Züchter aus Gränichen AG

17. Februar 2015 15:43; Akt: 18.02.2015 09:40 Print

Pferde-Drama im Jura – wem gehören die Tiere?

Markus S.* hat noch eine Woche Zeit, um die Pferde zu verkaufen, die er während Monaten vernachlässigte und im Stich liess. Doch sie gehören gar nicht alle ihm.

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Die 33 Pferde, die Pferdezüchter Markus S. vor vier Monaten in einem Stall in Boncourt JU eingemietet hatte – und sich danach aus dem Staub machte, ohne die monatliche Miete zu bezahlen –, sollen jetzt verschwinden. Die jurassische Kantonstierärztin hat die Tiere vorübergehend beschlagnahmt und dem Besitzer eine Frist gesetzt. Bis zum 24. Februar hat S. Zeit, die Pferde zu verkaufen. Tut er das nicht, wird der Kanton Jura die Tiere definitiv beschlagnahmen.

S., der bereits mehrmals wegen seines Umgangs mit Tieren aufgefallen ist, handelt nun: Laut der «Aargauer Zeitung» hat er eine Vertrauensperson mit dem Verkauf der Pferde beauftragt. Die Tierorganisation «Pferde in Not» erklärte sich bereit, zusammen mit den Tierschützern von «Netap» die Pferde zu vermitteln. Man habe Fotos von den Tieren gemacht und sammle jetzt alle nötigen Daten, sagt Yardena Malka Präsidentin von «Pferde in Not». Interessenten könnten sich melden. Vorschnell wolle man die Pferde aber nicht hergeben: «Das Veterinäramt muss dem Verkauf zustimmen», so Malka.

Sechs Tiere gehören jemand anderem

Doch die Vermittlung der Pferde gestaltet sich schwierig: Bei vielen Tieren ist unklar, ob sie S. überhaupt gehören. «Ständig melden sich aufgeregte Besitzer, die ihr Tier auf Fotos erkannt haben wollen», sagt Malka. In bereits sechs Fällen habe sich tatsächlich herausgestellt, dass die Pferde jemand anderem gehörten. Der Mann aus dem Aargau hatte die Tiere teilweise in Pension genommen und im Jura eingemietet.

Damit keine Tiere weiter vermittelt werden, die eigentlich bereits einen Besitzer haben, muss die Organisation äusserst genau vorgehen. «Wir prüfen jedes Pferd sorgfältig», sagt Malka. Ausserdem laufe nach dem Verkauf eine Rekursfrist. Wer Anspruch auf ein Pferd erhebt, muss den offiziellen Weg über das Veterinäramt gehen und die nötigen Papiere vorweisen. Viele Ansprüche hätten so bereits als nicht gerechtfertigt entlarvt werden können.

«Werden nicht in der Metzgerei landen»

Bis zum 24. Februar ist allerdings nicht mehr viel Zeit. Dass alle 33 Pferde bis dahin ein neues Zuhause haben, sei unwahrscheinlich, schreibt die «Aargauer Zeitung» weiter. Die Tierschutzorganisationen wollen aber auch nach Ablauf der Frist helfen, die Pferde zu vermitteln. «Sie werden sicher nicht in einem Lastwagen beim Metzger landen, wie gerüchteweise zu hören ist», so Malka.

Vom Verkaufserlös wird Unternehmer S. wohl wenig sehen. Wie Recherchen von 20 Minuten zeigten, ist der Mann hoch verschuldet, allein dem Bauer Michel Prêtre, bei dem er die Pferde eingemietet hatte, schuldet er 40'000 Franken. Auch im Kanton Aargau droht ihm Ungemach: Erste letzte Woche hatte das Veterinäramt bei einer Razzia auf seinem Hof 12 Pferde und 23 Hunde beschlagnahmt – wegen schlechter Tierhaltung.

(tab)