Pokerverbot

11. Februar 2011 11:18; Akt: 11.02.2011 12:40 Print

Pokerspieler riskieren bei Razzia ihr Geld

von Lukas Mäder - Teilnehmer von privaten Poker-Turnieren müssen damit rechnen, dass ihr persönliches Geld beschlagnahmt wird. Das Bundesstrafgericht hat dieses Vorgehen gutgeheissen.

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Bei Razzien an Poker-Turnieren darf die Polizei laut Bundesstrafgericht auch privates Geld beschlagnahmen. Auf dem Bild der Polizeieinsatz am 17. Dezember 2010 in Herisau. (Bild: Leser-Reporter)

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Die Spielbankenkommission darf bei Razzien in privaten Poker-Clubs Geld der Teilnehmer beschlagnahmen. Das hat das Bundesstrafgericht im Fall des IST-Clubs in Zürich entschieden, wo die Polizei am 4. November letzten Jahres eine Razzia durchführte. Dabei beschlagnahmte sie bei Christian Bachmann, einem Teilnehmer des Turniers, 430 Franken, die er auf sich trug. Dieses Geld könnte als Beweismittel dienen, dass illegales Glücksspiel organisiert oder betrieben worden sei. Dies hat das Bundesstrafgericht in Bellinzona in seinem Entscheid vom 28. Januar entschieden.

Bachmann hatte in seiner Beschwerde gegen die Beschlagnahmungsverfügung der Spielbankenkommission angeführt, dass es sich bei den 430 Franken nicht um einen Erlös oder einen Einsatz für das Spiel gehandelt habe. Beim Turnier habe es einen einmaligen Einsatz von 200 Franken gegeben, davon 165 Franken als Buy-In (Startgeld). Das erneute Einkaufen ins Turnier, das sogenannte Re-Buy-In, sei nicht vorgesehen gewesen. Das Bundesstrafgericht folgt dieser Argumentation nicht: Es gebe einerseits unterschiedliche Aussagen der Beteiligten zu Art und Höhe des Spieleinsatzes. Es wäre andererseits auch möglich gewesen, mehrere Runden ohne Re-Buy-In zu spielen. Da sich die Turnier-Teilnehmer teilweise nicht kannten, bestehe ein hinreichender Verdacht auf illegales Pokerspiel.

Vorgehen der Polizei nicht beurteilt

Über das Urteil sehr enttäuscht zeigt sich der Beschwerdeführer Bachmann, wie er gegenüber 20 Minuten Online sagt. Dass es beim Turnier kein Re-Buy-In gebe, sei aus der Ausschreibung klar hervorgegangen und auch vor Ort auf den Monitoren so angezeigt worden. Dass sich Bachmann durch seine Teilnahme nicht strafbar gemacht hat, ist auch von Seiten der Spielbankenkommission unbestritten. Er hat laut eigenen Angaben seither auch nichts mehr gehört in dem Fall.

Völlig unverhältnismässig findet Bachmann noch immer das Vorgehen der Polizei. Die Einsatzkräfte hatten die Teilnehmer bis zu zwei Stunden lang gefesselt und ihnen laut Bachmann verboten, ihre Notduft zu verrichten. Auf diesen Vorwurf ging das Bundesgericht zum Unverständnis Bachmanns gar nicht ein. Die Angaben seien zu wenig konkret, um eine Überprüfung zu ermöglichen, und zu spät vorgebracht worden. Bachmann hatte sie nicht bereits in der ersten Beschwerde gegen die Beschlagnahmung erwähnt.

Das Urteil BV.2010.78 ist noch nicht rechtskräftig. Ob Bachmann beim Bundesgericht Rekurs einlegen wird, hat er noch nicht entschieden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hr. Mäser am 11.02.2011 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    Wie war das nochmal,die Schweiz ein freies Land mit freien Bürgern ? Welche Lobby wird hier wieder mal mit Polizeilicher Gewalt Beschützt. Schildbürgertum,lächerlich.

  • K. Oper am 11.02.2011 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Das würde mich nicht im Geringsten...

    ...stören, da ich ja beim Besuch eines Poker-Spiels damit rechnen muss, dass ich das Geld verliere. Ob's nun an die sog. Ordnungshüter oder an andere Spieler geht ist mir dann eigentlich egal. Gut überlegte Strafe!

