Hürde für Externe

27. Juni 2011 22:31; Akt: 28.06.2011 09:29 Print

Pilotenmangel – Swiss stösst sich am GAV

von Désirée Pomper - Die Swiss gibt der Pilotengewerkschaft Mitschuld am akuten Personalmangel: Diese weigere sich, externe Piloten ins Boot zu lassen.

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Laut Swiss ist das Senioritätsprinzip mitschuldig am Personalproblem. (swiss)

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Weil ein erkrankter Pilot wegen Personalmangel nicht ersetzt werden konnte, musste am Samstag ein Swiss-Flug von Zürich nach São Paulo gecancelt werden (20 Minuten berichtete).

Dabei wäre die Situation laut der Swiss einfach zu entschärfen: «Wir könnten den Personalmangel dank externen Piloten rasch in den Griff bekommen», sagt Sprecherin Susanne Mühlemann. Genau das aber lasse das Senioritätsprinzip, an dem die Gewerkschaft Aeropers festhält, nicht zu. Das Prinzip ist im Gesamtarbeitsvertrag GAV verankert und sieht vor, dass externe Piloten bei der Swiss auf un­terster Hierarchie- und Flottenstufe einsteigen müssen – selbst wenn sie langjährige Berufserfahrung aufweisen. «Das schreckt viele Piloten ab», sagt Mühlemann. Es gebe keinen freien Arbeitsmarkt für Piloten.

Für die Aeropers aber ist das Senioritätsprinzip ein «wichtiger Sicherheitsgarant», wie Vorstandsmitglied Thomas Steffen sagt. «Dank diesem müssen Piloten nicht ellbögeln, um Karriere zu machen.» Ausserdem führten Quereinsteiger zu einem «Qualitätsabfall der Piloten». Würden verschiedene Firmenkulturen aufeinandertreffen, reduziere das längerfristig die Sicherheit an Bord. «Als Passagier steige ich lieber in ein Flugzeug, wo die Qualität der Piloten hundertprozentig gewährleistet ist, auch wenn das bedeutet, in Ausnahmefällen am Boden zu bleiben», meint Steffen. Die Aeropers habe grosses Interesse, genügend Piloten zu haben.

«Aber nicht indem man in Hauruckübungen Prinzipien über den Haufen wirft, nur ­damit alle Flieger abheben.» Diese Woche will die Swiss weiter an Lösungen für das Personalproblem arbeiten. Aero­pers hat ­bereits erste Zugeständnisse für externe Piloten gemacht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fishtish am 28.06.2011 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    30% weniger Lohn als Lufthansa-Piloten

    Das Hauptproblem ist, dass die Piloten der SWISS (und auch die Austrian) 30% weniger verdienen als ihre Kameraden bei der Muttergesellschaft Lufthansa. Dies, obwohl alle drei Firmen zum gemeinsamen Unternehmen "Lufthansa" gehören. Wo ist hier die Gerechtigkeit resp. Fairness? Leider bin ich immer noch überzeugt davon, dass die SWISS ein prima Unternehmen geworden wäre, hätte die Lufthansa sie nicht aufgefressen...

  • P Dave am 28.06.2011 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Rauft Euch zusammen

    Als Vielflieger meide ich "streikgefährdete" Airlines und Flughäften (sofern möglich). Ich hoffe, dass hier eine gute und nachhaltige Lösung für alle Betroffenen gefunden werden kann. Hatte im März auch die Situation, dass mein Rückflug ab New York wegen Pilotenmangels gestrichen wurde; ist ein absolutes Unding für einen Carrier!

  • Ronny Baumgartner am 28.06.2011 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht!

    Zur Aussage von Herrn Steffen kann ich nur sagen: Lieber steige ich in ein Flugzeug ein, wo ausgeruhte und gesunde Piloten sitzen, als solche die müde, ausgelaugt und krank sind. Und dies ist bei der SWISS leider der Fall. Warum also nicht "auswärtige Piloten" anstellen? Bei der Kabinenbesatzung hat man dies vor 2 Jahren ebenfalls gemacht (50 CCM's von Lufthansa) und da hat auch niemand reklamiert. Die durften sogar von Anfang an Langstrecke fliegen, wo eigene Neulinge sich erst auf Kurzstrecke abrackern mussten. Liebe Piloten, steigt ab eurem hohen Ross ab!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Mustermann am 29.06.2011 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    was wird gesucht?

    ich habe meine Ausbildung bei Lufthansa gemacht, habe das Typerating A320 und bringe noch ein paar tausend stunden mit.... habe den 3-tägigen Einstellungstest bestanden und wurde vom Board abgelehnt weil meine Stimme im Interview zu kontrolliert war!

  • fishtish am 28.06.2011 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    30% weniger Lohn als Lufthansa-Piloten

    Das Hauptproblem ist, dass die Piloten der SWISS (und auch die Austrian) 30% weniger verdienen als ihre Kameraden bei der Muttergesellschaft Lufthansa. Dies, obwohl alle drei Firmen zum gemeinsamen Unternehmen "Lufthansa" gehören. Wo ist hier die Gerechtigkeit resp. Fairness? Leider bin ich immer noch überzeugt davon, dass die SWISS ein prima Unternehmen geworden wäre, hätte die Lufthansa sie nicht aufgefressen...

  • Fliegendespetsonal am 28.06.2011 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Existenzminimum

    Reden wir jetzt über die Piloten, den es ist eine Schande was mit ihnen passiert. Die Firma erwartet das Maximum gibt aber das Minimum. Ich hoffe das es sich für die Piloten am Ende im guten drehen wird. Das wir dann über die neuen jungen motivierten Flightattendents reden könen die am Existenzminimum leben. Etwas muss sich bei der Swiss dringend ändern.

  • nurmalso am 28.06.2011 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Beide Parteien leben in der Vergangenhei

    Einerseits die Swiss, die immernoch nicht begriffen hat, dass Piloten nicht mehr von der Armee am Fliessband ausgebildet werden und ausserdem auch nicht mehr einfach aus Prinzip automatisch zur "nationalen Fluggesellschaft" gehen. Die Piloten hingegen haben die gleiche Angst wie alle, die bis anhin einen Sorglosjob hatten, nämlich dass plötzlich andere, mit besserer Ausbildung, mehr Motivation und geringeren Lohnansprüchen ihren Job besser machen könnten

  • Ronny Baumgartner am 28.06.2011 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht!

    Zur Aussage von Herrn Steffen kann ich nur sagen: Lieber steige ich in ein Flugzeug ein, wo ausgeruhte und gesunde Piloten sitzen, als solche die müde, ausgelaugt und krank sind. Und dies ist bei der SWISS leider der Fall. Warum also nicht "auswärtige Piloten" anstellen? Bei der Kabinenbesatzung hat man dies vor 2 Jahren ebenfalls gemacht (50 CCM's von Lufthansa) und da hat auch niemand reklamiert. Die durften sogar von Anfang an Langstrecke fliegen, wo eigene Neulinge sich erst auf Kurzstrecke abrackern mussten. Liebe Piloten, steigt ab eurem hohen Ross ab!

    • Bernie Schär am 28.06.2011 13:10 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber Ronny

      Möchtest Du wirklich in ein Flugzeug mit CH-Kreuz steigen, Dich sicher fühlen und dann sitzt vorne ein Russe mit rudimentären Englischkenntnissen, wie beim lezten Crossair-Unfall?

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