Auf der A1

20. Juli 2016 12:51; Akt: 20.07.2016 13:39 Print

Pipi-Pause im Stau kann teuer werden

von Camille Kündig - Ein Autofahrer legte bei einem Stau auf der A1 eine Pinkel-Pause ein – und bekam eine saftige Busse. Die Höhe der Strafe ist in jedem Kanton unterschiedlich.

storybild

Dieser Herr konnte es sich wohl auch nicht mehr verkneifen. Er erleichterte sich bei der Westumfahrung Zürich-Brunau. Symbolbild: (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sommerzeit ist Stauzeit. Wenn sich auf der Autobahn dann plötzlich ein natürliches Bedürfnis meldet, wirds kompliziert. Wie Albert * der Zeitung «Lausanne Cités» erzählt, war er in der Nähe von Versoix GE unterwegs, als der Verkehr wegen eines Unfalls über 20 Minuten lang stillstand. Der Sechzigjährige hatte aber ein dringendes Geschäft zu erledigen. Also stieg er aus seinem Auto und erleichterte sich unmittelbar an der A1.

Umfrage
Wie verkneifen Sie sich das Pinkeln im Stau?
28 %
3 %
4 %
23 %
4 %
38 %
Insgesamt 12861 Teilnehmer

Das Ganze blieb nicht unbemerkt: Ein Polizeibeamter ordnete an, dass er sofort wieder in sein Fahrzeug zu steigen habe. «Ich habe fertig uriniert und bin zurück zu meinem Auto gegangen», sagt Albert. Doch später folgte die böse Überraschung: Die Polizei schickte ihm happige Post: 400 Franken Busse und 200 Franken Gebühren, also insgesamt 600 Franken soll Albert für seine Pipi-Pause zahlen. Der angegebene Grund: Nichtbefolgen polizeilicher Anweisungen.

«Die Autofahrer müssen geschützt werden»

«Genau wegen solcher Fälle haben wir eine Petition gegen exorbitante Bussgelder lanciert», sagt François Membrez, Präsident des TCS Genf. Sie hätten sich diesbezüglich auch an den Preisüberwacher gewandt.

Jean-Philippe Brandt, Pressesprecher der Genfer Polizei, meint zum Fall: «Es hätte sein können, dass ein Motorradfahrer zwischen den stehenden Fahrzeugen durchfährt. Ebenfalls möglich wäre, dass ein Autofahrer verbotenerweise auf dem Pannenstreifen vorfährt.» Das könne gefährlich sein. «Deshalb möchten wir, dass die Autofahrer in ihren Fahrzeugen bleiben.» Dem Fahrer würde es gemäss Brandt freistehen, die Busse vor dem Polizeigericht anzufechten.

Auch in anderen Kantonen muss mit Busse gerechnet werden

Das hat Albert auch vor. «Die Busse ist inakzeptabel. Genauso wie die Höhe des Betrags.» Das Schlimmste sei aber etwas anderes: «Während der Polizist den Strafzettel schrieb, rollte der Verkehr auf der Autobahn wieder. Da wurde es für die anderen Autofahrer erst recht gefährlich, dass wir auf der Überholspur standen.»

Doch auch im Kanton Graubünden wäre Albert für seine Pipi-Pause wohl gebüsst worden. Roman Rüegg, Mediensprecher der Kantonspolizei Graubünden betont: «Es ist nicht erlaubt, im Stau aus seinem Fahrzeug auszusteigen.» Nothalte seien nur auf Pannenstreifen zulässig und als Notfall würde «das dringende Bedürfnis, Wasser zu lassen (...)», nicht zählen. Auch das Urinieren selbst sei unzulässig und würde von der Kantonspolizei Graubünden, sofern nicht Sachbeschädigung vorliege, mit einer Busse bestraft.

«Keinen Kaffee und Tee trinken»

«Im Aargau lassen sich solche Fälle an einer Hand abzählen», so Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau. Man würde jeden Fall einzeln beurteilen und «mit gesundem Menschenverstand agieren». Falls der Fahrer in einem 10 Kilometer langen, stillstehenden, Stau stecke und unbedingt auf die Toilette müsse, könne man eventuell auch ein Auge zudrücken. Wenn die Sicherheit durch das angehaltene Fahrzeug aber gefährdet werde, müsse der Fahrer verzeigt werden.

