Spitäler

23. März 2020 21:24; Akt: 24.03.2020 09:37 Print

Pfleger müssen trotz Husten weiterarbeiten

von B. Zanni/ N. Knüsel - Trotz Coronavirus gilt: Bei Husten und Schnupfen arbeitet das Gesundheitspersonal weiter. An dieser Praxis wird jetzt Kritik laut.

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Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) appelliert an die Selbstverantwortung: Wer Krankheitssymptome habe, solle zu Hause bleiben und möglichst den Kontakt zu anderen Personen vermeiden. Anders verhält es sich jedoch mit dem Spitalpersonal. Gemäss einem Merkblatt des Stadtspitals Waid und Triemli, das 20 Minuten vorliegt, sind Mitarbeiter bei leichten Beschwerden wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen, aber ohne Fieber, weiterhin im Einsatz. Verlangt wird, dass die Betroffenen im Kontakt mit Patienten oder anderen Personen im Spital durchgehend eine chirurgische Maske tragen. Einige Personen aus dem Gesundheitswesen haben sich bereits mit dem Coronavirus angesteckt. Das Virus ist tückisch: Viele Infizierte entwickeln laut Studien nur milde Symptome. Laut der «South China Morning Post» könnte ein Drittel aller Infizierten das Virus sogar unbemerkt in sich tragen. Eine erkältete Pflegefachfrau des Spitals Triemli empört das Vorgehen. «Theoretisch hätte ich offiziell jetzt grünes Licht, um wieder arbeiten zu gehen, was ich aber so nicht nachvollziehen kann», sagt sie. Das Spital handle fahrlässig. «Abstand zu halten in der Pflege ist schlichtweg nicht möglich!» Auch für Allgemeinarzt Hans-Ulrich Hübscher steht fest: «Haben meine Mitarbeiter Husten oder Schnupfen, bleiben sie zu Hause in Quarantäne bis zum Erhalt des negativen Testresultats.» Schliesslich habe das Coronavirus eine hohe Ansteckungsgefahr. «Für meine Mitarbeiter und meine Patienten ist dieses Vorgehen die sicherste Lösung.» Tobias Faes, Leiter Marketing am Stadtspital Waid und Triemli, bestätigt, dass das Merkblatt am Stadtspital Waid und Triemli gelte. Symptomatische Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten, sollen getestet werden, sagt er. «Bei jeder Form von Husten oder laufender Nase zu testen ist jedoch nicht sinnvoll. Reizhusten, Pollenallergie etc. verspüren viele Leute.» Auch das Universitätsspital Basel verteidigt die Praxis. «In einer solchen Krisensituation muss jedes Spital abwägen: Wenn zahlreiche Mitarbeitende fehlen, kann unter Umständen die Versorgung schwer kranker Menschen nicht mehr sichergestellt werden», sagt Thomas Pfluger, Leiter Marketing und Kommunikation. Josef Widler, Präsident der Ärztegesellschaft Kanton Zürich, sagt: «Wir brauchen jetzt jede Hand in der Pflege. Behielten die Spitäler jeden Mitarbeiter wegen eines Schnupfens zu Hause, würde das Gesundheitssystem zusammenfallen.»

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Die Gefahr, dass sich das Coronavirus durch Neuansteckungen weiterverbreitet, ist gross. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) appelliert deshalb an die Selbstverantwortung: Wer Krankheitssymptome habe, solle zu Hause bleiben und möglichst den Kontakt zu anderen Personen vermeiden. Anders verhält es sich jedoch mit dem Spitalpersonal.

Gemäss einem Merkblatt des Stadtspitals Waid und Triemli, das 20 Minuten vorliegt, sind Mitarbeiter bei leichten Beschwerden wie Husten, Schnupfen und Halsschmerzen, aber ohne Fieber, weiterhin im Einsatz.

Verlangt wird, dass die Betroffenen im Kontakt mit Patienten oder anderen Personen im Spital durchgehend eine chirurgische Maske tragen. Dazu müssen sie die Hygienemassnahmen wie häufiges Händewaschen und Abstandhalten strikte einhalten. Für zu Hause sieht das Stadtspital hingegen die Selbstquarantäne gemäss BAG vor. Auch andere Schweizer Spitäler geben auf Anfrage an, dass ihr Personal bei Erkältungssymptomen arbeite.

«Meine Mitarbeiter bleiben zu Hause»

Einige Personen aus dem Gesundheitswesen haben sich bereits mit dem Coronavirus angesteckt. Das Virus ist tückisch: Viele Infizierte entwickeln laut Studien nur milde Symptome. Laut der «South China Morning Post» könnte ein Drittel aller Infizierten das Virus sogar unbemerkt in sich tragen.

Eine erkältete Pflegefachfrau des Spitals Triemli empört das Vorgehen. «Theoretisch hätte ich offiziell jetzt grünes Licht, um wieder arbeiten zu gehen, was ich aber so nicht nachvollziehen kann», sagt sie. Das Spital handle fahrlässig. «Abstand zu halten in der Pflege ist schlichtweg nicht möglich!»

Für den Allgemeinarzt Hans-Ulrich Hübscher steht fest: «Haben meine Mitarbeiter Husten oder Schnupfen, bleiben sie zu Hause in Quarantäne bis zum Erhalt des negativen Testresultats.» Schliesslich habe das Coronavirus eine hohe Ansteckungsgefahr. «Für meine Mitarbeiter und meine Patienten ist dieses Vorgehen die sicherste Lösung.»

Die Pflegefachfrau C. L.* findet: «Wer sich krank fühlt, soll zu Hause bleiben.» Sie fügt an: «Niemand kann von uns erwarten, dass wir uns in dieser Situation, für die wir nicht verantwortlich sind, zugrunde richten.» Ihrer Meinung nach sollte sich zudem jeder Mitarbeiter, der befürchtet, angesteckt worden zu sein, umgehend auf Corona testen lassen können.

