Handy-Glotzer

30. Oktober 2014 08:39; Akt: 22.01.2015 09:34 Print

Politiker fordern Strafen für Fussgänger am Handy

von Th. Bigliel - Passanten, die mit ihrem Handy beschäftigt sind, verunfallen häufig im Strassenverkehr. Politiker wollen gegen die Handy-Glotzer nun härter durchgreifen.

Video der Präventionskampagne «Sieh dich vor beim Schritt auf die Strasse». (Quelle: Youtube/Fussverkehr Schweiz)

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Sie blenden den Verkehr aus, missachten Signale, erzwingen den Vortritt und geraten unvermittelt auf die Strasse. Im schlimmsten Fall vor ein Auto. Weil sie auf den Bildschirm ihres Smartphones und nicht auf den Verkehr achten, geraten Fussgänger immer öfters unter die Räder.

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In Deutschland will man künftig stärker gegen solche Handy-Glotzer vorgehen: Politiker wollen abgelenkte Smartphone-Besitzer künftig mit einem Bussgeld bestrafen. Auch Schweizer Verkehrspolitiker sehen Handlungsbedarf. Wer in der Schweiz auf dem Trottoir geht und dabei telefoniert, tut nichts Verbotenes. Das will SVP-Nationalrat Walter Wobmann ändern: «Fussgänger, die nur aufs Telefon schauen und dadurch eine Gefährdung für andere darstellen, sollten bestraft werden können», so der SVP-Nationalrat. «Wie bei den Autofahrern muss die Polizei auch hier konsequent mit Kontrollen durchgreifen.» Wer aufs Telefon schaue, könne sich schliesslich auch als Fussgänger nicht noch auf den Verkehr konzentrieren, sagt Wobmann.

Per Handzeichen über den Fussgängerstreifen

Auch Parteikollegin Natalie Rickli fordert eine schärfere Gangart gegen Fussgänger: «Es kann nicht sein, dass telefonierende Autofahrer bestraft werden, während unachtsame Passanten kaum Konsequenzen zu fürchten haben.» Eine Busse nach deutschem Vorbild lehnt Rickli jedoch ab. «Es braucht nicht mehr Verbote, sondern mehr Eigenverantwortung.» Konkret schlägt Rickli vor, dass das 1994 abgeschaffte Handzeichen-Obligatorium wieder eingeführt werden soll.

Eine Rückkehr zum alten Handzeichen-Obligatorium kommt weder für den TCS noch für den Fussgängerverband Fussverkehr Schweiz in Frage. «Es ist im Eigeninteresse des Fussgängers, dass er sich auf den Verkehr konzentriert. Wenn es kracht, trägt er die schwersten Schäden davon», sagt Dominik Bucheli von Fussverkehr Schweiz. Der Verkehrsexperte setzt deshalb auf Prävention: «Jährlich verunfallen rund 2250 Fussgänger, das gilt es zu verhindern.»

Auch die Polizei ist gegen Kontrollen

Die Kantonspolizei Bern nimmt das Thema «sehr ernst», wie Mediensprecherin Simona Benovici mitteilt. «Egal ob Fussgänger, Velo, Töffli, Auto oder Lastwagenfahrer – wer sich im Strassenverkehr bewegt, muss sich voll und ganz konzentrieren», so Benovici. Auch die Stadtpolizei Zürich stellt fest, dass ein Teil der Fussgänger weniger aufmerksam sind, weil sie sich mit ihrem Smartphone beschäftigen. Von gezielten Kontrollen will Stapo-Medienchef Marco Cortesi jedoch nichts wissen. «Wir können bei solchen Blindflügen nur an die Vernunft appellieren.» Verboten seien die Telefone ja nicht, so Cortesi.

Anders als bei den Automobilisten hat die Polizei gegen die vom Handy abgelenkten Fussgänger praktisch keine Handhabe. Ausser sie überqueren einen Fussgängerstreifen. Hier riskieren telefonierende Fussgänger nämlich eine Busse. Denn im Gesetz steht klar: Fussgänger dürfen den Zebrastreifen nicht überraschend betreten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani Gisler am 30.10.2014 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Arme Telefonierer...

    Genau, sie tragen die grössten Schäden. Aber wer kommt für die Schäden auf? Der Dumme Autofahrer, der sich zur falschen Zeit am falschen Ort befunden hat.

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  • Alfi am 30.10.2014 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    Zu meinem eigenen Schutz wende ich immer noch "luege, lose, laufe" an und bin damit bis heute unfallfrei über jede noch so befahrene Strasse gelangt.

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  • anerom am 30.10.2014 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    finde ich korrekt, denn das drum herum wird nicht wahrgenommen und wenn es etwas geschieht wer ist schuld? Der böse Autofahrer...wie immer!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • me am 31.10.2014 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurige schweiz..

    verstehe/ interessiere mich nicht für politik.. mir kommts aber so vor als ob diese politiker, parteien was auch immer, immer gegen uns arbeiten. man muss sich das mal vorstellen die werden von uns(steuergelder) bezahlt und arbeiten gegen uns. unglaublich

  • Hugo V. am 31.10.2014 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetze sind kein Patentrezept

    Mich nerven einerseits Fussgängergruppen, die meinen, das Trottoir sei eine Einbahnstrasse und es nicht für nötig halten, dem Gegenverkehr Platz zu machen und andererseits Autofahrer, die es nicht für nötig halten, am Fussgängerstreifen zu bremsen, weil sie sich sowiso stärker fühlen. Und am allermeisten gehen mir Menschen auf den Senkel, die meinen, man könne jedes Problem(chen) mit neuen Gesetzen lösen.

  • Jajaa am 31.10.2014 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Musik hören verbieten...

    Auch das hören von Musik beim Velofahren oder Gehen sollte verboten werden (könnte man auch für Autofahrer einführen)!

  • Linda am 31.10.2014 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Sicherheit und Intoleranz

    Das grösste Problem stellt die Tatsache dar, dass Fussgänger sich in falscher Sicherheit wiegen. Im Tessin wurden viele Fussgängerstreifen entfernt, so schauen die Leute (endlich) wieder auf beide Seiten, bevor sie die Strassenseite wechseln! Ausserdem existiert ein gewisser Frust, welcher zu Intoleranz führt (bei Fussgängern wie bei Autofahrern). Es macht mich als Fussgänger, wie als Autofahrer glücklich, wenn ich mich kurz bedanke, oder ein Dankeschön erhalte, wenn ich über die Strasse gehe bzw. mit dem Auto angehalten habe.

  • Stefan Fenner am 31.10.2014 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handyverbot im Strassenverkehr

    Ein Fussgänger, der seine Augen auf dem Handy statt auf der Strasse hat, provoziert den selben Unfall wie ein Automobilist, der am Handy ist. Die Unfallfolgen sind doch die gleichen. Daher ist es nur logisch, dass auch Fussgänger und Velofahrer beim hantieren an ihren Handys gebüsst werden. Jeder Verkehrsteilnehmer, dazu gehören auch Fussgänger und Velofahrer, haben für Sicherheit zu sorgen.