Fitness statt Ausgang

27. August 2018 05:41; Akt: 27.08.2018 05:41 Print

Party machen ist 16- bis 25-Jährigen zu ungesund

Gesunde Ernährung und Fitnesstraining stehen bei jungen Erwachsenen hoch im Kurs, wie das CS-Jugendbarometer zeigt. An Attraktivität verloren haben Clubs und Partys.

Jugendliche erzählen, wie wichtig ihnen Clubbing und gesunde Ernährung sind. (Video: sul)
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Du bist erst um 9 Uhr nach Hause gekommen? Cool. Du warst den ganzen Sonntag voll verkatert? Wow, ist dein Leben spannend! Lange definierten viele ihren sozialen Status danach, wie lange sie in den richtigen Clubs abhingen. Es war der helvetische Normalfall: Man trifft die Clique, glüht auf dem Zug vor, zieht dann von Club zu Club oder von Bar zu Bar, trinkt, tanzt, nimmt vielleicht auch Drogen.

Der Normalfall scheint nun zu bröckeln, denn viele 16- bis 25- Jährige setzen in ihrer Freizeit andere Prioritäten, wie das aktuelle Credit-Suisse-Jugendbarometer zeigt. Die Zahl jener, die «in Clubs und an Partys zu gehen» out finden, hat sich seit 2010 von 5,8 auf 11,5 Prozent verdoppelt. Ebenfalls findet die Hälfte der Befragten Drogenkonsum und Rauchen nicht erstrebenswert.

Ernährung und Fitness werden wichtiger

Neben digitalen Aktivitäten wie Whatsapp, Musik hören oder Netflix schauen hat dagegen (siehe Tabelle) «bewusstes Essen» massiv an Popularität zugelegt. 2016 fanden bewusste Ernährung noch 22,6 Prozent out, jetzt sind es noch 5,6 Prozent. An zweiter Stelle im Bereich Gesundheit und Ernährung folgt «ins Fitness oder Krafttraining gehen», das im Vergleich zu 2016 leicht eingebüsst hat.

Studienautorin Cloé Jans vom Forschungsinstitut GFS Bern begründet die sinkende Attraktivität des Club-Ausgangs mit der steigenden Individualisierung der «Generation Z». Dies zeige sich beim Zugehörigkeitsgefühl zum Freundeskreis, das seit 2015 stetig schwinde.

«Der fixe gemeinsame Ausgang in der Gruppe ist heute weniger wichtig.» Stattdessen vernetze man sich über Social Media, halte sich dort gegenseitig auf dem Laufenden und wähle gezielt aus, mit wem man was unternimmt. Dabei würden Aktivitäten wichtiger, bei denen Gesundheit und Sport eine zentrale Rolle spielten.

«Fitnesstraining wird der Party vorgezogen»

«Der gesunde Lebensstil steht derzeit ganz oben auf der Prioritätenliste», sagt Luca Bertossa, Studienleiter der Eidgenössischen Jugendbefragung ch-x. Sich wie früher im Club mit den Freunden zu treffen und zu feiern, werde durch auf Gesundheit ausgerichtete Freizeitaktivitäten verdrängt, sagt Bertossa.

«Eine Folge davon kann sein, dass das Fitnesstraining am nächsten Morgen dem Clubbesuch oder der Party vorgezogen wird.» Da sich gerade die Altersgruppe der bis 20-Jährigen sehr stark daran orientiere, was die gleichaltrigen Freunde machten, verstärke sich dieser Trend weiter. In der Jugendstudie ch-x gaben 59 Prozent von 51’000 befragten Jugendlichen an, in den letzten 12 Monaten im Fitness- oder Krafttraining gewesen zu sein. Damit war es nach Joggen die beliebteste Sportaktivität.

Bertossa sieht noch zwei weitere Faktoren: Party zu machen ist oft teuer. Und die Freizeit, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Verfügung steht, ist kleiner geworden. «Club-Eintritt, Anreise, Kosten für Getränke: Die Preise sind in den letzten Jahren stark angestiegen», sagt Bertossa. Gerade für Lernende oder Studierende sei deshalb Party im Club nicht die erste Wahl.

Ist der Club zu teuer?

Beispiel Getränke im Club: In einer Studie der Uni Zürich bei Club- und Partybesuchern im Jahr 2003 gab ein Drittel der Befragten an, der angemessene Preis für ein Vodka-Red-Bull betrage für sie 10 Franken. Damals lag das untere Preisniveau für einen Drink laut Studie bei 12 Franken. Heute zahlt man in Zürcher Clubs oft zwischen 15 und 20 Franken, obwohl sich die Teuerung seit 2003 nur auf 4,8 Prozent beläuft. Der zweite Grund laut Bertossa: «Die Zeit, die Schule und Arbeit erfordern, nimmt zu, während die Freizeit abnimmt.»

Dass Clubbing teuer und deshalb für die junge Zielgruppe teilweise nicht erschwinglich ist, dafür hat Alex Flach, Pressesprecher diverser Zürcher Clubs, Verständnis. «Wer niemanden kennt, nicht auf der Gästeliste steht und an einem Abend in verschiedenen Clubs feiern will, lässt rasch 200 Franken liegen.» Die Eintrittszahlen der Clubs sprechen laut Flach jedoch eine andere Sprache, ein Einbruch sei nicht festzustellen. Auch die die Eintritts- sowie Getränkepreise seien seit rund zehn Jahren konstant geblieben. Er ist überzeugt: «Die Obsession mit Fitness und Gesundheit wird sich bald wieder legen, wenn die jungen Leute sehen, wie die Idee auf Instagram und Co. auf die Spitze getrieben wird.»

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • schweizer Q am 27.08.2018 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Generation Burnout

    Generation Burnout sollte auch wieder etwas in den Ausgang, als nur Facebooklen und wichtig tun. ;-)

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  • Sehnsucht 6 7 am 27.08.2018 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich lebe noch .

    Wir haben auch Party gemacht teilweise auch Nächte lang durchgemacht. Ich hab's überlebt und lebe noch.

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  • let am 27.08.2018 05:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geniesseen

    Ich habe dazumal beides gemacht! Und Ich lebe noch! Heute mach ich beides nicht oder fast nicht mehr! Und bin kerngesund!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • remo am 27.08.2018 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hört auf

    Fitness, Muskeln, Body, Figur, Proteindrinks, KFA, Bizeps, Legday, Situps, Curls, dips...alles Wörter, die ich nicht mehr hören kann. Wer heute u30 nicht pumpen geht, hat das Gefühl er sei minderwertig und gehört nicht dazu. Vegesst es, peinliche Entwicklung.

  • grossvater am 27.08.2018 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    also wir hatte um

    die 1990 auch einen riesen fitness boom, der für mich bis heute anghalten hat, ich gege nach wie vor ins body, aber auf party und drogen habe ich bis heute nicht verzichtet, einfach keine harten mehr, ich sehe gerne 10 jahre jünger aus! eigentlich fanden wir als kids arnie super und trainierten schon damals wie blöde! heute sieht man viele schmale jungs mit zu grossen oberarmen, sieht echt bescheuert aus...!

  • aw55 am 27.08.2018 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Party

    Und doch sieht man sie an jeder Party. Openairs und und

  • Alfer Romero am 27.08.2018 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Null Problemo

    Gamen ist eh viel gesünder und macht attraktive. Bezahlen tut auch jemand alle.

  • Einfachnurlächerlich am 27.08.2018 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Das Beste an allem

    Wir leben im Jahr 2018 und es wird immer noch zwischen Alkohol und Drogen unterschieden.