«Reizhusten verspüren viele Leute»

Tobias Faes, Leiter Marketing am Stadtspital Waid und Triemli, bestätigt, dass das Merkblatt am Stadtspital Waid und Triemli gelte. Symptomatische Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten, sollten getestet werden, sagt er. «Bei jeder Form von Husten oder laufender Nase zu testen, ist jedoch nicht sinnvoll. Reizhusten, Pollenallergie und so weiter verspüren viele Leute.» Getestet werden solle nur, wenn die Symptome klar über das Normale oder Übliche hinausgingen.

Auch das Universitätsspital Basel verteidigt die Praxis. «In einer solchen Krisensituation muss jedes Spital abwägen: Wenn zahlreiche Mitarbeitende fehlen, kann unter Umständen die Versorgung schwer kranker Menschen nicht mehr sichergestellt werden», sagt Thomas Pfluger, Leiter Marketing und Kommunikation. Dies müssten sie zusammen mit ihren Mitarbeitenden verhindern. «Die vorgesehenen Massnahmen sind gut überlegt und werden regelmässig überprüft.»

Josef Widler, Präsident der Ärztegesellschaft Kanton Zürich, schliesst sich an. «Wir brauchen jetzt jede Hand in der Pflege. Behielten die Spitäler jeden Mitarbeiter wegen eines Schnupfens zu Hause, würde das Gesundheitssystem zusammenfallen», sagt er. Auch, dass sich erkältetes Personal zu Hause in Selbstquarantäne begeben soll, ist für Widler verständlich. «Man hat vergessen, dass sich Ärzte und Pflegepersonal in ihrem Job schon immer gewissen Gefahren aussetzen mussten. Privat hingegen wäre dies verantwortungslos.»

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Systemrelevante Jobs stärken!! am 23.03.2020 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lara

    ..sagt Thomas Pfluger, Leiter Komminikation sicher aus seine Büro. Würde nur zu gerne wissen, wie er es fände wenn diese Vorgaben ihn selbst oder seine Liebsten betreffen würden. In den Apotheken und Spitälern muss das Personal teils über mehrere Tage Maskem tragen, obwohl man sie nach einigen Stunden wechseln sollten (wenn sie überhaupt noch Material haben). Das Pflege- und Ärztepersonal schiebt etliche Überstunde, gefährdet sich und Ihre Liebsten und von den Politikern/Politikerinnen und dem Bundesrat gibt es maximal ein nettes merci. Ich hoffe nach dieser Krise erhalten alle systemrelevanten Jobs mehr Wertschätzung, Geld und Ressourcen!!

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  • R.S am 23.03.2020 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reinigungspersonal

    Das Reinigungspersonal arbeitet auch an vorderster Front...schade wird dies auch jetz nie erwähnt. Vielen Dank, dass Sie diesen wichtigen Job ausführen!

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  • leider schweizer am 23.03.2020 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    3. weltland

    also ich zahle keinen rappen steuern mehr für dieses land. hier gehts ja zu und her wie in einem 3. weltland!!! unfähige politiker und krankes pflegepersonal. sobald diese kriese vorbei ist, wandere ich aus. sogar ostblock hat es besser im griff als wir hier. OMFG

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonymius am 24.03.2020 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Risikopatienten sollen auch arbeiten.

    Ich arbeite auch im Gesundheitswesen und bei uns müssen auch Risikopatienten zur Arbeit erscheinen. Asthmatiker? ach das ist doch nicht so schlimm und müsste zuerst ärztlich belegt werden, dass es stark genug ist um wirklich vom "Corona-Homeoffice" zu profitieren. Die Vorgaben kommen von Curaviva - echt skandalös. Keine Unternehmung und kein Job ist wichtiger als die eigene Gesundheit und das Vermeiden der weiteren Verbreitung.

  • S Z am 24.03.2020 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Su Hause bleiben

    Wen du krank bist zu Hause bleiben will. Das Coronavirus wiert imer schlimmer und nicht besser ist so

  • Mandrlo iz Splita am 24.03.2020 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Gewinn vor Gesundheit...

    Spital = Aktiengesellschaft => Gewinn statt Gesundheit des Menschen, so einfach. Aktionäre = Kanton = Politiker = Kantonsfinanzen die die Dividende kassieren. CEO kassiert Bonus, Personal Corona. Toll.

  • Anonym am 24.03.2020 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen verachtende Zustände schon vorher

    Wir arbeiteten ja schon vorher in unserem Spital unter haarsträubenden Verhältnissen. Viele meiner Mitarbeiter bekamen ein Burnout. Es war allen egal. Der nächste erledigte dann auch noch diese Arbeit und Schichten Kein Bonus, Überzeit 2 Jahre lang mitgenommen und nicht beziehen können und jetzt soll der Bund such noch die Regeln die es überhaupt noch gibt lockern. Wacht bitte auf Leute. Niemand hats vorher interessiert und jetzt schreien alle nach uns? Ihr habt keine Ahnung, was auf eich zu kommt liebe Schweizer.. Ich schweige, wie ich es immer tun musste

  • Expertin Intensivpflege am 24.03.2020 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Krankes Gesundheitsweden

    Typisch Gesudheitswesen, obligatorische Pausen und maximale Arbeitszeit wurde bereits vom Bundesrat aufgeweicht im Rahmen der Pandemie. Auch gemäss Richtlinien des Universitätsspital Zürich kann man mit Husten zur Arbeit kommen, solange man kein Fieber hat. Durch diese Massnahmen wird das Gesundheitspersonal erst recht krank und wer kümmert sich dann um diese?