Grüne Vorstösse

12. Mai 2015 10:26; Akt: 12.05.2015 10:26 Print

Pestizide machen krank – Greenpeace will Bio-Pflicht

von Ph. Flück - Laut einer Greenpeace-Studie machen uns Pestizide krank. Die Grünen fordern nun, dass nur noch Bioprodukte angebaut werden dürfen – die Bauern wehren sich.

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Greenpeace warnt vor Pestiziden und fordert eine «ökologische Landwirtschaft». (Bild: Keystone/Patrick Pleul)

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Mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat werden in der Schweiz Obstbäume, Felder und Reben besprüht. Nun schlägt Greenpeace Alarm: Eine Studie der Umweltschutzorganisation soll belegen, dass der Einsatz des Pestizids krank macht. Die medizinische Literatur zeige einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Pestiziden und Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Parkinson, heisst es im Bericht, der von Greenpeace-Forschern aus der aktuellen medizinischen Literatur zusammengestellt wurde. Auch das Risiko für Fehlentwicklungen, neurologischen und immunologischen Störungen sei insbesondere bei Kleinkindern und Ungeborenen erhöht. In Pestiziden enthaltene Chemikalien könnten selbst im Mutterleib direkt auf das Kind übergehen.

Durch die Verschmutzung von Böden und Wasserwegen seien auch Erwachsene einem wahren Pestizidcocktail ausgesetzt, heisst es in der Studie weiter. Deshalb fordert Greenpeace «den unverzüglichen Ausstieg aus der Verwendung sämtlicher Pestizide, die für Nichtzielorganismen giftig sind» und die Hinwendung zur sogenannten «ökologischen Landwirtschaft», die ohne Pestizide auskommt. «Somit können wir die Gefahr für Mensch und Tier zumindest minimieren», erklärt Yves Zenger, Pressesprecher von Greenpeace.

«Bioproduktion ist die Zukunft»

Dieses Ziel teilen die Grünen. Sie haben vergangene Woche im Parlament ein ganzes Vorstosspaket eingereicht, mit dem sie den Bundesrat dazu auffordern, die Gefahr des Einsatzes von Glyphosat und glyphosathaltigen Produkten zu prüfen und gegebenfalls zu sistieren. «Den Verdacht, dass diese Stoffe schädlich sein könnten, gibt es schon lange. Diese Studie bestätigt dies nun», erklärt Louis Schelbert, Nationalrat der Grünen.

Auch für ihn ist die Anwendung von Pestiziden langfristig keine sinnvolle Option mehr für die Landwirtschaft: «Die Zukunft liegt ganz klar in der schadstofffreien Bioproduktion.» Landwirtschaft müsse für den Boden, das Wasser und die Tiere nachhaltig sein. «Nur der Bio-Anbau entspricht diesen Anforderungen.»

Wichtig für Landwirtschaft

Markus Ritter, CVP-Nationalrat und Präsident des Schweizer Bauernverbands, will hingegen nichts wissen von einem totalen Pestizidverbot – das sei unverhältnismässig: «Pestizide garantieren eine gewisse Erntesicherheit. Müssten wir ohne Pestizide auskommen, wären die Erträge sicher wesentlich kleiner.» Dies würde dazu führen, dass die Produkte auf dem Markt teurer würden.

Trotzdem findet es auch Ritter wichtig, dass Gesundheitsrisiken möglichst ausgeschlossen werden können: «Sollte sich ein Pestizid als schädlich erweisen, ist es richtig, dieses zu verbieten.» Dies dürfe aber nur nach einer breit abgestützten wissenschaftlichen Untersuchung geschehen. «So kann man auch den Bauern erklären, warum sie einen bestimmten Stoff nicht mehr einsetzen dürfen.» Auf keinen Fall dürfe es sich nur um ein politisches Verbot handeln.

«Bio ist Augenwischerei»

Auch Immunologe Beda Stadler, der in der Vergangenheit mehrfach durch Kritik am Bio-Hype aufgefallen ist, hält wenig von den Forderungen von Greenpeace und den Grünen: «Pestizide wie Glyphosat sind harmlos, wenn sie richtig eingesetzt werden.» Natürlich sollte man «nicht gleich flaschenweise davon trinken», doch für den landwirtschaftlichen Einsatz sei dieser Stoff völlig unproblematisch. Menschen würden Glyphosat schon seit Jahrzehnten benutzen: «Dass man nun ein solches Theater darum machen will, ist ein Witz.»

Biobauern würden statt Glyphosat eine Kupfersulfat-Lösung über ihre Pflanzen sprühen, diese sei für den Boden viel schädlicher, so Stadler. Der Biologe wittert hinter den Forderungen vor allem eine wirksame PR-Aktion: Bio sei heute für viele Menschen eine Ersatzreligion geworden. Deshalb überrasche es ihn nicht, dass Greenpeace nun auf diese setze. «Man hofft wohl damit möglichst viele Menschen zum Spenden zu bewegen.»

