«Geplante Alterung»

24. April 2019 16:20; Akt: 24.04.2019 16:21 Print

Politiker verklagt Apple wegen lahmen iPhones

Apple installiere auf alten iPhones Updates, die die Geräte verlangsamten, sagt ein Politiker. Jetzt geht er vor das Bundesgericht.

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Die «programmierte Obsoleszenz», also das vom Hersteller gewollte schnellere Altern von Produkten, wird zum Fall für die Justiz Der Genfer CVP-Politiker Thomas Putallaz und der Verein NoOps, den er präsidiert, zieht Apple vor das Bundesgericht. Nachdem die Staatsanwaltschaft Genf eine Anzeige wegen Verstosses gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerbs nicht weiterverfolgte, wendet sich Putallaz nun an die obersten Richter.

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Konkret geht es um ein Update, das Apple im Oktober 2017 herausbrachte und das die Leistung der Handys stark beeinträchtigt haben soll. Insbesondere die Batterielebensdauer soll dadurch verringert worden sein. In Italien wurden Apple und Samsung deswegen letztes Jahr von der Wettbewerbsbehörde verurteilt, Apple muss zehn Millionen Euro zahlen. Auch in Frankreich und den USA laufen Untersuchungen.

«Hunderttausende sind betroffen»

Seit 2008 habe Apple durch die «Trickserei» Millionen von neuen Handys verkauft, sagt Thomas Putallaz. Eine amerikanische Studie belege, dass bei jeder Veröffentlichung eines neuen iPhone-Modells die Google-Suche nach «slow iPhone» nach oben zeigten. Er strebe ein ähnliches Urteil wie in Italien an. «Verbraucher werden zunehmend durch die aggressiven Methoden der Tech-Riesen und der Industrie geschädigt», sagt Putallaz.

Viele Konsumenten hätten sich bei der Gruppe NoOps gemeldet. In der Schweiz seien Hunderttausende betroffen, heisst es in einer Mitteilung des Vereins. Der Schweizer Markt sei für Apple der lukrativste der Welt, da 54 Prozent der Bevölkerung ein iPhone hätten.

Schlecht für die Umwelt

Eine künstliche Verkürzung der Lebensdauer sei auch für die Umwelt schlecht, schliesslich benötige die Produktion von Smartphones Ressourcen und der Kauf eines neuen produziere Abfall. Weil der Verein dem Bundesgericht 3000 Franken vorschiessen muss, hat er nun im Internet ein Crowdfunding gestartet.

Putallaz sagt, das iPhone sei nur ein erstes Beispiel und diene dazu, ein Präzedenzurteil zu erhalten. Seinem Verein gehe es um das Phänomen im Allgemeinen. So sei das Problem der geplanten Obsoleszenz etwa auch bei Druckern, Damenstrumpfhosen oder Glühlampen bekannt. Je nach Ausgang des Verfahrens will Putallaz auch in diesen Fällen gegen die geplante Obsoleszenz kämpfen. Explizit strafbar ist diese heute in der Schweiz nicht.

Apple bleibt still

Das Konsumentenforum begrüsst die Anzeige. «Wir hoffen auf ein gerechtes Urteil», sagt Kommunikationsleiter Dominique Roten. «Apple streitet ab, dass es sich um geplante Obsoleszenz handelt. In anderen Ländern, in denen Urteile ergangen sind, musste Apple das aber zugeben.» Das Forum erhalte immer wieder Anfragen zu diesem Thema. Neben Smartphones seien insbesondere hochtechnologische Produkte betroffen. «Gerade in diesem Bereich gibt es Firmen, die geplante Obsoleszenz sehr bewusst einsetzen», sagt Roten.

Ein Apple-Sprecher teilt auf Anfrage mit, Apple äussere sich nicht zum Thema, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Apple hat laut dem «Spiegel» im Jahr 2017 zugegeben, die Geschwindigkeit älterer Smartphones zu drosseln. Das habe aber nichts mit geplanter Obsoleszenz zu tun, sondern diene der Verlängerung der Akkulaufzeit.


Haben Sie selbst ein Smartphone oder ein anderes Produkt, das vom Phänomen betroffen ist? Oder besitzen Sie ein altes iPhone, das auch noch nach Jahren seinen Dienst tut? Erzählen Sie es uns!

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Siggi am 24.04.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Verklagen

    Die eigentliche Frage ist doch, ob ich als veräppelter Anwender etwas von dem Geld sehen werde..

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  • Snickas am 24.04.2019 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur die Handyindustrie

    Hab auch schon von Waschmaschinen gehört, welche so konstruiert wurden, dass sich die Elektronik durch Hitzeinwirkung früher oder später selbst vernichtet.

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  • Walti am 24.04.2019 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Garantie

    In der Schweiz verweigerte man mir Garantieleistung auf Imac G5 Display (Fabrikationsfehler). Im Ausland ging es nahtlos.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Money for nothing am 25.04.2019 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Müll im hochglanz Gewand

    Was erwartet Ihr von diesem zusammen geklebten Müll. Früher hatten Smartphones noch Schrauben auch wenn es Torx oder andere Spezialschrauben waren. Heute muss man mit einem Föhn zuerst den Kleber lösen. Alles auf wegwerf getrimmt. Wo sind die Zeiten geblieben wo es noch Handys mit Titan Gehäuse gab. Heute ist nur nich der Preis hochwertig.

  • Berechneter Zerfall am 25.04.2019 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Die Dinge zerfallen vor deinen Augen

    Die geplante Obsolezenz macht nicht mal vor den Kopfhörern halt. Apple Kopfhörer sind nach 4 Jahren so klebrig dass diese weg geworfen werden müssen --> minderwertige Kunststoffe, Weichmacher. Die 20 Jahre alte Nokia Freisprechgarnitur ist noch wie am ersten Tag.

  • markusw am 25.04.2019 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Geld nur für Anwälte

    Der Konsument sieht gar nichts vom Geld. Reich werden immer nur Anwälte

  • Kommentar am 25.04.2019 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Erst informieren, dann meckern

    Man sollte sich erst mal informieren, was so ein Update wirklich bewirkt, statt sinnloses wettern. Dieses Update war nicht dazu da, Geräte schneller altern zu lassen sondern die Lebensdauer zu erhöhen! Es schützte die empfindliche micro-Elektronik und den Akku vor Stromspitzen bei kurzzeitigen, hohen Prozessor-Belastunge. Bei älteren Geräten hatte dies zur folge, dass das Gerät sich entweder frühzeitig abschaltete, um die Elektronik zu schützen oder dass die Prozessor-Leistung gedrosselt wurde, um den Akku nicht erhöhten Belastungen auszusetzen. Das alles verlängert die Gerätelebensdauer!

    • PC Systemtechniker am 25.04.2019 18:25 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch!

      Wenn ein Gerät gedrosselt werden muss damit Komponenten nicht leiden liegt ein Konstruktionsfehler vor oder es wurden minderwertige Teile verbaut.

    • Nie wieder Apple am 25.04.2019 18:35 Report Diesen Beitrag melden

      Schöne Sche....

      Was hat das Update bewirkt, mein IPad Mini wurde so langsam dass es nicht mehr gebraucht werden kann.

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  • Elektroniker am 25.04.2019 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Reine Kundenabzocke

    Ich bin Elektroniker und ärgere mich täglich über den Schund der heute den Leuten angedreht. Alte Geräte laufen Jahrzehnte. Neue Ware 2-3 Jahre. Frage mich was jemand macht der nicht selbst so etwas reparieren kann. Es sind alles die gleichen Serienfehler und die sind bewusst so eingebaut.