Cops der Zukunft

28. Juli 2014 06:08; Akt: 28.07.2014 06:08 Print

Polizei kämpft mit Mathe gegen Vandalen

von Florian Meier - Londoner Forscher wollen mit mathematischen Gleichungen öffentliche Unruhen verhindern. Die Methode könnte auch bei uns Anwendung finden – gegen Hooligans und 1.-Mai-Krawallanten.

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FCZ-Fans laufen vor dem Cupfinal 2014 durch die Berner Altstadt. Die Gefahr solcher Fanmärsche könnte bald mit Hilfe der Mathematik eingedämmt werden. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

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Professorin Hannah Fry vom University College in London verwendet mathematische Modelle, um das gewalttätige Verhalten grosser Menschenmengen zu beschreiben. So hat sie beispielsweise herausgefunden, dass sich die Randalierer bei den Ausschreitungen von 2011 in London in ähnlichen Mustern durch die Stadt bewegten wie normale Einkäufer. Anhand solcher Daten könnten in Zukunft ähnliche Vorkommnisse frühzeitig erkannt und verhindert werden, berichtet «Zeit.de».

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Einbrecher und Brandstifter im Visier

Ganz so weit ist es in der Schweiz noch nicht. Aber Zahlen und Statistiken helfen auch hiesigen Ordnungshütern bei der Arbeit. Die Zürcher Polizei testet seit letztem November eine Software, die helfen soll, Einbrechern früher auf die Schliche zu kommen, wie Stapo-Sprecherin Judith Hoedl sagt. Der Computer wird dabei mit Daten zu früheren Einbrüchen gefüttert. So kann berechnet werden, welche Regionen eher von Einbrechern heimgesucht werden. «Wir schauen also in die unmittelbare Vergangenheit und fragen, was passiert ist», so Hoedl. «Anhand dieser Informationen versuchen wir, Aussagen über zukünftige Einbrüche zu treffen.»

Auch in Basel werden ähnliche Methoden angewandt, jedoch bisher nur in seltenen Fällen. «Wir greifen darauf in der Regel nur bei der Suche nach serienmässigen Sexualverbrechern oder Brandstiftern zurück, weil es bloss in solchen Fällen sinnvoll ist», sagt Peter Gill von der Staatsanwaltschaft Basel. Bei Delikten wie Vandalismus bei Demonstrationen, die von grösseren Menschenmassen verursacht werden, komme dieses Geo-Profiling genannte Verfahren nicht zur Anwendung, so Gill.

Könnte bei Fanmärschen eingesetzt werden

Dafür dass Hannah Frys Idee auch in der Schweiz eines Tages Realität werden könnte, leistet Ulf Blanke vom ETH-Institut für Elektronik wichtige Vorarbeiten. Blanke befasst sich mit der Analyse von grossen Menschenansammlungen. So hat er für das Zürifäscht 2013 Daten zu den Bewegungen der Menschenmassen erhoben und analysiert. Die Resultate werden bei der Planung für das nächste Zürifäscht eingesetzt.

Der Unterschied zur Arbeit von Hannah Fry ist zwar, dass Blanke Menschenansammlungen mit friedlichen Absichten untersucht. Dabei sei die Datenerhebung wesentlich einfacher. Es ist aber auch vorstellbar, dass derartige Methoden auch genutzt werden, um die Dynamik von gewalttätigen Menschenmassen zu untersuchen. Eine Möglichkeit wäre, potenziell gefährliche Ansammlungen – beispielsweise Fanmärsche vor Fussballspielen – immer wieder zu beobachten. «So lernt man den Normalzustand genau kennen», erklärt Blanke. Erkennt die Polizei bei der Überwachung aus der Luft ungewöhnliche Entwicklungen bei einem Fanmarsch, könnte sie somit künftig früher eingreifen – und gefährliche Eskalationen verhindern.

