Spekulationsstopp

06. Januar 2016 13:22; Akt: 06.01.2016 15:07 Print

Pfarrer werben mit Juso-Flagge für Initiative

von J. Büchi - Mit zehntausenden Fahnen werben Juso-Sympathisanten für die Spekulationsstopp-Initiative – auch an Pfarrhäusern. Die Gegner sind irritiert.

SVP-Nationalrat Thomas Matter findet: «Es ist nicht die Aufgabe der Kirche, Politik zu machen.» (Video: Murat Temel)
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Am Pfarrhaus in Zürich Wipkingen weht seit kurzem eine schwarze Fahne mit der Aufschrift «Game Over». Mit dem Stück Stoff wirbt Pfarrerin Elke Rüegger-Haller für ein Ja zur Spekulationsstopp-Initiative der Juso am 28. Februar (siehe Video). Sie ist nicht die Einzige: Viele andere Pfarrer tun ihr es in diesen Tagen gleich.

Erklärtes Ziel der Juso ist es, dass ihre Unterstützer in den nächsten Wochen in der ganzen Schweiz mindestens 30'000 solche Flaggen aufhängen. «Wir werden auch die SP-Sympathisanten abtelefonieren und sie darum bitten, eine Flagge an ihrem Haus anzubringen», so Juso-Chef Fabian Molina. Pro Fahne fallen für die Jungpartei Kosten von circa drei Franken an – nur ein Bruchteil dessen, was Plakatwerbung kosten würde.

Ziel: Welthunger verringern

Die Initiative verlangt, dass die Spekulation auf Lebensmittelpreise an der Börse verboten wird. «Es darf nicht sein, dass Millionen von Menschen hungern, nur weil im reichen Norden gewisse Leute darauf wetten, dass die Preise für Nahrungsmittel ansteigen», so Molina. Nicht nur einzelne Pfarrer, sondern auch der Schweizerische Evangelische Kirchenbund, Hilfswerke wie Swissaid oder landwirtschaftliche Organisationen unterstützen das Anliegen. «Es ist ein starkes Signal, wenn unsere Flaggen nicht nur an WG-Balkonen hängen, sondern auch von solchen Organisationen sichtbar gemacht werden», freut sich Molina.

Die Wirtschaft, bürgerliche und Mitte-Parteien lehnen die Initiative ab. SVP-Nationalrat Thomas Matter sagt: «In dieser Initiative widerspiegelt sich ein kommunistisches Denken: Man will im Nahrungsmittelbereich den freien Markt aushebeln und planwirtschaftlich die Preise bestimmen.» Zur Flaggen-Aktion sagt er, es sei nicht die Aufgabe der Kirche, Politik zu machen.

Gegner bezweifeln Wirksamkeit

Jan Atteslander, Mitglied der Geschäftsleitung des Wirtschaftsverbands Economiesuisse, ergänzt: «Das weltweite Hungerproblem ist eine grosse Herausforderung. Gerade deshalb müssen wir vorsichtig sein mit vorschnellen Rezepten wie dieser Initiative der Juso.» Er würde eine persönliche Diskussion mit den Pfarrern begrüssen.

Economiesuisse argumentiert, die Spekulationsstopp-Initiative könne keinen Beitrag zur Bekämpfung der Hungersnöte leisten, sondern sei im Gegenteil sogar kontraproduktiv. «Fakt ist: Der Weizenpreis sinkt seit vier Jahren, während gleichzeitig der entsprechende Handel an den Börsen zugenommen hat», so Atteslander. Die Juso verkenne diese Zusammenhänge komplett. Der Bundesrat empfiehlt die Initiative ebenfalls zur Ablehnung. Er befürchtet unter anderem, dass die Initiative schädliche Nebenwirkungen für die Schweizer Volkswirtschaft haben könnte, weil beispielsweise Arbeitsplätze wegfallen.

Molina zeigt sich unbeeindruckt. Er verweist auf Studien von UNO und Weltbank, die belegten, dass ein Zusammenhang zwischen Spekulation und Welthunger bestehe. Auch das Argument des Arbeitsplatzverlustes ist für ihn haltlos: «Unternehmen wie die Credit Suisse sind bereits aus der Nahrungsmittelspekulation ausgestiegen und mussten deshalb keine Stellen abbauen.» Auch die EU hat 2014 beschlossen, die Spekulation mit Lebensmitteln im Rahmen neuer Finanzmarktrichtlinien zu beschränken. «Wenn wir nichts unternehmen, ist die Schweiz bald der einzige Hafen für dieses Drecksgeschäft», so Molina.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • @Bauer am 06.01.2016 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist genug!

