Streit mit Bachmann

07. März 2016 16:16; Akt: 07.03.2016 16:16 Print

Pegida Schweiz wirft Ignaz Bearth raus

von Marco Lüssi - Ignaz Bearths öffentlicher Zoff mit dem deutschen Pegida-Chef Lutz Bachmann hat Folgen: Der Schweizer Ableger von Pegida gibt Bearth den Laufpass.

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Da waren sie noch Freunde: Lutz Bachmann (links), bekanntestes Gesicht von Pegida Dresden, mit Ignaz Bearth bei einem Auftritt am 6. April 2015. Ignaz Bearth posiert bei einer Montagsdemo in Dresden mit Pegida-Anhängern. An den Demos in Dresden nahmen teilweise über 10'000 Personen teil. Bearth brachte dort auch T-Shirts seiner Direktdemokratischen Partei unter die Leute. Immer wieder trat Bearth in Dresden als Redner auf. Ermöglicht wurden Bearth diese Auftritte vom deutschen Pegida-Führer Lutz Bachmann. Doch damit dürfte es nun vorbei sein: Die beiden liefern einander seit dem 5. März 2016 einen Fight auf Facebook. Bearth ist bei Bachmann offenbar in Ungnade gefallen. Auf Facebook schreibt Bachmann: «Ignaz hat Pegida vor Monaten im Einvernehmen verlassen und ist in keiner Weise Repräsentant unserer Bürgerbewegung.» Bearth reagierte, ebenfalls auf Facebook, postwendend: Das seien «unglaubliche Aussagen» von Bachmann. Und er stellt klar: «Lutz ist nicht unser Führer.» Lutz Bachmann ist hochumstritten: Negativschlagzeilen machte er unter anderem, als ein Foto auftauchte, auf dem er als Hitler posierte. Ignaz Bearth fungierte Anfang 2015 als Sprachrohr von Pegida Schweiz. Am 16. Januar 2015 gab der Präsident der rechten Kleinpartei DPS und ehemalige Pnos-Anhänger bekannt, er trete von seinem Amt als Pegida-Sprecher zurück. Mit diesem Banner warb Pegida Schweiz für ihre Kundgebung. Auf dem Flyer war Bearth noch als einer der Redner bei der ersten Schweizer Pegida-Demo angekündigt. Diese Kundgebung fand jedoch nie statt. Stattdessen begann Bearth, Pegida-Anlässe in Deutschland und Österreich zu besuchen. Schlagzeilen machte Bearth Anfang 2015 mit seiner Facebook-Seite, weil die Mehrzahl der auffällig vielen Likes von Indern kamen. Mittlerweile ist es ihm gelungen, den Anteil an Indern bei seinen Likes zu senken.

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Die Freundschaft zwischen dem St. Galler Aktivisten Ignaz Bearth (32) und Lutz Bachmann (43), Pegida-Gründer aus Dresden, ist zerbrochen: In einem Facebook-Post vom Samstag sprach der deutsche Pegida-Chef seinem Schweizer Kollegen das Recht ab, die Bewegung zu repräsentieren.

Bearth schlug zurück, indem er noch am gleichen Tag Videobotschaften ins Netz stellte, in denen er Bachmanns Aussagen als «unglaubliche Frechheit» geisselte – und unter anderem sagte: «Lutz ist nicht unser Führer!»

Bearth hat «Redeverbot für alle Pegida-Ableger»

Nun sah man sich auch bei Pegida Schweiz gezwungen, auf den Fight der beiden Streithähne zu reagieren. In einer am Sonntagabend veröffentlichten Stellungnahme schreiben Mike Spielmann und Tobias Steiger im Namen des Schweizer Ablegers, was zwischen Bachmann und Bearth passiert sei, sei ein «unglaublicher Showdown».

Die Konsequenz: Bearth sei nun kein Ansprechpartner mehr bezüglich Pegida Schweiz. Die offiziellen Absprachen mit Dresden würden Spielmann und Steiger übernehmen. Und Bearth habe von Dresden ein «Redeverbot für alle Pegida-Ableger» erhalten.

Pegida Schweiz will eigene Partei gründen

Zudem wirkt sich der Streit empfindlich auf die Mitgliederzahl der von Bearth präsidierten Mini-Partei, der Direktdemokratischen Partei Schweiz (DPS), aus: Spielmann und Steiger legen ihre Parteiämter nieder und treten aus der DPS aus, für die sie noch im letzten Herbst bei den Nationalratswahlen angetreten waren. Stattdessen wollen sie – «in Absprache mit Dresden» – im Frühling eine eigene Partei gründen.

Zu entnehmen sind der Stellungnahme von Pegida Schweiz auch Hintergründe zum Zerwürfnis zwischen Bachmann und Bearth, der in der Vergangenheit immer wieder an Pegida-Demos in Dresden Hetzreden hatte halten dürfen: Schon länger habe es zwischen ihnen «persönliche Differenzen» gegeben. Bachmann habe Bearth schon vor einigen Monaten wegen seiner «etwas lauteren Redensart» kritisiert. Obwohl der Dresdner Pegida-Chef zugleich Bearth für die von ihm vermittelten Inhalte und seine Zuverlässigkeit gelobt habe, sei dies Bearth «in den falschen Hals geraten». Er habe Bachmann daraufhin «entfreundet».

Facebook-Schreibrechte entzogen

Ihrerseits in den falschen Hals geraten ist den Schweizer Pegida-Kollegen von Bearth, dass dieser seine Anti-Bachmann-Videos auf der Facebook-Seite von Pegida Schweiz teilte: «Wir wollen niemandem als Plattform dienen, um einen persönlichen Konflikt auszutragen.»

Als sie die Videos wieder gelöscht hätten, habe Bearth Spielmann und Steiger die Schreibrechte für die Facebook-Seite entzogen. Deshalb sei man gezwungen gewesen, für Pegida Schweiz eine neue Facebook-Seite einzurichten. Man habe vergeblich versucht, mit Bearth das Gespräch zu suchen, um die Angelegenheit zu klären. Für 20 Minuten war Bearth am Montag nicht erreichbar.