Deutsch für Flüchtlinge

08. Mai 2015 17:07; Akt: 08.05.2015 17:07 Print

Pensionierte Lehrer sollen Asylsuchende unterrichten

von Florian Meier - In Deutschland und Österreich bringen pensionierte Lehrer Asylbewerbern Deutsch bei. Dieses Modell könnte sich auch bei uns durchsetzen.

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Für Asylsuchende ist es extrem wichtig, dass sie so schnell wie möglich Deutsch lernen. Deshalb sollen sie jetzt von pensionierten Lehrpersonen unterstützt werden. (Bild: Keystone/Samuel Golay)

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Wer als Flüchtling nach Europa kommt, hat es nicht einfach. Vor allem die Integration stellt eine grosse Herausforderung dar. Gute Sprachkenntnisse sind dabei entscheidend. Um diese zu fördern, setzt Deutschland vermehrt auf pensionierte Lehrer. Allein in Bayern büffeln bereits rund 1000 ehemalige Lehrer freiwillig mit Asylbewerbern Deutsch. In Österreich gibt es ähnliche Projekte. Und auch in der Schweiz sollen ehemalige Lehrkräfte vermehrt aus dem Ruhestand zurückkehren, um die Flüchtling zu unterstützen.

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«Ich finde das eine sehr gute Idee», sagt Stefan Frey von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Der Deutschunterricht, den die Asylbewerber heute bei professionellen Lehrpersonen besuchen können, reiche nicht aus. «Das sind sehr wenig Stunden, das Niveau ist meist sehr tief.» Die Kantone müssten sich deshalb ernsthaft überlegen, ob sie nicht mit pensionierten Lehrern zusammenarbeiten wollen. «In der Schweiz gibt es so viele Leute im Ruhestand, die gerne noch etwas machen wollen.» Da würden sich bestimmt einige pensionierte Lehrer finden, die bereit wären, Asylbewerber ehrenamtlich zu unterstützen.

Auch die Lehrer profitieren

Erste entsprechende Pilotprojekte gibt es in der Schweiz bereits. Ein Beispiel dafür ist das Asylzentrum Riggisberg im Kanton Bern. Dort arbeiten rund 40 Ehrenamtliche, die mit den Asylbewerbern Fussball spielen, ihnen Kaffee bringen oder sie eben auch beim Deutschlernen unterstützen. Etwa die Hälfte davon seien pensionierte Lehrer, wie Martin Trachsel, Co-Leiter des Zentrums, erzählt. «Unsere Erfahrungen sind sehr positiv.» Die Asylbewerber würden viel schneller lernen und auch für die Lehrkräfte sei das eine Bereicherung. «Sie haben Freude daran, sich aktiv zu beteiligen.»

Eine der freiwilligen Deutschlehrerinnen ist Annemarie Moser. Nach ihrer aktiven Zeit als Primarlehrerin war für sie klar, dass sie ihre Kräfte weiter einsetzen will. Heute lernt die 66-Jährige einmal pro Woche mit Flüchtlingen Deutsch. Diese seien hochmotiviert, wie sie erzählt. «Trotzdem fällt es vielen nicht leicht.» Man müsse sich bewusst sein, wie schwierig die deutsche Sprache für jemanden sei, dessen Muttersprache beispielsweise Arabisch ist. «Die haben nicht einmal dasselbe Alphabet.» Gerade deshalb unterstützt Moser die Idee, pensionierte Lehrer viel mehr zu mobilisieren. Sie kann aber auch persönlich viel aus der Arbeit im Zentrum mitnehmen. «Solche Menschen in einer sehr schwierigen Zeit unterstützen zu können, macht mir viel Freude.»

Politik ist geteilter Meinung

Auch in der Politik findet das Modell Unterstützung. «Das Niveau der Sprachkurse, die die Asylsuchenden besuchen können, reicht heute bei weitem nicht aus», sagt SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Deshalb sei es eine sehr gute und begrüssenswerte Idee, wenn pensionierte Lehrer auf freiwilliger Basis einen Beitrag leisten. Wermuth betont aber auch, dass diese Lehrkräfte die professionellen Sprachkurse nicht ersetzen dürfen. «Wir müssen dringend auch mehr bezahlte Lehrer anstellen, es braucht eine gesunde Mischung aus beidem.»

Vorbehalte hat hingegen SVP-Nationalrat Hans Fehr. Der Deutschunterricht solle nur Menschen angeboten werden, deren Asylgesuch bereits bewilligt wurde und die entsprechend in der Schweiz bleiben. Schon die Asylsuchenden in den Deutschunterricht zu schicken, sei falsch. «So schaffen wir ja nur noch mehr Anreize, um in der Schweiz ein Asylgesuch zu stellen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pete am 08.05.2015 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Diese

    ganze Asylinsdustrie ist einfach nur asozial dem CH-Volk gegenüber. Alles wird fleissig mit Steuergeldern bezahl. Dafür wird z.B. bei unseren Kindern in den Schulen oder den Senioren fleissig gespart. Das ist einfach nur eine Frechheit!

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  • Beat Müller am 08.05.2015 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Leider muss man sie zurückschicken

    Statt die Asylsuchenden zu integrieren, sollten wir sofort ihren Rücktransport organisieren. Andernfalls werden immer mehr kommen, wenn sie sehen dass man bleiben kann. In Afrika und dem mittleren Osten warten Millionen auf eine Gelegenheit nach Europa zu kommen. Es wird ein Chaos geben. Afrika explodiert. In Tunesien sind 50% der Bevölkerung unter 27 Jahre alt.

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  • Mike am 08.05.2015 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar

    Und die Kosten steigen und steigen und steigen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ok am 09.05.2015 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lesen ist Kunst

    Innerhalb dieser Idee geht es ja genau darum kein Geld dafür auszugeben... besser lesen bitte. Die pensionierten Lehrer machen dies auf freiwilliger Basis... ojeeeee...

  • Dori am 09.05.2015 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Nicht mal für 200.-/Stunde würde ich das machen!

  • Wutbürger am 09.05.2015 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    wenn wir selber nichts mehr haben

    Kommen auch keine mehr.

  • mario salomon am 09.05.2015 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Umsonst?

    Und die Lehrer arbeiten ehrenamtlich, also Umsonst. Für was soll ich mir sowas antun? Entweder die Arbeit ist was Wert oder Nix, eine Entschädigung ist also angebracht.

  • Qusi am 09.05.2015 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In was unterrichten

    Wie sie am besten nachhause finden und dort erfolgreich, werden wir einst unsere Vorfahren. Das wäre doch mal eine sinnvoller Unterricht und nicht was sie hier alles erhalten können.

    • mike am 09.05.2015 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      abgesehen davon,

      dass dir auch ein Deutschkurs guttun würde, empfehle ich mal auf YouTube die dreiteilige Dokumentation "Die Waffen des Fortschritts" anzuschauen. Wenn du dann immer noch der gleichen Meinung bist, dann ist das halt so.

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