Leasing-Boom

18. Oktober 2019 11:15; Akt: 18.10.2019 11:35 Print

Polizei nimmt Raser mit geleasten Autos ins Visier

Statt ein eigenes Auto zu kaufen, entscheiden sich viele Personen für die Leasing-Option. Laut der Aargauer Polizei passieren Raser-Exzesse häufig mit geleasten Autos.

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560 PS, 305 Kilometer pro Stunde schnell und 171’000 Franken teuer: Mit einem BMW M6 fuhr letztes Wochenende ein Neulenker (23) in Rupperswil AG gegen die Wand eines Fabrikgebäudes. Für billiges Geld ein Luxusgefährt leasen – immer mehr Schweizer tun es ihm gleich. Letztes Jahr schlossen über 150’000 Privatpersonen neu einen Leasing-Vertrag ab (siehe Box). Doch der Leasing-Boom löst nicht bei allen Freude aus.

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So erkennt etwa Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau bei vielen Unfällen und groben Verkehrsdelikten ein Muster: «Es sind junge Männer, die ein hochmotorisiertes Auto der Luxusklasse fahren, das sie sich ohne Leasing nie leisten könnten.»

Protzerei und Beschleunigungsxzesse

Wie es sein kann, dass etwa ein 19-jähriger Neulenker einen 600-PS starken Sportwagen leasen und fahren kann, sei dahingestellt. «Bei jungen Männer mit geleasten Boliden, die oft eine entsprechende Fahrweise an den Tag legen, führt das oft zu grobfahrlässig verursachten Unfällen.» Protzerei, Beschleunigungsexzesse und das Verursachen von unnötigem Lärm gehöre oft auch zu diesem Verhaltensmuster. Die Polizei würde ihren Fokus daher verstärkt auf solche Lenker mit geleasten Autos richten, sagt Graser.

Immer wieder komme es auch vor, dass Sicherheitsassistenzsysteme bewusst ausgeschaltet werden. «Kombiniert mit der limitierten Fahrpraxis des Neulenkers kann das zu Unfällen führen, die fatal ausgehen können», sagt Graser.

Attraktiv dank niedrigem Zins

Trotzdem bleibt die Nachfrage nach Leasingkrediten weiterhin hoch, sagt Dirk Fuchs von Sixt Leasing. «Detaillierte Zahlen veröffentlichen wir nicht, die Zuwachsrate liegt aber etwa bei rund 15 Prozent.» Das niedrige Zinsniveau helfe, das Leasing noch attraktiver zu gestalten. Die Zuwachsraten beim Privatleasing seien auf eine veränderte Geisteshaltung zurückzuführen sei. Fuchs: «Es wird zunehmend erkannt, dass die Nutzung eines Automobils für den alltäglichen Gebrauch zwangsläufig nicht den Besitz des Fahrzeuges voraussetzt.»

Die Eignung, ob ein Fahrzeug gelenkt werden darf, wird im Rahmen eines Leasingvertrages nicht geprüft, sagt Dirk Fuchs von Sixt Leasing. «Ob eine Leasingfirma aufgrund von negativen Erfahrungen mit einem Kunden kein Folgegeschäft abschliesst, ist selbstverständlich jeder Leasingfirma selbst überlassen.»

Auch bei Amag steigt die Nachfrage nach geleasten Autos, wie Sprecher Dino Graf bestätigt: «Im vergangenen Jahr hat die AMAG Leasing 54'013 neue Leasingverträge abgeschlossen. Das ist ein Plus von 10,6%.» Rasen sei aber keine Finanzierungs- sondern eine Charakterfrage, sagt Graf. «Das Gros der Automobilisten –– und Leasingnehmer – fährt korrekt.»

Höhere Prämien

Bei den Versicherungen bestätigt man indessen einen Zusammenhang zwischen Leasing und Schadenshäufigkeit: «Unsere Erfahrung zeigt, dass Autoversicherungsverträge mit Leasing eine höhere Schadenbelastung aufweisen», sagt Leilah Ruppen von der Mobiliar. Deshalb sei die Prämie entsprechend dem erhöhten Risiko angepasst. Ruppen: «Wer bei der Mobiliar ein geleastes Auto versichert hat, zahlt zwischen 5 bis 10 Prozent mehr Prämien.»

Auch die Axa-Versicherung stelle fest, dass der Schadenaufwand bei geleasten Fahrzeugen höher ist als bei anderen, so Sprecherin Anna Ehrensperger. «Ein Grund dafür ist aber, dass bei geleasten Autos häufiger auch kleinere Schäden gemeldet werden.»