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  • dom am 11.02.2011 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Die 100 sinnlosesten Gesetze

    Man könnte ein Buch schreiben über die, bsp., 100 sinnlosesten Gesetze (inkl. dieses) und später das Buch veröffentlichen. :D

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike Toth am 10.03.2011 00:14 Report Diesen Beitrag melden

    Casinos = Bund?

    Ist es nicht so, dass teilweise Casinos sogar dem Bund gehören? Naheliegend, dass die das Pokern verbieten möchte. Aber ganz ehrlich. Was verdient ein Casino an den Pokerspieler? Nichts!! Das ist ja das schlimme. Die Spieler zocken sich gegenseitig ab, das Casino macht kaum Gewinn. Warum also das Ganze? Wieder mal die eiskalten Kalkulationen. Ein Pokerspieler im Casino ist ein potenzieller Spieler, der auch andere Spiele spielt und Waren konsumiert. Es geht doch ganz allein um das.. Nicht mal um das Pokern selbst.. So traurig..

  • isjawahnsinn am 11.02.2011 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    happig

    430.- franken! ...happig.

  • ändu am 11.02.2011 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Um was geht es eigentlich?

    Wenn ein Drogendealer auf der Strasse gefasst wird, muss er nur die Drogen abgeben und nicht sein ganzes Geld. Die Gefahr, dass er damit neue drogen kauft ist dabei wohl viel schlimmer. Ich vermute einfach diese Leute die das bestimmen können gar nicht Poker spielen und haben das Gefühl es sei nur Glück. Dabei ist beim Jassen das Glück entscheidender, da muss ich immer mitspielen, beim Pokern kann ich ja passen. Poker hatt villeicht einafch einen schlechten ruf aus den Weternfilme, dort gibt es immer schiessereien oder ähnliches. Man weiss es nicht

  • Dom am 11.02.2011 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel Geld!

    Ich wäre mal für eine massive Budgetkürzung bei der Polizei! Die sollen sich lieber um die wichtigen Dinge kümmern, anstatt harmlose private Pokerturniere zu stürmen!

    • ... am 12.02.2011 13:21 Report Diesen Beitrag melden

      Casinos und Bund arbeiten doch zusammen

      Allgemein ist bekannt dass pokern nicht nur auf Glück bedacht ist,in den Ranglisten von Pokerklubs sind die besten fast immer vorne dabei. Übrigens finde ich, wenn ich ein Turnier machen will, kostet es mir nur das buy-in und mehr kann ich nicht verlieren.Es ist echt lächerlich wie man die Pokerveranstalter und Pokerspieler behandlet*Die Kriminellen sind nicht die Pokerspieler sondern die die so einen Entscheid verfasst haben. Mit Gerechtigkeit hat das absolut nichts mehr zu tun sondern mit Koruption gegen das normale Folk die nur Spass haben wollen. Casinos und bund arbeiten zusammen.......

    • sonst und am am 16.02.2011 13:34 Report Diesen Beitrag melden

      super aussage

      bin ich genau gleicher meinung

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  • Dankbarer Einwohner am 11.02.2011 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiges Vorgehen

    Richtig so. Verbrecher werden sicher nicht belohnt. Pokerturniere ausserhalb von Casinos sind illegal und damit strafbar. Die Polizei soll hier nur hart durchgreifen und alle Teilnehmer und Veranstalter verhaften, denn das sind alles Straftäter.

    • S.R. Ziltener am 11.02.2011 20:10 Report Diesen Beitrag melden

      Netter Zeitgenosse

      Du hast wohl keinen blasseb Schimmer oder? Bist sicher über 60 und geniesst die tollen Dige im Leben wie Preisjassen Bingo- und Lottoabende.... Ja so stelle ich mir dich vor. Den nur so ein netter Zeitgenosse kann sowas schreiben. Schade....

    • Denkender Einwohner am 11.02.2011 20:19 Report Diesen Beitrag melden

      Wer keine Ahnung hat, sollte besser ruhig sein.

      Die teilnahme an einem Pokerturnier ist NICHT strafbar, auch wenn dieses Turnier illegal ist. Dies wird in dem Bericht ja sogar noch erwähnt. Es ist lediglich die Organisation strafbar und somit auch nur die Organisatoren festzunehmen und zu bestrafen, falls das Turnier tatsächlich illegal war.

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