    Mit Nahrungsmittel spielt man nicht,basta.

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  • Sepp L. am 06.01.2016 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Bin gespannt

    Wow, JUSO: Für einmal dürftet ihr sogar bei mir (SVP-Symphatisant) anrufen. Die Kosten der Flagge würde ich übernehmen. ;) Die Börse Produziert nicht (Waren), nur Probleme. Denn genauso schädlich wie die Initiative für die Wirtschaft sein soll, ist es auch die Börse!

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  • anastasya am 06.01.2016 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik

    die Religion gehört nicht in die Politik weder für Katholiken noch für moslem und andere Religionen .

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Fröhlich am 07.01.2016 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Im schön populistisch und realitätsfremd

    Die erwähnte Pfarrerin in Wipkingen ist etwa so christlich wie Ayathollah Khomeihni. Der Börsenhandel macht die Lebensmittel nicht teurer, sowenig wie das Erdöl. Wenn jedes Dorf wieder selbst Lebensmittel und Energie erzeugen muss. Dann wird es teuer.

  • D. Geisseler am 07.01.2016 00:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bringt NICHTS

    So ein Schwachsinn! Spekuliert wird sowieso. Das Einzig was ändert ist, dass ich es neu über ausländische Kanäle erledigen werde, womit der Schweiz Geld entgeht....

    • märcu am 07.01.2016 11:09 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      sehe das auch so! aber es bringt nichts das zu erwähnen, wir spielen hier lieber Moralapostel und Weltverbesserer!!

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  • Dominic Eby am 06.01.2016 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitslose vs. Verhungerte

    Auch ein Pfarrer hat ein Recht, seine Meinung zu äussern. Sonst dürften Politiker gar nicht mehr reden. Ok, unser Beitrag mag klein sein. Aber ein Arbeitsloser erhält von uns Hilfe ... für einen verhungerten Menschen kommt jede Hilfe zu spät. Dem immer wieder bemühten und langsan stumpfen Seziermesser "Arbeitsplatzgefährdung" sollte man hier mit dem Argument des "geplanten und kommerziellen Massenmordes" begegnen. Keine leichte Kost, ich weiss. Aber das Leben ist hart, vor allem wenn Du zuwenig zu Essen hast.

    • Freie Meinung am 06.01.2016 19:52 Report Diesen Beitrag melden

      Meinungsäusserung?

      Und was würden Sie davon halten, wenn z.B. ein Polizeiposten politische Propaganda betreibt? Ein Pfarrer darf seine Meinung äussern....jedoch nur in seinem privaten Umfeld, nicht in der Kirche...

    • Samuel am 06.01.2016 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dominic Eby

      Nein ein Pfarrer soll in der Kirche nicht über Politik äussern,und hat kein Recht dazu,der Kirchensteuerzahler zahlt steuern für Christliche Worte,und nicht über Politik,

    • Pfarrer am 07.01.2016 12:05 Report Diesen Beitrag melden

      naja

      wenn das Christentum nicht auch politisch ist ... wäre mir das komplett neu ... aus dem christlichen Glauben und seiner Verkündigung gibt es eben sehr wohl auch politische Aspekte ... es geht ja in der Predigt eben genau nicht um Rezitieren von Texten sondern um deren Auslegung.... ein darüber Nachdenken und dieses Nachdenken liegt absolut drin, gerade auch dann wenn diese Meinung nicht allen passt ... Ihren Stimmzettel allerdings ... den füllen Sie schön selber aus.

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  • Liselote Meier am 06.01.2016 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Na, na, na

    Schon Recht lustig, Matter betittelt die Initative als Kommunistisch weil sie den "Markt" stückweit aushebelt. Wenn das Kommunismus ist, dann wäre die SVP Mehrheitlich eine KP, oder wie sieht noch mal die Agrarpoltik der SVP in der Schweiz aus? Freier Markt ohne Subventionen, keine Zollschranken?

  • Walter Frischknecht am 06.01.2016 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bla-bla -bla

    Da muss ich mich nicht verwundern so viel Kirchen Austritte,wenn es so weiter geht mit solchen Werbefahnen,wird es noch mehr geben ,ein Pfarrer ist heute nicht im Stande von der Bibel zu predigen,der oder die mischt sich in die Politik ein,