Gesponserte Beiträge

11. Januar 2016 20:09; Akt: 11.01.2016 20:09 Print

Politiker kaufen sich Beachtung auf Facebook

von J. Büchi - Volksvertreter bezahlen dafür, dass ihre Social-Media-Beiträge bestimmte Nutzer erreichen. Laut einem Politologen ist das die Kampagnenform der Stunde.

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Hans-Ueli Vogt verbreitet seine Facebook-Beiträge gekonnt. (Bild: Keystone/Dominic Steinmann)

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Über die Kommunikationsstrategie von Hans-Ueli Vogt (SVP) wurde in den letzten Tagen viel geschrieben. Will der Rechtsprofessor die Secondos wirklich nicht ausschaffen oder handelt es sich bei seiner Aussage nur um eine Nebelpetarde, um die Chancen der Durchsetzungsinitiative zu erhöhen? Man weiss es nicht. Sicher ist: Vogt gehört zu den Kommunikationsprofis im Bundeshaus. Das wird auch auf Social Media deutlich.

Selbst Facebook-Nutzer, die nicht mit Vogt befreundet sind, sehen in ihrem Newsfeed regelmässig Einträge des Neo-Nationalrats. Etwa kurz vor Weihnachten, als der Zürcher erklärte, weshalb der Automatismus in der Durchsetzungsinitiative aus seiner Sicht kein Problem darstellt. «Wer mit 140 km/h auf der Autobahn fährt und eine Busse bekommt, kann auch nicht einwenden, die Busse sei unverhältnismässig, weil weit und breit sonst niemand auf der Autobahn unterwegs war. Unser Rechtssystem funktioniert mit solchen Automatismen», hiess es im Post unter anderem. «Gesponsert», stand in hellgrauer Schrift darüber.

Empfänger genau bestimmen

Während diese Art von Politmarketing in den USA schon lange boomt, wurde sie in der Schweiz lange kaum genutzt. Dabei bezahlen Politiker dafür, dass ihre Beiträge eine bestimmte Anzahl Nutzer erreichen. «Diese Werbeform ist sehr zielgenau», so Politikberater Mark Balsiger. Facebook erlaubt es, die Zielgruppe nach Alter, Wohnort und Interessen auszuwählen. Bei Bedarf können sogar einzelne Personen – beispielsweise Journalisten – als Empfänger ausgewählt werden. «Jeder versierte Politiker sollte heute auf diese Kampagnenform setzen.»

Nicht nur der geringe Streuverlust mache das Instrument attraktiv, so Balsiger. «Es ist auch von Vorteil, dass der Absender seine Gedanken zu einem Thema in eigenen Worten formulieren kann – und sie in einem Gefäss transportiert, das die User auch selber nutzen.» Die Werbung müsse nicht in ein formales Korsett gezwängt werden wie etwa bei einem Inserat. Ein weiterer Pluspunkt seien die vergleichsweise tiefen Kosten – mit 30 Franken pro Beitrag ist man bereits gut dabei.

Vor Abstimmungen noch wenig verbreitet

Balthasar Glättli, Fraktionschef der Grünen, setzte das Instrument im Wahlkampf ein. Für die Verbreitung mehrerer Einträge habe er rund 300 Franken ausgegeben, so Glättli. «Gerade für eine kleine Partei mit beschränkten finanziellen Ressourcen ist es attraktiv, wenn man die Leute auf diese Weise mobilisieren kann.» Er adressierte seine Beiträge insbesondere an Personen zwischen 20 und 35, die sich für grüne Themen wie Menschenrechte oder Ökologie interessieren. «Ziel war, dadurch Leute an die Urne zu bringen, die sonst vielleicht nicht gewählt hätten.»

Glättli beobachtet, dass derzeit erst wenige seiner Parlamentskollegen das Instrument nutzen. Er ist aber überzeugt: «Spätestens in vier Jahren wird diese Form von Werbung zum Standardrepertoire gehören.» SVP-Mann Hans-Ueli Vogt sagt auf Anfrage, er erhöhe die Reichweite seiner Facebook-Beiträge, wenn er diese «besonders wichtig finde». So könne er seine politischen Standpunkte besonders effizient vermitteln. Angaben dazu, wie viel er für die Werbung ausgibt, macht er nicht. Er habe kein «eigentliches Budget» dafür. Vogt sagt, auch andere Parlamentarier würden das Instrument nutzen – «die meisten meines Wissens aber nur während des Wahlkampfs».

Laut Balsiger ein Fehler: «Gesponserte Beiträge machen dann Sinn, wenn sie regelmässig eingesetzt werden – und nicht nur vor dem Wahltermin.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zyniker am 11.01.2016 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein weiterer Grund...

    ... Auf Social Media zu verzichten...

  • Serkan am 11.01.2016 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht?

    Ich sehe kein Problem darin. Bei der Anzeige kann man die Zielgruppe bestimmen, Alter z.B. Ab 18 aufwärts und Geschlecht, Land etc. Bei einer Zeitungsanzeige stört es auch niemanden. Wird meiner Meinung nach übertrieben. Gruss, jemand der nicht ganz rechts eingestellt ist.

  • Tiwi am 11.01.2016 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    in Ordnung

    also wenn es in Ordnung ist, die ganze Zeit mit Zalando - Werbung und Co. zugepflastert zu werden, finde ich es auch nur OK, dass man Beiträge von Politikern sieht. schlussendlich kann man in den Einstellungen ja selber ankreuzen, Welche Art der gewünschten Beiträge man empfangen will, und welche nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Snot Mc Booger am 12.01.2016 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plutokratie

    Da sieht man wieder, Geld regiert die Welt.

  • Apop am 12.01.2016 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tolle Politik das...

    da kann man ja auch gleich behaupten dass sie auf indirektem Weg versuchen Stimmen zu kaufen in dem sie bestimmte Zielgruppen versuchen mittels Werbung zu manipulieren?

  • Erschebet am 11.01.2016 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach kommt...ist doch normal

    jetzt mal im ernst. das macht jeder. nicht nur politiker. das ist genauso wie wenn man erschüttert wäre, dass im wahlkampf plakate aufgehängt werden. ich finds normal und würde es auch so handhaben.

  • Peter am 11.01.2016 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ich nicht lache

    "Gerade für eine kleine Partei mit beschränkten finanziellen Ressourcen ist es attraktiv, wenn man die Leute auf diese Weise mobilisieren kann." Im ganzen warum nicht, ist ja Marketing ob Internet, Radio, Tv usw.

  • Serkan am 11.01.2016 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht?

    Ich sehe kein Problem darin. Bei der Anzeige kann man die Zielgruppe bestimmen, Alter z.B. Ab 18 aufwärts und Geschlecht, Land etc. Bei einer Zeitungsanzeige stört es auch niemanden. Wird meiner Meinung nach übertrieben. Gruss, jemand der nicht ganz rechts eingestellt ist.