Ansturm auf Beratungen

31. März 2014 07:14; Akt: 31.03.2014 09:16 Print

Pornosucht wird zum Problem für Junge

Junge Erwachsene suchen öfter wegen ihres Pornokonsums einen Therapeuten auf. Experten sehen Schulen und Eltern in der Pflicht.

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Pornosüchtig: «Sex mit einer Partnerin scheint plötzlich kompliziert zu sein», sagt Sexologin Marie-Hélène Stauffacher.

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Schweizer Sexualtherapeuten schlagen Alarm: Die Zahl der jungen Erwachsenen, die pornosüchtig sind, steige rasch an. Dania Schiftan vom Zentrum für interdisziplinäre Sexologie und Medizin in Zürich sagt auf Anfrage, sie berate vermehrt junge Leute, für die der Pornokonsum zum Problem geworden sei. «Viele von ihnen fragen sich: Ist es noch normal, wie viele Pornos ich schaue?» Bei manchen gehe es auch am Arbeitsplatz und unterwegs nicht mehr ohne Pornos.

Auch die Westschweizer Sexologin Marie-Hélène Stauffacher stellt fest, dass sich immer mehr unter 25-Jährige deswegen bei ihr behandeln lassen. «Gerade junge Männer sehen in Pornos einen direkten Weg zur Befriedigung», sagt sie in der Zeitung «Le Matin». Die Folge: «Sex mit einer Partnerin scheint plötzlich kompliziert zu sein.» Die Jungs befürchteten, zu wenig Ausdauer zu haben und die Mädchen, den Vorstellungen ihrer Partner nicht gerecht zu werden.

Laut Cornelia Bessler, Chefärztin der Kinder- und Jugendforensik in Zürich, birgt übermässiger Pornokonsum denn auch Gefahren für Teenager. Während der Pubertät seien Jugendliche sehr neugierig, was Sexualität angeht. Doch mit den Bildern, auf die sie während ihrer Suche im Internet stiessen, seien viele überfordert: «So kommt es zu Fehlannahmen, was einer Frau gefällt und was nicht.» Zudem seien diese Jugendlichen dann nicht mehr empfänglich für zarte Flirts, es müsse immer gleich zum Geschlechtsverkehr kommen. Diese Jugendlichen bräuchten Aufklärung – «in jeder Hinsicht.»

«Das ist wie mit dem Essen vor dem TV»

Laut Schiftan müssen die Betroffenen lernen, die Filme wieder bewusster zu schauen: Sie rate den Klienten etwa, die Filme im Stehen zu konsumieren. «So können sie sich besser auf die Selbstbefriedigung konzentrieren. Sonst ist das wie mit dem Essen vor dem Fernseher: Man macht es einfach, ohne es richtig zu bemerken.»

Was die Aufklärung betrifft, sieht Schiftan sowohl die Schulen als auch die Eltern in der Pflicht: «Neue technologische Möglichkeiten schüren immer auch Ängste. Umso wichtiger ist es, dass ein Rahmen geschaffen wird, in dem die Jugendlichen lernen, mit pornografischen Inhalten umzugehen.»

«Unnötige Ängste» wegen mangelnder Aufklärung

Dass die Aufklärung der Jungen heute mangelhaft ist, stellt Schiftan regelmässig fest: «Längst nicht alle Jugendlichen, die bei mir landen, sind pornosüchtig – viele haben einfach nur offene Fragen.» Dass diese trotzdem den Gang zur Beraterin wählen, erstaunt Bruno Wermuth, Paar- und Sexualberater und «Doktor Sex» bei 20 Minuten, nicht: «Da oft weder Lehrer noch Eltern in der Lage sind, offen mit den Jugendlichen über Pornos zu reden, bleibt diesen nichts anderes übrig, als sich anderswo Antworten zu holen.» Da die meisten erwachsenen Männer ihren Pornokonsum verheimlichten, lernten die Jugendlichen nirgends, zwischen einem angemessenen Konsum und süchtigem Verhalten zu unterscheiden: Viele glaubten, ein regelmässiger Konsum von Pornos sei gleichbedeutend mit einer Sucht. «Dies ist fatal und führt zu unnötigen Ängsten bei den jungen Menschen.»

Wermuth begrüsst es deshalb, dass sich die Jugendlichen zunehmend an Fachpersonen wenden und ihre Ängste nicht nur in ihrem sozialen Umfeld diskutieren, «in dem nur Halbwissen vorhanden ist.» Ein Blick auf die bestehenden Informationsangebote zeigt denn auch: Die Nachfrage ist gross. Bei der Notrufnummer 147 von Pro Juventute melden sich jede Woche durchschnittlich zwei Jugendliche spezifisch zum Thema Pornos. Und bei der Zürcher Fachstelle für Sexualpädagogik «Lust und Frust» heisst es: «Bei unseren Klassenbesuchen tauchen regelmässig Fragen dazu auf.»

