Stämpfli vs. Hermann

05. November 2013 15:37; Akt: 06.11.2013 11:12 Print

Politologen geben sich wieder Saures

von Simon Hehli - Ist Michael Hermann der Totengräber der Demokratie? Oder Regula Stämpfli eine Karikatur? Der Streit zwischen den beiden Kommentatoren geht in die nächste Runde.

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Regula Stämpfli hat sich einmal mehr auf den Politgeografen Michael Hermann eingeschossen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Sie sind wie Hund und Katz: die Politologen Regula Stämpfli und Michael Hermann. 2010 gerieten sie heftig aneinander. Stämpfli echauffierte sich über den Ansatz Hermanns, die politischen Einstellungen und Landschaften in Grafiken darzustellen – etwa auf Smartvote. Hermann sei ein «Wahlvermesser mit einem politischen Reflexionsgrad eines Planktons», seine Methoden seien eine Verhöhnung der Demokratie, giftelte sie. Hermann konterte, im Gegensatz zur bekennenden Linken Stämpfli kriege er keinen Hautausschlag, wenn er das Wort SVP höre.

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Eine Zeit lang herrschte Burgfrieden – doch im August setzte Stämpfli zu einer neuen Attacke an. Hermann hatte für den «Tages-Anzeiger» errechnet, welche Parteien Sieger und Verlierer der ersten Legislaturhälfte sind. «Lackierte Fliegenkacke», kommentierte Stämpfli in ihrem Blog auf news.ch. «Demokratie ist keine Zählpornografie. Demokratie lässt sich nicht vermessen, ebensowenig wie die Menschen.» Wer Politik nur als Wettbewerb mit Siegern und Verlieren verstehe, errichte eine Diktatur der Mehrheit, kritisierte die Politologin.

«Ich bin echt am Durchbeissen»

Und jetzt geht der Knatsch in eine neue Runde. Auslöser ist ein Artikel der «SonntagsZeitung», in dem Hermann mit Blick auf die Familieninitiative der SVP analysierte, wie hoch der Anteil der Hausfrauen in den einzelnen Regionen ist. Ein Ergebnis der Studie ist, dass 40 Prozent der Frauen von Männern, die in einer Unternehmensleitung sitzen, nicht berufstätig sind. «HILFEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEE. Welch doofe Studien schneien denn heute noch rein?», schrieb Stämpfli daraufhin auf Facebook.

«Ich bin echt am Durchbeissen, grad», kommentierte sie. So ein irrdoofes Schuldzuweisungskarussell an Frauen: Klar doch stamme es von Michael Hermann. Stämpfli kündigte in aller Bescheidenheit eine «geniale» Kolumne im «Blick am Abend» an: «Es ist Zeit für mehr als Plankton.» Die Kolumne von gestern fiel dann nicht ganz so angriffig aus. Stämpfli machte sich lustig über «hochwissenschaftliche Erkenntnisse», wie jene, dass es einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Übergewicht gibt. Und eben jene von Hermann über die Gattinnen von Bossen: «Damit ist dann auch das Rätsel gelöst, warum immer am helllichten Tag so viele edle Geländewagen vor dem Globus stehen.»

Die zwei Ellen von Feministinnen

Der Angriffe überdrüssig schlägt Hermann in seiner Kolumne im «Tages-Anzeiger» zurück: «Irgendwo hat auch meine Gutmütigkeit Grenzen.» Er wehrt sich gegen den Vorwurf Stämpflis, die Vermessung der Demokratie führe zu deren Abschaffung. «Ich bin eher der Meinung, dass es ein Merkmal von Diktaturen ist, auf sorgfältiges Auszählen von Wählerstimmen zu verzichten.»

Hermann nimmt auch Feministinnen und Linke aufs Korn: Sie würden mit zwei Ellen messen. «Etwa bei Feministinnen, die bei männlichem Sexismus ‹Aufschrei› rufen, selber jedoch öffentlich und breitbeinig die Männer nach Äusserlichkeiten sortieren.» Oder bei überzeugten Linken, die gegen die Unmenschlichkeit rechter Politik ankämpften, jedoch nichts dabei fänden, auf den Tod einer rechten Politikerin – gemeint ist Margret Thatcher – ein «Gläschen zu trinken» oder den Absturz eines Kampfjets als sinnvolle Reduktion der Flottenstärke zu kommentierten.

