Instrumentalisierung?

06. Februar 2019 08:38; Akt: 06.02.2019 13:40 Print

Pfadi-Frau wirbt für die SVP und wird angefeindet

Eine Pfadileiterin ist eines der Gesichter einer neuen SVP-Kampagne. Nun wird sie attackiert, die Partei spricht von «linker Hetze».

Der Spot der Agentur Goal sorgt für Kritik.
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Mit einer neuen Social-Media-Kampagne startet die SVP ins Wahljahr: Sie lässt Bürger auftreten, die sich als Anhänger der Partei outen – von der Pfadfinderin, dem Maturanden bis zum Tierschützer. Die Aussage: Dass nur Ewiggestrige oder Spiessbürger die SVP wählten, sei ein Klischee. Die Testimonials sind keine Schauspieler, sondern stehen der SVP nahe.

In einem der Spots erzählt Naemi Dimmeler, Mitglied der Jungen SVP des Kantons Zürich, sie sei leidenschaftliche Pfadileiterin. Und weiter. «Ich wähle SVP, weil die unkontrollierte Zuwanderung den sozialen Frieden gefährdet.» Danach sieht man sie in ihrem Pfadihemd.

«Den typischen SVP-Wähler gibt es nicht»

In Pfadi-Kreisen sorgt die Kampagne für rote Köpfe: «Eine echte Pfadfinderin würde sich niemals in Uniform für eine Partei aussprechen, das wäre gegen die Grundsätze der Pfadi. Liebe Parteien, lasst die Pfadis in Ruhe. Respektlos ist sowas», schreibt etwa ein Pfadileiter auf Facebook. Die Pfadi dürfe nicht für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert werden.

Keine Freude hat auch die Pfadibewegung Schweiz: «Wir sind parteipolitisch neutral, wenn ein Mitglied sich zu einer Partei bekennt, ist das seine persönliche Sache», sagt Sprecherin Daniela Diener. Die Marke Pfadi sei nicht geschützt – entsprechend könne jeder im Pfadihemd auftreten. Klar sei: «Es ist nicht in unserem Sinn, dass man im Pfadihemd und mit Foulard für eine Partei wirbt». Ob sich Dimmeler weiter in der Pfadi engagiere, sei Angelegenheit der lokalen Gruppe.

Lea Halter vom Kantonalverband der Pfadi Züri sagt, der Auftritt habe in den sozialen Netzwerken für viel Kritik aus Pfadfinderkreisen gesorgt, da man als Pfadiorganisation politisch neutral sei. Sie dementiert, dass gar ein Ausschluss Dimmelers zur Debatte stand. Diese sei auch nicht einmal aktive Pfadileiterin. «Sie hilft möglicherweise noch ab und zu aus.»

«Linke Hetze nimmt bedenkliche Züge an»

Dimmeler selbst sagt, ob sie im Register aufgeführt sei oder nicht, spiele für sie keine Rolle. «Ich kann nur nochmals betonen, dass ich als Hilfsleiterin mit grösstmöglichem Einsatz die Aktivitäten für die Pfadikinder mitgestaltete. Den Verlauf des Vorfalls empfinde ich als sehr schade.» Mit so heftigen Reaktionen habe sie nicht nicht gerechnet: «Die Message ist nicht, dass Pfadfinder grundsätzlich für die SVP sind. Die Botschaft ist, dass es den typischen SVP-Wähler nicht gibt, den man von aussen suggeriert bekommt.»

SVP-Wahlkampfleiter Adrian Amstutz sagt: «Wäre es ein Spot für eine linke Partei, wäre ein solcher Auftritt wohl überhaupt kein Problem.» Die «linke Hetze der selbsternannten Obertoleranten» nehme aber immer absurdere Züge an: «Wer auch nur ein wenig Richtung SVP argumentiert, wird geschnitten und ausgegrenzt.» Das sehe man bei Künstlern wie Gölä oder dem Satiriker Andreas Thiel. «Auch Lehrpersonen, Sozialarbeitende und Medienschaffende wagen sich kaum mehr, sich öffentlich zur SVP zu bekennen, da sie sonst Gefahr laufen, gemobbt zu werden. Ich beklage mich nicht darüber, ich stelle nur fest.»