Vorerst ist das nur Zukunftsmusik – aber das galt bis in die 80er-Jahre auch für die DNA-Analyse, die heute für Kriminalpolizisten zum Alltag gehört.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Netik am 28.07.2014 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Um das Verhalten der Randalen und eine mögliche Variante zur Lösung des Problems zu beschreiben, muss ich kein Mathe-Professor sein - da reicht mir sozusagen das kleine 1 mal 1: Der Vektor, ausgehend von den Randalen, muss direkt ins Gefängnis zeigen und darf maximal die Länge 1 betragen! Dies würde im übrigen stark präventiv wirken.

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  • Isabell am 28.07.2014 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Laiser faire tracking

    Es existiert ein Vermummungsverbot. Um die paar gewalttätigen Jungs konsequent rauszupflücken und entsprechend dem Gesetzt zu bestrafen brauchts keine "Schwarmbeobachtung". Es braucht bloss konsequentes Handeln und die Anwendung bestehender Gesetze.

  • Walter Spahni am 28.07.2014 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Das sind gar keine FCZ-Fans!

    Schaut Euch das Bild an! In den ersten Reihen sind alles vermummte Gestalten! Um die abzuräumen braucht es keine Computer, sondern ein paar beherzte Polizisten!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Student am 28.07.2014 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte zuerst denken, dann tippen

    Die, die noch NIE etwas von Stochastik etc. gehört haben, sollten doch einfach keinen Kommentar abgeben. Ich komm aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.

    • Student 2 am 29.07.2014 12:49 Report Diesen Beitrag melden

      Achtung!

      Vorsicht vor Schleudertrauma!

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  • Calamanero am 28.07.2014 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung

    Schön, dass der Mensch nicht mehr als Bürger, sondern als Variable in irgendeiner Gleichung sowie als Melkkuh angesehen werden.

    • Besserwisser am 28.07.2014 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      In diesem fall

      JA!

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  • SKler am 28.07.2014 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Wieder einmal schiesst man gegen die Ultras, das die Gewalt verhältnismässig zurück geht interessiert die Medien selbstverständlich nicht.

    • SKler am 28.07.2014 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      Sorry wegen dem Schreibfehler :O

    • Jahras am 28.07.2014 13:46 Report Diesen Beitrag melden

      solange

      Solange es Gewalt gibt, intressierts wirklich niemand ob sie rückläufig ist oder nicht.

    • Fussballfan am 28.07.2014 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gewalt

      wenn die Gewalt steigt dann würde es überall i den medien stehen!

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  • Markus W. am 28.07.2014 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    keine Mathe, durchgreifen

    wozu braucht es Mathe? Ich sehe vermummte Personen und die Polizei hat nichts weiter zu tun als diese zu verhaften.... nicht mehr und nicht weniger. Danach registrieren und jeweils am Wochenende auf einem Polizeiposten melden lassen..... wer sich nicht meldet bekommt automatisch 1 Jahr Knast aufgebrummt.... Fanmärsche sind genial aber Zerstörungsmärsche gehören unterbunden und dafür wird die Polizei bezahlt.... zur Not muss halt dann das Militär auch noch eingesetzt werden.... schliesslich sind die ja an der Waffe auch ausgebildet.....

    • pff am 28.07.2014 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      pff

      wer seine freiheit zugunsten der sicherheit opfert, verliert irgendwann beides. sei doch froh, dass diese vermummten personen sich gegenseitig hauen und nicht dich, aber nein es muss sich jeder überall einmischen..

    • Werner Zurlinden am 28.07.2014 21:08 Report Diesen Beitrag melden

      Markus W. - gut so

      Markus W. Ich bin ganz genau ihrer Meinung. Ich würde einem solchen Gesetzesentwurf zustimmen

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  • Martin M. am 28.07.2014 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Minority Report?

    Minority Report (natürlich alles im Namen der Sicherheit) lässt grüssen. Erschreckend wenn Computer über das Schicksal von Menschen entscheiden.