Also was tun, wenn die Blase drückt? «Ein Patentrezept gibt es auch von der Polizei nicht», so Rüegg. Er empfiehlt aber, auf harntreibende Flüssigkeiten (z. B. Kaffee, Tee und natürlich Alkohol) zu verzichten und stattdessen stilles Mineralwasser zu trinken. Zudem sei es empfehlenswert, Verkehrsmeldungen im Radio zu verfolgen, um rechtzeitig auf Staus mit Pausen an Raststätten reagieren zu können. Falls es mit dem Verkneifen gar nicht mehr gehe, solle man wenigstens auf dem Pannenstreifen und nicht auf der Überholspur Halt machen, ergänzt Graser.

Ein Urinbeutel soll helfen

Fest steht: Angenehm ist das Warten auf den Toilettengang nicht. Wer dem Problem vorbeugen will, dem bieten sich mehrere Möglichkeiten. Auf Amazon.de gibt es verschiedene Artikel, die das Urinieren im Auto möglich machen sollen. So beispielsweise der EasyPee Stehpinkler oder TravelJohn - der Urinbeutel für unterwegs.

*Name der Redaktion bekannt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mitch am 19.07.2016 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was zum

    Ja genau aus dem gefägnis kann man raus spazieren aber Pipi auf der Autobahn ist natürlich strafbar. Bravo schwiz

    einklappen einklappen
  • Dersamuel am 19.07.2016 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Iz aber

    Falls es mal trotz vorbereiten (Liebe Polizei, man soll doch genug trinken um nicht am Steuer zusammenzusacken wegen Wassermangel?) dringend wird, sollen wir einfach in die Hosen und ins Auto pinkeln? Euer Ernst liebe Gesetzgeber? Und als Argument Kriminelle zu nennen auf die wir Rücksicht nehmen sollen ist der Gipfel (Motorräder zwischen den Kolonnen, Autos auf dem Pannenstreifen). PFUI!!!

    einklappen einklappen
  • nenervt! am 20.07.2016 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Gotthard?

    Auf der Gotthardstrecke von Süden Richtung Noden stehen ToiToi WC-Anlagen, ca all Kilometer? Ist das Werbung, oder gekonnte Geldmacherei? Frechheit für was wir alles gebüsst werden. Und bei anderen vergehen wird milde walten gelassen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rossier René am 22.07.2016 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beamte

    Verstehe ich das richtig, dass die Überlebenden des Gotthardinvernos seinerzeit noch gebüsst wurden weil sie das Fahrzeug auf der Autobahn verlassen haben. Beamtenstaat lässt grüssen.

  • Randi am 22.07.2016 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Biel

    Die Besten sind die Bieler Polizisten. Bei stockdunkler Regennacht hatte ich mich verfahren. Wendete und fuhr Richtung Bern. Ein Auto fuhr aufdringlich nahe. Ich machte langsamer, um es vorbeizulassen. Doch dann das Blaulicht. Ich hielt an. 80.- wegen Wenden, 80.- wegen zu langsamen Fahrens, 80.- wegen zu späten Stoppens und 80.- wegen Haltens auf Strassenrand.

    • Nobody am 25.07.2016 22:03 Report Diesen Beitrag melden

      Logik ist nicht immer vorhanden

      Ja was jetzt, anhalten oder nicht anhalten? Da sind mindestens einmal 80.- zu viel berechnet worden! Zu spät stoppen , halten am Strassenrand! Ich versteh es nicht!

    einklappen einklappen
  • TL am 21.07.2016 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polizei: Dein Freund und Helfer beim Pinkeln

    Dem Motto nach, wenns pressiert im Stau, "Dein Freund" anrufen und um ein Pinbeutel per Blaulicht bestellen. "Dein Helfer" kann es halten bei der Erleichterung und für den nächsten Einsatz recyclen. Wir haben hierzulande die Verhältnismässigkeit schonnlange verloren. Andere Länder, wie die Türkei und Frankreich werden s.w. in 20 Jahre auch über solche "Probleme" debattieren. Jetzt haben sie Wichtigeres zu überwältigen. Wir reden und bezahlen fürs Pinkeln.

  • Herr März am 21.07.2016 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sommermonat März?

    Der erste Satz tut so, als wäre das in einem grossen Ferienstau passiert. Aber der Streit zwischen Pinkler und Polizei war schon letzten März. Und so ein Unfallstau kann sich sehr schnell auflösen.

    • Frau April am 21.07.2016 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Herr März

      ... oder auch nicht ..... Wünsche Ihnen nichts schlechtes, aber mal so zwei Stunden Stau wäre angebracht!

    einklappen einklappen
  • Antifa am 21.07.2016 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Es kann jeden Treffen.

    Ich wurde sogar schon von der Polizei tätlich angegriffen und der Richter hat mir kein Wort geglaubt. Polizei gilt als "glaubwürdiger". Das will ja das Volk so, also bitte nicht jammern.