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heisenberg am 06.02.2019 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Stimme zu

    Ich bin kein SVP-Wähler. Aber diesbezüglich stimme ich den SVPlern zu. Sie müssen sich öfters für ihre politische Gesinung rechtfertigen als linke Wähler. In einer direkten Demokratie, wo die Bürger alle 4 Jahre die politischen Mehrheiten verändern können, ist dies nicht gerechtfertigt.

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  • Konrad am 06.02.2019 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    was soll man da sagen...

    man erntet was man säht... Siehe auch die Kommentare zu Greta Thurnberg, wer sich für seine Sache einsetzt wird leider heute oft heruntergeputzt. Ich finde das eine Frechheit, egal ob sich jetzt ein Mädchen für den Umweltschutz engagiert oder für die Partei SVP...besser man ist engagiert anstatt das man nur über engagierte motzt...

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  • Carly I. am 06.02.2019 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Nieder mit der Wahrheit

    Leider bekommt man heute für viele Äusserungen eins von der Sittenpolizei meistens in Social Media aufs Dach. Egal ob man die Wahrheit spricht, sich zu einer Partei bekennen möchte oder Taten/Gedanken aus längst vergangener Zeit offen beichtet (siehe Liam Neeson). Eigentlich darf man nichts mehr äussern, was nicht pro "öffnen wir alle Grenzen und singen tralala im Kreis" ist. Ganz ehrlich: ich fürchte mich vor diesem Extrem. Ein anderes Extrem hat vor nicht allzu langer Zeit zum Massenmord geführt. Und die Sittenpolizei? Behauptet sie seien tolerant, sind dabei intoleranter als die meisten...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Unglaublich einfach nicht zum glauben am 07.02.2019 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Unkontrollierte Zuwanderung???

    Seit 10 Jahren macht die SVP Referendum für Referndum, jedes Jahr konnte man über irgendwas in der Ausländerpolitik abstimmen, was auch alles angenommen wurde, aber es ist nocht nicht genug? Ist es immernoch unkontrolliert? Tja dann hat die SVP aber schlechte Arbeit geleistet in den letzten 10 Jahren, definitv würde ich die nicht mehr wählen. Eigentor hoch 10

  • Lukas S. am 07.02.2019 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Nope, ade Merci

    Toll. Sie SVP schafft es mal wieder mit Missachtung von respektablen Sitten in Traditionen in den Medien präsent zu sein und dann noch gegen die Gegenseite hetzen zu können. Ich falle nicht mehr auf solche plumpen "Mimimi"-Spielchen der SVP rein. Habe sie 2015 (auch wegen Masseneinwanderung, dessen Umsetzung sie vergeigt haben) gewählt, dieses Jahr kann es die Partei der Reichen vergessen. Habe fertig.

  • Rudy am 07.02.2019 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    neutrale Meinung

    Ist ja typisch für rechte und linke. Erst provozieren um nacher laut jammern zu können. Die spielen immer das gleiche spiel.

  • EnPfadiLeiter am 07.02.2019 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehäuchelt

    Auf der Seite der Pfadi Zürich wurde auch schon Werbung für Initiativen gemacht. Es ist häuchlerei jetzt so zu Reagieren. Es ist falsch in der Uniform Werbung für Politisches zu machen. Egal ob SP oder SVP!

  • Advocatus Diaboli am 07.02.2019 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Mimimimi

    Naja, wenn man immer an der Realität vorbeipolitisiert, dann muss man nicht wundern, wenn Leute, die Fakten korrekt interpretieren können keine Toleranz gegenüber der SVP haben. Es kann halt nicht, sein dass man nur mit Bauchgefühl und Angstmacherei politisiert, Volksnähe mimt aber nur Grossverdienern und Unternehmen einen Nutzen erbringt und immer vor dem bösen Ausländer warnt, der auf der einen Seite uns nur auf der Tasche liegt und dem Büetzer aber trotzdem irgendwie die Arbeit wegnimmt. Aber eben, die SVP braucht einen Sündenbock, entweder Ausländer oder Linke.