«So wird sie zur Karikatur»

Der Politgeograf sieht seine Kontrahentin als klassischen Fall einer sich selbst verstärkenden Ausgrenzung. Das «Stämpfli-Prinzip» funktioniere so: Attacken lösten Gegenattacken aus. Statt zu mehr Einfluss verhelfe es zwar zu Aufmerksamkeit, mittelfristig führe es jedoch zu Ausgrenzung. «Dies wird von den Betroffenen als Bestätigung gesellschaftlicher Ungerechtigkeit gesehen, und dem wird nicht selten mit noch wütenderen Angriffen begegnet.» Durch ihre überzogene Kritik werde Stämpfli zu einer Karikatur, bedauert Hermann. Obwohl sie «durchaus etwas zu sagen hätte».

Auf Anfrage erklärte Stämpfli, sie wolle nicht auf die Vorwürfe von Hermann eingehen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz am 05.11.2013 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Sieg nach Punkten...

    für Hermann.

  • Klaus am 05.11.2013 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Abgehobene Politologin mit Allüren

    Egal zu welchen (politischen) Themen sich Frau Stämpfli äussert, sie wirkt dabei jeweils selbstverliebt, überheblich und arrogant. All das versucht sie nervös mit zynischen Sprüchen und erfolglosem Witz zu kaschieren, was sie noch hyperaktiver wirken lässt als eh schon zu ertragen ist. Erschallt ihre Stimme in einer Sendung, schaltet mein Radio bereits automatisch den Sender um. Schade eigentlich, denn mit etwas weniger Theater und Gehabe würde ihr auch zugehört!

  • glöggli böög am 05.11.2013 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ungutes Gefühl

    Wenn ich Frau Stämpfli höre, dann kommt immer ein ungutes Gefühl auf. Das Wort "fremdschämen" trifft es am ehesten...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • me too am 05.11.2013 21:32 Report Diesen Beitrag melden

    Super..

    Lasst die 2 Kindsköpfe ihre Kinderspiele machen. Aber: Ignoriert sie bitte vorläufig.. Irgendwann werden sie erwachsen und vielleicht kann man sie dann eines Tages ernst nehmen.

  • Vecchio am 05.11.2013 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichheit

    Da treffen doch zwei Plauderis aufeinander. Leider ist das Volk hörig und nimmt diese beiden als Normal auf. Dabei geht es den beiden nur um Publizität, nicht um Realität.

  • Hans Mattli am 05.11.2013 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pubertierende Erwachsene

    Das Verhalten dieser zwei Personen erinnert mich stark an pubertierende Kindsköpfe. Der Wortschatz der Madam Stämpfli ist schlichtweg kindisch. Frau Stämpfli scheint ohnehin an Profilneurose zu leiden. Hoffen wir, das beide sich ihren Bruntz am Stammtisch austragen!

  • B. Real am 05.11.2013 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht vergessen...

    Lasst doch diese Stämpfli nicht mehr länger in die Medien! Ich und viele andere haben nicht vergessen was sie z.Bsp. beim Unglück mit dem belgischen Car im Wallis abgesondert hat... Diese Frau ist es nicht wert das man ihr zuhört!

    • B. tight am 05.11.2013 22:22 Report Diesen Beitrag melden

      hast recht

      meine rede mann.

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  • Kommentarleser am 05.11.2013 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Stämpfli ist super

    Und die Kommentare auf dieser Seite zeigen nur, dass sie recht hat. Viele Leute ertragen es anscheinend nicht, wenn eine Frau so dezidiert ihre Meinung sagt, wie das Männer tagtäglich machen.

    • Julia Ebner am 05.11.2013 23:06 Report Diesen Beitrag melden

      Unerträglich

      Stämpfli ist auch absolut unerträglich. Nicht weil sie eine Frau ist (Mörgeli nervt genau so), aber der Vorwurf, dass Statistiken zu zahlenlastig sind, ist einfach nur peinlich. Sorry, aber was hat Frau Stämpfli jemals geleistet oder gemacht, dass sie für irgendwas qualifiziert. Sie ist auch keine "Politologin". Stämpfli ist genau wie die Rechtskonservativen auf FoxNews, welche mit "Experten" angeschrieben sind, aber dabei einfach nur einseitige, populistische Meinungen wiedergeben (genau wie Ueli Mäder). Warum erhält sie überhaupt Beachtung?

    • Peter Meier am 06.11.2013 11:28 Report Diesen Beitrag melden

      Falscher Wikipedia Eintrag

      Entgegen dem Eintrag auf Wikipedia zu ihr (whs selbst verfasst) hat sie aktuell keinen Lehrauftrag an der Uni Bern oder Zürich.

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