Greenpeace wehrt sich gegen diesen Vorwurf: «Es ist ausreichend wissenschaftlich belegt, dass Pestizide wie Glyphosat krank machen können.» Als Immunologe sollte Stadler das eigentlich wissen, so Zenger. «Aber als Jünger der Agrochemie fehlt ihm da die nötige Distanz.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco Camenisch am 12.05.2015 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Der Industrie-finanzierte Beda Stadler

    Klar dass der Industrie-finanzierte Beda Stadler natürlich wieder alles komplett verharmlost! Genau diese Art von Pseudo-Experten und Leuten, die für Geld alles behaupten, sind daran Schuld, dass immer mehr Leute an Krebs, Alzheimer etc. erkranken. Bald ist der Erfinder von Agent Orange und DDT, Monsanto, auch bei uns aktiv und zehrt jeden vor Gericht, der es wagt, mit anstatt gegen die Natur zu leben. Wir sind teil der Natur und können nur mit ihr zusammen überleben.

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  • Andreas S am 12.05.2015 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Sämtliche Pestizide verbieten!

    Ich wäre dafür das alle Pesizide, und auch alle anderen Stoffe die für die Natur schädlich sind nicht in der Landwirtschaft eingesetzt werden dürfen. Dabei geht es nicht alleine darum ob es für uns giftig ist. Sondern auch darum das es die Artenvielfalt zerstört. Es gibt schon kaum mehr Schmetterlinge und auch viele andere sensible Arten sind vom aussterben bedroht. Nicht zuletzt durch Pestizide. Wir verwandeln unseren Artenreichen Planeten langsam in eine Agrarwüste! Das kann so nicht weiter gehen!

  • ProBiot am 12.05.2015 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht nicht nur um gesünderes Gemüse

    sondern auch darum, wie wir unsere Erde behandeln, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Demian am 13.05.2015 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Greenpeace und die Grünen wollen

    also die 93% nicht Bioprodukte und die 88% nicht Bioäcker zwangsumstellen. Das wäre als ob man 93% Aufgeklärte zurück ins Mittelalter schicken möchte. Diese Art der Denke kennt mal genügend aus linksideologischen Glaubenssätzen.

  • Elle Driver am 13.05.2015 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Die bessere Alternative

    Ich bin zwar selbst ein grosser Biofan, aber könnte man mit nur Bioproduktion alle Menschen ernähren? Das bezweifle ich! Man darf nicht vergessen, dass bei Bio ein beträchtlicher Teil der Ernte verloren geht. Es wird nicht genug für alle da sein. Die bessere Alternative wären neue, gesundheits und umweltfreundliche Pestizide.

  • Walter R am 13.05.2015 03:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin nicht überzeugt..

    Ein weiterer Versuch von Greenpeace und den Grünen, sich selbst ins Rampenlicht zu stellen. Für mich ist BIO tabu, denn ich bin von der Qualität von Bio-Produkten keineswegs überzeugt. Ein Bio-Bauer hat mir einmal gesagt: «Glaube bloss nicht, dass in der Bio-Landwirtschaft weniger gespritzt wird. Da wird noch mehr gespritzt, als in der herkömmlichen Landwirtschaft. Der Unterschieid besteht darin, dass bei Bio keine chemische, sondern pflanzliche Pestizide eingesetzt werden.» Es ist ja auch Klar, wenn ein Pestizid zum Beispiel Insekten abtöten soll, muss es giftig sein. Ist ein Insekten abtötendes Pestizid für Menschen wirklich vollkommen harmlos, auch wenn es nicht chemisch, sondern pflanzlich ist? Wurde das schon einmal untersucht? Werden Bio-Produkte auch auf pflanzliche Giftrückstände untersucht? Können die Grünen und Greenpeace garantieren, dass Bio-Produkte vollkommen Giftrückstand frei und sauber sind? Worin besteht der Unterschied zwischen Bio Produkten und herkömmliche Produkten, ausser dass BIO massiv teurer ist?

  • Chemiker am 12.05.2015 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Güte...

    Glyphosat ist kein Pestizid sondern ein Herbizid. Kupfersulfat dagegen primär ein Fungizid. Dazu kommt noch, dass es wesentlich wassergefährdender als Glyphosat ist. Was das mit Bio zu tun haben soll, weiss wohl niemand. Mal davon abgesehen, dass Kupfersulfat nicht deklariert wird und für Menschen mit Kupferstoffwechselstörungen lebensgefährlich ist. Der Artikel ist so arm an Fachwissen, dass es bedenklich wird.

    • Scorpionne am 13.05.2015 08:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Chemiker

      Hmm..die Sache mit dem Kupfersulfat könnte stimmen. Könnte es sein,dass sich bei einem Ueberschuss das Zeug in den Haaren ablagert? Womit könnte man diese Stoffe denn neutralisieren? Mein Problem ist,dass ich offenbar die anderen Stoffe noch weniger vertrage.Mehrmals schon hatte ich nach dem Essen von Nicht-Bio-Gemüse ganz strube akute Vergiftungen mit Erbrechen und Ohnmacht,wo ich mich wirklich fühlte,als wäre ich knapp dem Tode entkommen. Keine Ahnung,was das für ein Rattengift war. Und vom Geschmack her,finde ich das Biogemüse mehrheitlich besser. Ausgenommen z.B. die Karotten.

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  • Nin Guna am 12.05.2015 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Widerspruch in sich...

    einerseits propagiert Greenpeace die unverminderte Vermehrung des Menschen, wer nicht ernährt werden kann soll nach Europa kommen. Andererseits sollen weniger Lebensmittel produziert werden. Geht nicht ganz auf...