Junge Grünliberale

20. August 2015 11:55; Akt: 20.08.2015 11:55 Print

Petition gegen Bersets Krankenkassen-Pläne

von B. Zanni - Die Junge GLP kämpft mit einer Petition gegen den Plan des Bundesrats, die Prämienrabatte bei hohen Franchisen zu senken. Junge Leute würden zu Unrecht bestraft.

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Junge, gesunde Leute gehen selten zum Arzt: Pascal Vuichard, Co-Präsident der Jungen GLP, befürchtet, dass sich dies bei tieferen Prämienrabatten ändern würde. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Für die Jungen Grünliberalen geht Bundesrat Alain Berset zu weit. «So nicht, Bundesrat Berset», tadelt ihn die Partei. Mit einer Petition protestieren die Jungen Grünliberalen gegen die am Dienstag in die Vernehmlassung geschickte Revision des Krankenversicherungsgesetzes.

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Die Partei fordert Berset auf, auf die geplante Streichung der Wahlfranchisen von 1000 und 2000 Franken zu verzichten. Heute können Versicherte aus sechs verschiedenen Franchisestufen wählen. Zudem soll der Bundesrat von der Reduktion der Prämienrabatte absehen. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Versicherte mit hohen Franchisen schlechter fahren als heute (siehe Box).

«Bestraft werden jene, die nicht gleich zum Arzt rennen»

Die Co-Präsidenten der Jungen GLP, Salome Mathys und Pascal Vuichard, werfen Berset in der Petition vor, insbesondere junge, eigenverantwortlich handelnde Versicherte mit niedrigem Budget zu bestrafen. Empört schreiben sie weiter: «Es kann doch nicht sein, dass ausgerechnet diejenigen, die nicht bei jedem ‘Bobo‘ zum Arzt rennen, künftig jedes Jahr mehrere hundert Franken zusätzlich in die Krankenkasse bezahlen müssen.»

Ins gleiche Horn stösst auch Peter Hettich, Professor für öffentliches Wirtschaftsrecht an der Universität St. Gallen. Er twitterte: «Wer das Gesundheitssystem kaum nutzt, wird bestraft. Solidarität über alles, Selbstverantwortung ade.»

«Die Jungen müssten viele Abstriche machen»

Pascal Vuichard ist überzeugt, dass die geplante Reform junge Menschen besonders treffen würde, die sich oft für hohe Franchisen entscheiden. «Die höheren Prämien zwingen sie dazu, viele finanzielle Abstriche zu machen.» Beispielsweise gingen diese auf Kosten von Ausbildung und Lebensstandard. «Mit den steigenden Lebenshaltungskosten reissen die reduzierten Rabatte ein noch grösseres Loch in ihre Portemonnaies.»

Vuichard ist zudem überzeugt, dass die Revision Ausgaben anstatt Einsparungen verursachen würde. «Haben die jungen Leute keinen finanziellen Anreiz mehr, gehen sie viel schneller und öfter zum Arzt, was Mehrkosten für die Gesamtheit verursacht», prophezeit Vuichard.

«Bis jetzt bezahlen Kranke zu viel»

SP-Nationalrat Jean François Steiert ist dagegen der Ansicht, dass das neue Gesetz Gerechtigkeit schafft. «Bis jetzt bezahlen chronisch Kranke und Schwangere zu hohe Prämien», sagt Steiert. Der Vizepräsident des Dachverbands Schweizerischer Patientenstellen weist zudem darauf hin, dass es mehr chronisch kranke junge Menschen gebe, als man denke.

Dass junge gesunde Menschen künftig tiefer in die Tasche greifen müssten, bedauert er nicht. «Jeder Junge wird einmal alt und muss dann fast sicher vermehrt medizinische Dienstleistungen in Anspruch nehmen.» Vuichards Annahme, die tieferen Prämienrabatte würden die Jungen vermehrt zum Arzt locken, teilt er nicht. «Im Verband stellen wir fest, dass moderne Menschen aus Zeitgründen oft eher zu spät als zu früh zum Arzt gehen.»

Das Bundesamt für Gesundheit will mit der Revision das System vereinfachen und dafür sorgen, dass gesunde Versicherte nicht mehr im gleichen Mass vom System profitieren können.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G.Ott am 20.08.2015 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solidariblablabla

    Die Prämien decken 1/3 der Gesundheitskosten und nur 60% zahlen die volle Prämien. Und die SP hat die Frechheit und ungerechter Kopfprämie zu sprechen! Das Gesundheitswesen ist ein Selbstbedienungsladen und Berset will die eigenverantwortlich Handelnden noch mehr strafen! So nicht.

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  • Ellen am 20.08.2015 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    gehts noch

    Dazu kann ich nur sagen "riesen Frechheit"!!! man wird bestraft, wenn man (noch) gesund ist.

  • Zu Spät am 20.08.2015 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt keine Lösung

    Weder KK noch Pharma inkl. Ärzte noch Patienten wollen bei sich einsparen. Bald kommen noch viele Patienten dazu, die noch nie einen Franken einbezahlt haben. Die Kosten werden explodieren, gewöhnt euch daran. Es führt kein Weg daran vorbei!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rösti Graben am 21.08.2015 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Transparenz

    Wir sehen leider nur in welchen Kantonen wieviel mehr bezahlt werden muss. Interessant wäre mal zu sehen warum. Anzahl OP's, Untersuchungen, Notfälle pro Spital über die Jahre.

  • Mike am 21.08.2015 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Private Kk funktioniert so nicht

    Habe hohe Franchise und zahle alle meine Rechnungen selber. Gehe deswegen erst im Notfall zum Arzt. Komme mir vor, wie wenn ich ohne Krankenkasse leben würde und extra fünf tausend Franken Steuern bezahle ohne Gegenleistung. Die Kk könnte genauso gut verstaatlicht werden. Es würde sich für mich nichts ändern.

  • Tristan am 21.08.2015 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umsatz !

    Wann begreift der grösste Teil von uns Schweizer endlich, dass Spital, Ärzte usw. ein Geschäft sind wie jedes Andere auch ? Darum, nachdenken für was man zum Arzt rennt ob man ein Medikament wirklich braucht oder eine OP wirklich nötig ist . Selber denken ist gefragt und auch dem gesundheits System etwas kritisch gegenüberstehen ist angesagt. Traut euch zu hinterfragen, bevor ihr behandelt werden ! Dazu muss man nicht Medizin studieren, etwas Verstand tut's auch.

  • moni am 21.08.2015 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    system ist leider falsch

    Es gibt andere möglichkeiten, zB: gibt es wahnsinnig viel leute die wegen jeden popo in den notfall gehen oder wegen jedem popo zum arzt, ohje, was ich das letzte mal im notfall gesehen habe, unfassbar....das wird dann alles durch die KK bezahlt. oder die ganzen Asylanten und neu- Zuzüger die ohne jemals etwas eingezahlt zu haben sofort profitieren können. es kann am schluss einfach nicht mehr aufgehen....die grundidee wäre so gut, aber eben es gibt immer mehr die aus dem topf schöpfen aber zu wenig die einzahlen.

  • moni am 21.08.2015 06:19 Report Diesen Beitrag melden

    grenzgänger schweizer

    ich hab schon gehört, dass grenzgänger zu guten und zt günstigen konditionen in der schweiz kk versichert sind und bei nichtgebrauch ein teil der monatlichen zahlung zurückbekommen, wäre schön wenn es bei uns schweizern auch so wäre, aber nein man sollte als strafe noch mehr zahlen bei nichtgebrauch....sehr unfair das ganze