Sind Sie pornosüchtig oder haben Sie Fragen zu Ihrem Pornokonsum? Dann schreiben Sie unserem «Doktor Sex», Bruno Wermuth: feedback@20minuten.ch

(jbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul Meister am 31.03.2014 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ich denke

    nicht dass sich im Verhalten was verändert hat, sondern darin, was die Gesellschaft plötzlich als krank und therapiewürdig betrachtet.

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  • solala am 31.03.2014 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Warum die Schulen?

    Warum die Schulen in die Pflicht nehmen? Ist es die Pornosucht oder der Leistungsdruck, aufgebaut durch die Porno's, der die jungen Männer in die Therapie treibt?

  • Skeptiker am 31.03.2014 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheitssystem Abzocke

    Das Einzige was hier krank ist, ist das Verhalten des Gesundheitswesens so ziemlich alles als Sucht zu bezeichnen, damit alle grossen Konzerne und Therapeuten bezahlt werden können

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nebensache am 31.03.2014 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht übertreiben

    Für die Erhaltung der Menschheit reicht es, wenn im Durchschnitt jeder im Leben zweimal erfolgreich Sex hat. Die restlichen tausendmal sind freiwillig. Ob zu zweit, zu mehreren, allein, mit Frau oder Mann, mit oder ohne Anleitung usw. ist da nicht so wichtig. Solange es Spass macht und niemandem schadet, braucht auch niemand eine Therapie.

  • Felix am 31.03.2014 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Suchterzeugender als Heroin

    Man darf diese Sucht nicht verharmlosend mit "playboy-magazinen" vergleichen. Dass man durch high-speed internet jederzeit im Sekundentakt neue Frauen/Szenen/Praktiken herbeiklicken kann, ist ein völlig neues Phänomen und überfordert unser Steinzeitmenschen-gehirn. Viele psychologische Probleme heutzutage sind nur Symptome dieser ständigen Überstimulierung des Belohnungszentrums. Informiert euch doch mal unabhängig! Es existiert schon eine ganze Generation junger Männer die impotent sind, da sie nur noch auf extreme hardcore pornographie reagieren...

  • Ein Wissenschafter am 31.03.2014 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Pornosucht ist eine Geschäftsidee

    Pornosucht ist eine Erfindung von Therapeuten und amerikanischen Freikirchen. Wissenschaftlich anerkannt existiert diese Sucht nicht. Doch die Behauptung generiert scheinbare Opfer, Behandlungen und damit klingende Kassen.

    • Donald am 31.03.2014 20:49 Report Diesen Beitrag melden

      Definition von Sucht

      Sucht ist für mich, wenn ich ohne etwas Bestimmtes nicht mehr leben kann. Wenn jemand stundenlang vor dem PC sitzt und Pornos konsumiert und alles andere vernachlässigt, ist er süchtig. Wenn er es schafft, 2 Monate keine Pornos zu schauen ohne sie zu vermissen, ist gut.

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  • Angel am 31.03.2014 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Ist schon schade das die heutige Gesellschaft, Pornos braucht. Ohne Pornos würde es weniger probleme geben auch in Beziehungen. Und die Frauen hätten wenigstens wieder ein bischen würde!

    • porno gucker am 31.03.2014 19:06 Report Diesen Beitrag melden

      ahaaa...

      du guckst also niiie Pornos was!!!!

    • Nick am 31.03.2014 19:33 Report Diesen Beitrag melden

      Ja...

      ich jedenfalls schon - so süchtig war ich nie, dass ich nicht damit hätte aufhören können :-)

    • Donald am 31.03.2014 20:51 Report Diesen Beitrag melden

      @porno gucker

      Ja, es gibt Leute, die keine Pornos gucken! Es ist eine Unterstellung, anzunehmen, alle tun das.

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  • Adi Z. am 31.03.2014 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu?

    «Zudem seien diese Jugendlichen dann nicht mehr empfänglich für zarte Flirts, es müsse immer gleich zum Geschlechtsverkehr kommen» - Wozu sollte es denn sonst kommen?

    • hans lo. am 31.03.2014 16:55 Report Diesen Beitrag melden

      ja für was den sonst

      ja versteh ich auch nicht wirklich.. flirts macht man doch genau deswegen weil man jemanden ins Bett kriegen will.. warum sollte ich sonst mit jemanden flirten?

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