Auch in der Deutschschweiz

28. April 2019 06:36; Akt: 28.04.2019 06:39 Print

Politiker wollen Bau von 5G-Antennen stoppen

Die Bedenken sind gross: In vielen lokalen Parlamenten fordern Schweizer Politiker ein Moratorium für 5G-Antennen. Erst sollen die gesundheitlichen Gefahren geklärt werden.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Mobilfunkanbieter drücken bei der 5G-Technologie aufs Gaspedal. Sunrise deckt seit Anfang April 150 Städte und Orte in der Schweiz mit 5G ab, Swisscom will bis Ende Jahr 90 Prozent der Bevölkerung damit versorgen. Doch jetzt bremst die Politik. Der Kanton Genf verbietet vorerst den Bau von 5G-Antennen: Das Parlament verlangt neue Studien zu möglichen Gesundheitsschäden. Auch in der Waadt prüft die Regierung einen Marschhalt. Auf nationaler Ebene spricht sich SP-Nationalrätin Martina Munz für ein Moratorium aus: «Es kursieren viele Fakenews zur 5G-Technologie.» Es brauche mehr Zeit, um offene Fragen zu klären: den Schutz für Mensch und Tier, die möglichst geringe Strahlenbelastung und die Haftung bei allfälligen Schäden. SP-Nationalrat Thomas Hardegger überlegt sich, ein Moratorium auf Bundesebene anzustreben. Die Vorstösse der «Strahlengegner» ärgern FDP-Nationalrat Thierry Burkart: «Sie lehnen ab, was sie nicht kennen, verkennen aber die Chancen der Technologie. Unsere Handys strahlten um ein x-Faches stärker als die Antennen.» Die Mobilfunkanbieter reagieren wortkarg auf die politische Gegenwehr. Bei der Swisscom heisst es, man müsse analysieren, was sie Entscheide in Genf und der Waadt für den Ausbau des 5G-Netzes bedeuten würden. Ein Sunrise-Sprecher erinnert daran, dass der Bund mit der Vermietung der Frequenzen selbst ein rasches Tempo vorgegeben habe. Bis im Sommer verfasst eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Bundesamts für Umwelt einen Bericht mit Empfehlungen zu Mobilfunk und Strahlung. Die Diskussion müsse endlich versachlicht werden, sagt SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher: «Momentan herrscht ein Glaubenskrieg. Die Swisscom hat bereits in 50 Gemeinden ihre Antennen auf 5G umgerüstet. «Sobald wir die Konzession erhalten, werden wir diese einschalten. Immer unter Einhaltung der Strahlengrenzwerte», so Sprecherin Sabrina Hubacher. Laut Bakom soll die Konzession in den nächsten Wochen erteilt werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Widerstand gegen den neuen Mobilfunkstandard 5G hat laut «SonntagsZeitung», «Ostschweiz am Sonntag» und «Zentralschweiz am Sonntag» die Deutschschweiz erreicht.

In mehreren lokalen Parlamenten lancierten Politiker entsprechende Vorstösse, die einen Baustopp oder zumindest zusätzliche Abklärungen für 5G-Antennen forderten.

In den Kantonsparlamenten von Bern, St Gallen und Schwyz seien entsprechende Vorstösse traktandiert. Auch die Stadtparlamente von Luzern und Schaffhausen würden sich mit dem 5G-Ausbau beschäftigen.

Bericht im Sommer

Vielerorts werden Gesundheitsbedenken vorgebracht - ein Moratorium solle solange gelten, bis unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse vorlägen. Auf viele gesundheitlichen Gefahren gebe es noch keine Antworten – zudem bringe die Verbreitung von 5G eine massive Erhöhung der Funkstrahlung mit sich, so die Bedenken.

Der Bericht zu den Auswirkungen des Mobilfunkstandards der fünften Generation (5G) soll bis im Sommer vorliegen. Zunächst waren 5G-Moratorien nur in der Romandie ein Thema gewesen.

(scl/sda)