Sexualpraktiken

19. April 2016 11:49; Akt: 19.04.2016 14:09 Print

Pervers zu sein, ist eigentlich normal

Jeder Zweite ist laut einer Studie ein potenzieller Voyeur oder hat einen Fetisch. Schweizer Sex-Berater sehen diese Tendenz auch in ihren Praxen.

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Fast jeder zweite Mann wäre gern einmal Voyeur, Frauen hingegen stehen eher auf Fetische - Schweizer Sexualberater überraschen die Ergebnisse einer Studie nicht. (Bild: Vladimir Godnik)

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Fast die Hälfte der Erwachsenen hatte schon den Wunsch, abnorme sexuelle Praktiken auszuüben. 33,9 Prozent haben es bereits getan. Das ist das Ergebnis einer Studie aus Kanada. Sehr verbreitet ist der Wunsch, voyeuristische Praktiken auszuüben (46,3 Prozent), dicht gefolgt von Fetischismus (44,5 Prozent). 30,6 Prozent der Teilnehmer sind fasziniert von Exhibitionismus, 26,7 Prozent von Frotteurismus und 23,8 Prozent von Masochismus.

Umfrage
Haben Sie auch den Wunsch, sich solchen sexuellen Praktiken hinzugeben?
36 %
25 %
39 %
Insgesamt 8403 Teilnehmer

Interessant dabei ist, dass Männer ein deutlich grösseres Interesse an Voyeurismus (60 Prozent) haben als Frauen (34,7 Prozent). Umgekehrt verhält es sich beim Fetischismus, den 47,9 Prozent der Teilnehmerinnen gern ausüben würden im Vergleich zu 40,4 Prozent der männlichen Teilnehmer.

«Heute gibt es Fetisch-Partys in Swingerclubs»

Die sogenannten abnormen sexuellen Neigungen sind also weder selten noch ungewöhnlich, folgern die Studienautoren. Im Gegenteil: Pervers zu sein, ist eigentlich normal. Schweizer Sexualberater überraschen diese Ergebnisse nicht. Sie wissen schon lange, dass viele Menschen sexuelle Bedürfnisse haben, die von der Gesellschaft als abnormal bezeichnet werden. «Ein Teil meiner täglichen Arbeit als Sexualberaterin dreht sich um die Frage, wie man dem Partner seine Wünsche offen mitteilen kann», sagt Bettina Disler von der Sexualberatung Zürich.

Viele würden heute noch denken, dass ihre Wünsche abnorm seien. Doch man könne Praktiken wie Fetischismus, Voyeurismus oder Exhibitionismus heute viel einfacher ausleben. «An Fetischpartys oder in Swingerclubs mit entsprechenden Themenabenden kann man Gleichgesinnte treffen und fühlt sich nicht mehr als Outsider.»

«In Paarbeziehungen ein Ausdruck von Experimentierlust»

Ähnlich sieht dies Sexualtherapeutin Annelise Aeschlimann. «In meiner Praxis thematisieren Klienten häufig ihr Interesse an unterschiedlichen Spielarten der Sexualität.» Sie stellt zudem eine grössere Selbstverständlichkeit im Umgang mit tabuisierten erotischen Praktiken fest. «Man teilt sich in der Partnerschaft vermehrt auch gewagtere Wünsche und Erfahrungen mit.»

Ob solo oder in einer Paarbeziehung könne das Ausprobieren von erotischen Varianten als Lebendigkeit und Experimentierlust gewertet werden. Aeschlimann betont, dass Präferenzen wie beispielsweise Fetischismus oder Fesselspiele nur dann problematisch würden, wenn das gegenseitige Einvernehmen fehle, die Bedürfnisse zwanghaft auftreten würden oder Schwierigkeiten bereiteten.

«Neue Rollenbilder werden gelebt»

Auch für den Berner Sexualberater René Hess widerspiegeln die Ergebnisse seine Erfahrungen als Berater. Er hat viele Klienten, die ihn wegen Voyeurismus oder anderer sexueller Probleme aufsuchen. Die meisten würden sich schämen oder ihre Neigungen als belastend empfinden. Oft beschäftige sie die Frage, ob ihre Partnerin sie deswegen ablehnen würde. Heute könnten seine Klienten aber eher dazu stehen, weil sich der gesellschaftliche Umgang mit Sexualität und den spezifischen Praktiken verändert habe.

Das habe dazu geführt, dass rigide sexuelle Normvorgaben aufgeweicht wurden. «Literatur und Medien transportieren neue Rollenbilder in die Welt, die ausprobiert und gelebt werden.»

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(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger Müller am 19.04.2016 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    pervers?

    Seit wann (bitte genaues Datum) ist Voyeurismus, Exhibitstionismus, Fetisch etc. pervers? Pervers bedeutet: verkehrt, verdreht, widernatürlich ... Der Mensch IST von Natur aus Voyeur, exhibitstionistisch ... und stellt euch vor, der Mensch IST ein sexuelles Wesen mit verschiedenster Veranlagungen. Vielleicht ist das alleine ja schon pervers, von der Natur :-)

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  • Fritz am 19.04.2016 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allesgernist

    Ich mag alles. Die Abwechslung machts aus.

  • Compact am 19.04.2016 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frohes schreiben

    Gespannt bin ich nun auf die Leserkommentare.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nic111 am 19.04.2016 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sexualpraktiken

    Ich mag eigentlich ganz normalen Sex im Bett, am liebsten 3x die Woche. Auch das gibt es noch:-))

  • thomes am 19.04.2016 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    es sollte mehr FKK Badeplätze am Zürichsee haben.

  • Realist am 19.04.2016 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Wort pervers im Wandel der Zeit

    Das Wort "pervers" und "Perversion" hat einen großen Wandel durchgemacht. Während früher, bis in die 80-er des 20-sten Jahrhunderts eine Perversion klar auf damals unübliche Sexpraktiken: Sodomie, Fetischismus, Sadismus, Masochismus bezogen wurde, missbrauchten die Jugendlichen das Wort vollkommen: pervers schön, pervers gut etc. Heute wird das Wort wie folgt definiert: bei sexuellen Praktiken als widernatürlich empfunden und die Grenze des Erlaubten überschreitend. In Bezug auf Menschen und sexuelle Praktiken sollte es, da stark diskriminiert, sehr überlegt angewandt werden!

  • HeavyCross am 19.04.2016 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BDSM Fetisch

    Ich habe in Germany BDSM praktiziert, Fetischparty,, 1mal pro Monat mit Gleichgesinnten getroffen und auf einer entsprechenden Seite angemeldet.Hier vermisse ich das etwas. Ist man hier nicht so offen oder traut ihr euch nicht so?

    • SpaceGandalf am 19.04.2016 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @HeavyCross

      Das gibt es doch alles. Musst dich nur ein wenig informieren...

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  • Worm77 am 19.04.2016 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Ich mag auch so einiges... Aber als abnormal habe ich das nie empfunden. Die sexueller Vielfalt ist so gross, wie es Menschen gibt.