Social Media

05. Juli 2016 08:27; Akt: 05.07.2016 08:30 Print

Politiker auf Snapchat vertreiben junge Wähler

von B. Zanni - Nationalräte haben die Jugend-App Snapchat entdeckt. Doch anstatt junge User für die Politik zu gewinnen, vertreiben sie diese laut Fachleuten.

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Die App mit dem kleinen weissen Gespenst ist nicht nur bei Teenagern, sondern neuerdings auch bei Politikern der letzte Schrei. «Politisieren ist mehr als nur Papiere schreiben», sagt Julia Baumgartner, Co-Präsidentin der Juso Baselland. Auch GLP-Nationalrat Beat Flach hat seit kurzem ein Profil auf Snapchat. «Ich habe vor, Snapchat vermehrt zu nutzen.» Mit der App, die sämtliche Inhalte nach 24 Stunden zerstört, beabsichtigt er laut «Blick», jungen Menschen Politik zu vermitteln.

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SP-Nationalrat Cédric Wermuth sagt zu 20 Minuten, er wolle Snapchat für seine Politik nutzen, weil er gehört habe, dass Facebook bei jungen Menschen zunehmend out sei. Der grüne Nationalrat Balthasar Glättli hat sich schon überlegt, auf Snapchat aktiv zu werden. «Aber ich hatte bisher schlicht keine Zeit dazu», sagte er dem «Blick».

«Eindringen in die Privatsphäre»

Jugendfachleute und Social-Media-Experten beobachten den Trend kritisch. Kinder- und Jugendpsycholge Philipp Ramming macht darauf aufmerksam, dass Snapchat für die Jugendlichen eine intime, private App ist. «Sie werden es als Eindringen in ihre Privatsphäre verstehen, wenn sich Politiker auf Snapchat tummeln.» Politiker sollten die Jugendlichen durch Leistung und nicht durch Anbiederung zu erreichen versuchen. «Jugendlich sein heisst, seine eigene Welt aufzubauen und zu verteidigen.»

Auch Social-Media-Experte Philipp Wampfler ist skeptisch. «Wenn sich Politiker und immer mehr Erwachsene auf Snapchat einmischen, werden sich die Jugendlichen ziemlich bald von der Plattform verabschieden.» Zudem rechnet er kaum damit, dass die Politiker mit ihren Inhalten die Jugendlichen auf Snapchat erreichen. «Die Jungen kommunizieren auf Snapchat auf ihre spezielle Weise über Videos und Memes – und das ohne grosse Worte.» Zudem schickten sie sich die Nachrichten direkt zu und teilten diese selten mit allen Kontakten. Er rät ab, der Jugendkultur auf Snapchat nachzueifern. Beliebt sind Fotos, in denen Freunde miteinander die Gesichter getauscht haben.«Würde Beat Flach sein Gesicht mit jemand anderem tauschen, machte er sich lächerlich.»

Wampfler macht darauf aufmerksam, dass die digitale Kommunikation bei Jugendlichen denselben Stellenwert wie Musik und Mode erhalten hat. «Es geht dabei um Gruppenzugehörigkeit und das Abheben von den Erwachsenen.» Die Märkte hätten dies erkannt. «Deswegen werde sich bei den Apps immer schneller neue Modeströmungen entwickeln.»

«Coolem Siech würde ich folgen»

Cédric Wermuth weist die Kritik zurück. «Politik ist Teil des öffentlichen Lebens und hat überall dort, wo Menschen sind, etwas verloren.» Auch Internet-Comedian und Snapchat-Nutzer Bendrit Bajra würde Politikern kein Snapchat-Verbot erteilen. «Wenn ein Politiker ein cooler Siech wäre, würde ich ihm folgen.» Bis jetzt falle ihm beim besten Willen jedoch kein Kandidat ein. «Unsere Politiker sind so verklemmt. Sie reden immer nur um den heissen Brei.»

Bis die Politiker erste Beiträge auf Snapchat veröffentlichen, dürfte es eine Weile dauern. Zuerst müsse er noch «kapieren, wie es funktioniert», so Flach. Ähnlich geht es Cédric Wermuth. «So, mal auf diesem Snapchat eingeloggt … ähm … – Und wie geht jetzt das?», schreibt er auf Twitter. Zudem gesteht er, dass er noch nicht dazu gekommen sei, die App aktiv zu nutzen. «Social Media ist sehr zeitaufwendig und braucht enorm viele Ressourcen.»





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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • NJ am 04.07.2016 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Wieso sollten die Jugendlichen wegen den Politikern von Snapchat loslassen? Es zwingt sie ja niemand einen Politiker hinzuzufügen und falls dieser ihnen nicht passt kann er ja wieder gelöscht werden.

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  • El Maestro am 04.07.2016 23:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Soll er doch den Jugendlichen Snapchat vermiesen, die Leute die dauernd mit schräg gehaltenen Handys Selfies machen regen mich echt auf. Das sind dann die, die sich durchs Smartphone ausspioniert fühlen. Und das sage ich als 17-jähriger...

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  • antonzum am 04.07.2016 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auweia, die Grünen geben Vollgas!

    Nur schon, wenn ich die Visagen von Blättli, Wermuth und Co. sehe, wird mir schlecht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • RenatoD am 05.07.2016 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Danke :)

    Danke das mein Komentar aufgeschaltet wurde. Habe mich wieder beruhigt. bitte um Entschuldigung.

  • sophie am 05.07.2016 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht für politik geeignet

    ich finde es schade, wenn man snapchat zu ernst nimmt. ich (17) nutze die app um meinen freunden etwas lustiges/herziges zu zeigen. natürlich ist es eine "dödel-app", doch das ist nicht grundsätzlich etwas schlechtes.,durch diese apps bin ich öfters in kontakt mit meinen freunden, was den zusammenhalt und im weitesten sinne die sozialkompetenz fördert, es geht aber nie um ernsthaftes. ich interessiere mich für politik und v.a. die positionen der politikern. dafür ist snap das falsche medium, einfach weil es keinen platz für diskussionen, tiefe inhalte lässt.

  • mike tandeschi am 05.07.2016 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ablenkung tut uns allen gut

    coool. je mehr Cedric Wehrmut auf snapchat ist, desto weniger Zeit hat er für andern Mist.

  • Liam am 05.07.2016 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand

    mag Leute, die sich anbiedern.

  • Peter2000 am 05.07.2016 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wehrmut

    Wehrmut blockt aber alle Leute in Social Media, die nicht seiner Meinung sind. Wirklich volksnah ist das nicht.