Backpacker-Hotel in Schaffhausen

05. März 2019 17:57; Akt: 05.03.2019 19:21 Print

«Polizei-Razzia war wie ein Raubüberfall»

Die Schaffhauser Polizei nahm in einem Hostel einen mutmasslichen Drogendealer fest. Augenzeugen halten den Einsatz für «völlig übertrieben».

Die Sicherheitskameras filmten den Polizeieinsatz. Nach der Razzia habe ein Zivilpolizist an die Wand des Lokals gespuckt, sagt der Eigentümer des Hotels.
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Vier Männer in schwarzen Mützen stehen an der Tür, die Schals tief ins Gesicht gezogen. Dann stürmen sie ins Lokal und reissen einen Mann nieder. Gläser klirren, Stühle werden umgestossen, eine Frauenstimme kreischt. Die Aufnahmen der Sicherheitskameras im Backpacker-Hotel ZAK in Schaffhausen lassen einen vertieften Einblick in das Vorgehen der Stadtpolizei Schaffhausen vom 26. Februar zu.

Dass es sich bei den vier Männern um Polizisten handelt, ist für die anwesenden Gäste zunächst nicht ersichtlich. «Plötzlich stürmten vier Vermummte herein. Sie sahen aus wie Linksextremisten aus dem schwarzen Block», sagt der Anwalt Johannes Hahnloser, der sich im Hotel mit einem Klienten treffen wollte. «Zunächst dachte ich, es sei ein Raubüberfall oder eine Abrechnung im Drogenmilieu.»

Anwalt in Handschellen

Die Männer stürzten sich direkt auf einen Mann am Spielautomaten, setzten ihm eine Schlafbrille auf und legten ihn in Handschellen – obwohl er keine Gegenwehr zeigte. «Für mich ist das übertriebene Polizeigewalt», sagt Hahnloser. Nachdem er die Polizisten mehrmals nach einem Ausweis gefragt hatte, habe ein Beamter auch ihn in Handschellen gelegt.

«Der ist völlig durchgedreht, hat mir gedroht und gesagt, ich würde Widerstand leisten – obwohl ich einfach nur ruhig dastand.» Das Vorgehen war für Hahnloser dermassen «frech und unprofessionell», dass er sich rechtliche Schritte vorbehält.

Anzeige nach Spuck-Vorfall

Auch andere Anwesende echauffieren sich. «Es ist völlig absurd, dass man für so einen Einsatz die halbe Strasse sperrt, die Koffer der Gäste aufbricht und schliesslich nur einen mutmasslichen Drogendealer festnimmt», sagt ein Hotelgast, der anonym bleiben will.

Im Zusammenhang mit der Razzia ist bei der Polizei bereits eine Anzeige eingegangen. So habe ein Zivilpolizist im Nachgang zur Hausdurchsuchung im Hotel an die Wand gespuckt, sagt der Eigentümer des Hotels ZAK, der die Anzeige eingereicht hat. «Das finde ich einfach respektlos.»

Straftatbestand sei nicht erfüllt, sagt Polizei

In einer Mitteilung bestätigt die Polizei den Einsatz, bei dem ein mutmasslicher Drogenhändler im Alter von 49 Jahren festgenommen wurde. Zudem seien Betäubungsmittel und mehrere tausend Franken Bargeld sichergestellt worden. Über die eingegangene Anzeige sei man informiert, sagt ein Sprecher: «Die Schaffhauser Polizei hat Kenntnis von den drei Videoaufnahmen und einer damit im Zusammenhang stehenden Anzeige gegen einen Polizisten der Schaffhauser Polizei.»

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen habe betreffend dieser Anzeige am 1. März 2019 jedoch eine Nichtanhandnahmeverfügung erlassen, weil kein Straftatbestand erfüllt sei, sagt der Polizeisprecher. Die Nichtanhandnahmeverfügung sei noch nicht rechtskräftig. «Darüberhinausgehende Angaben, insbesondere zum Verfahren gegen den mutmasslichen Drogendealer, werden keine gemacht.»

(dk)