Ist es in den letzten Jahren einfacher geworden, ein Auto zu leasen? «Nein, zumindest aus rechtlicher Sicht ist dies nicht der Fall», sagt Luca Stäuble vom Schweizerischen Leasingverband (SLV), der rund 80 Prozent der Branche vertritt. Nebst der Überprüfung der Kreditfähigkeit des Kunden durch die Leasinggesellschaft bedürfe es bei Vertragabschluss eine eigenhändige Unterzeichnung des Kunden. «Letzteres bildet eine Hürde, welche neuartige digitale Geschäftsmodelle im Bereich des Konsumentenleasings einschränkt.»


Unfälle mit geleasten und entlehnten Autos

19. Juni 2019, Dornach SO: Mann (23) fährt auf einer Leasing-Probefahrt mit einem McLaren einen Rennvelofahrer (38) um.
30. Juni 2019, Bivio GR:Die Polizei hielt bei einer Geschwindigkeitskontrolle vier einander folgende Autos an, die massiv zu schnell unterwegs waren. Die gemieteten Porsches wurden sichergestellt.
6. Juli 2019, Suhr AG: Zwei Männer (20, 22) in einem Raserduell. Der 20-jährige Mann war unterwegs mit dem Audi S3 (210 PS) seines Bruders, der 22-Jährige leaste seinen BMW M3 (450 PS).
1. Oktober 2019, Lenzburg AG: Mann (39) macht mit seinem geleasten Tesla Model 3 eine Spritztour – und crashte mit 2 Promille im Blut. Seine Tochter war auf dem Beifahrersitz.
5. Oktober, Dietikon ZH: Ein junger Kosovare (20) gerät mit seinem ausgeliehenen BMW M5 (600 PS) auf die Gegenfahrbahn. Eine Mutter (42) und ihre Tochter (4) werden lebensgefährlich verletzt.

9. Oktober, Effretikon ZH: Ein 19-jähriger Junglenker verliert die Kontrolle über seinen BMW und kracht in einen entgegenkommenden Transporter.
13. Oktober 2019, Rupperswil AG: Neulenker (23) setzt einen BMW M6, den er von seinem Vater ausgeliehen hat, gegen eine Wand. Sachschaden: 100’000 Franken.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andi Schlatter am 18.10.2019 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    Ging aber lange, bis das erkannt wurde. Es sind aber meistens nicht die Jungen, die diese Verträge abschließen sondern der Vater. Das Bildungsniveau ist auch bei diesem Eltern nicht wirklich hoch, was man in dieser Handlung sieht. Ich habe ebenfalls einen solchen bei mir im Team, ist 19 Jahre alt und fährt eine Mercedes AMG von über 150.000 Franken. Alles läuft auf den Vater, er bezahlt nur was er reinsteckt, und dafür möchte er bald monatlich eine Lohnvorschuss. Aber es widerspiegelt genau diese Spezies.

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  • Roger1 am 18.10.2019 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    PS begrenzen

    Warum nicht eine PS-Limite einführen, während der Zeit, welcher der Ausweis auf Probe ausgestellt ist. Bei schweren Motorrädern muss ja auch eine separate Fahrprüfung abgelegt werden.

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  • oemu am 18.10.2019 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Logik

    Irgend etwas stimmt nicht: ein normaler Bürger kann sich also ohne weiteres ein Auto für 200'000 CHF leasen. Wenn aber die gleiche Person bei der Bank für einen Kredit für Wohneigentum anklooft, werden ihm unzählige Steine in den Weg gelegt. Obwohl man weiss, dass das Auto mit den Jahren massiv an Wert verliert, während eine Liegenschaft den Wert erhält.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Masimann am 19.10.2019 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    schade wie alle in einen Topf geworfen werden. Habe mir einen schönen Audi (geschmacksache) gekauft. Er hatt viel Ps und ist laut. Aber ich fahre anständig und nur ausserorts öffne ich die Klappen. Egal was für eine Lösung kommen wird, für 5% der Leute ist sie sinnvoll, die anderen 95% werden unnötig bestraft.

  • MasterMind am 19.10.2019 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Think Pink

    Alle geleasten Autos mit mehr als 200 PS müssten eine Pinkfarbene Nummer haben. Das schliesst die entsprechenden Klienten automatisch aus.

  • MasterMind am 19.10.2019 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übers Portemonnaie

    Keine PS Begrenzung. Die Versicherung auf Fr. 5000.- pro Monat erhöhen und Ruhe ist.

  • De - Jan am 19.10.2019 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur bis 23:00 Uhr

    In vielen Europäischen Länder gilt für Neulenker ab 23:00 Uhr nur mit Begleitung einer Person die den Führerausweis seit 5 Jahren hat und Mindestalter der Begleitperson muss 25 sein. Damit ist das Problem nicht gelöst aber die Unfallrate vorübergehend reduziert, bis der Staat eine bessere Lösung findet.

  • klaus kleber am 19.10.2019 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    was für eine welt

    je mehr ps, umso weniger intellekt.