmen geschehen. Obwohl die Aktion für die Kinder womöglich unterhaltsam sei, solle es kein Zwang sein, sich damit beschäftigen zu müssen. Der Einsatz von Panzern soll so restriktiv wie möglich gestaltet sein.

«Panzerfahrzeuge beschädigen die Strassen, verursachen unnötige Kosten und die Öko- und Lärmbelastung ist extrem hoch.» Zudem kämen solche Aktionen im Primarschulalter viel zu früh. Die Orientierungstage des Militärs, die für Männer ab 18 Jahren Pflicht und für Frauen freiwillig sind, eigneten sich viel besser, um das Militär zu präsentieren.

Werbung ja, aber nicht an Schulen

SVP-Nationalrat Thomas Hurter sagt: «Es ist eine Staatsaufgabe der Armee, sich zu präsentieren und zu informieren. Das finde ich in Ordnung.» Ab welchem Alter und in welchem Umfang solche Werbeaktionen stattfinden, müssten die Schulen und das Militär entscheiden, sagt er. Es gehöre zum Grundwissen der Schüler, zu wissen, wer für die Sicherheit in unserem Land zuständig sei und was die Armee mache.

CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler pflichtet ihm bei: «Ich finde es gut, wenn man der Bevölkerung das Militär näher bringt.» Trotzdem sei es unsensibel, mit dem Panzer auf dem Schulgelände aufzufahren. Werbeaktionen der Armee begrüsse sie auf dem Feld, nicht aber auf dem Schulgelände. «Das geht dann doch zu weit.» Es gebe genügend Möglichkeiten für die Armee, sich zu präsentieren – etwa an Ausstellungen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tino K. am 06.12.2019 06:44 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Panzer

    Diese Spassbremsen! Da werden wieder einmal mehr aus Mücken Elefanten gemacht. Die armen Kinder könnten ja für den Rest ihres Lebens traumatisiert werden.

  • Hombrechtiker am 06.12.2019 06:42 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt mal halblang

    Bin in Hombrechtikon aufgewachsen, tut zwar nichts zur Sache, aber schon damals waren dort oft temporäre Stützpunkte des Militärs an meinem Schulweg. Das war als Kind toll! Es gab immer Militärschoggi und Guezli. Hat mich die Militärpräsenz "negativ" beeinflusst? Ich weiss es nicht, habe mich jedenfalls für den Zivildienst entschieden und dort 420 Diensttage für Mensch und Vaterland absolviert.

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  • Chris W am 06.12.2019 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armee nicht gleich Armee

    Drum rum reden bringt nix! Wir reden über 'die Armee' als ob wir eine offensive Berufsarmee hätten. Das trifft für die Schweiz aber bekanntlich nicht zu. Wenn bei uns 'die Armee' etwas tut, dann tun dies unsere Väter und Brüder während ein paar Wochen des Jahres. Und das sollen unsere Kinder nicht wissen und nicht sehen dürfen? Eine komplett falsche und ungesunde Einstellung!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • PROLLTRASH am 07.12.2019 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    damals

    da kommt das schwimmpanzerunglück in der ddr wieder hoch. das militär soll sich von der bevölkerung fernhalten solange kein schutzauftrag von nöten ist.

  • Pifpaf am 07.12.2019 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmm

    Ich würde sagen, es ist Aufgabe der Armee, das Land zu verteidigen, aber vielleicht hab ich da was falsch mitbekommen.

  • Peter Lobsang am 07.12.2019 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Prafo Kommandant

    Ein Kommandant mit Vernunft. Panzer stinken und im Quartier produzieren sie unnötiges CO2. Wenn schon sollen die Kinder zum Waffenplatz gehen.

  • General Hüsli am 07.12.2019 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem ???

    Dann sind die Kleinen wenigstens vorbereitet wenn mal der Russe oder Dütsche kommt!

  • Dr. Frank am 07.12.2019 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht

    Super Idee ! Am besten mit Flugshow, Panzern und natürlich jede Menge Militätschokolade ( Schmatz :-) )