Taxi-Lieferservice

12. Oktober 2016 10:59; Akt: 12.10.2016 13:46 Print

Post-Päckli kommen bald auch Sonntags

Der frische Zopf, die Kaffee-Kapseln oder das in letzter Minute bestellte Geburtstagsgeschenk kann bald auch am Sonntagmorgen im Briefkasten liegen.

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Nach erfolgreichem Pilotprojekt: Post-Pakete werden auf Wunsch der Kunden Sonntags künftig von Taxi-Fahrern ausgeliefert. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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Der Taxifahrer als Pöstler – Dieser neue Service der Schweizer Post könnte bald ein neuer Markt für Taxifahrer werden. Wie gross die Nachfrage sein wird, ist aber noch unklar.

Letzten Oktober hat die Post ein Pilotprojekt mit Zustellungen am Sonntag gestartet und zieht nun eine durchwegs positive Bilanz. Sie hat sich deshalb vor zwei Wochen entschieden, die Sonntagsauslieferung in ihr Angebot aufzunehmen, wie Post-Sprecher Oliver Flüeler auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda erklärte.

«Mit diesem Angebot können sich Online-Anbieter von der Konkurrenz abheben», sagte Flüeler. Das Angebot sei heute zwar noch ein Nischengeschäft. Er ist aber überzeugt, dass es sich in den nächsten Jahren etablieren wird. «Der Kunde möchte nicht nur 24 Stunden bestellen, sondern die Ware auch rund um die Uhr erhalten», erklärte Flüeler.

Taxifahrer werden zu Pöstlern

Gesetzlich ist es der Post heute nicht erlaubt, am Sonntag Pakete auszuliefern. Aus diesem Grund ist der gelbe Riese eine Kooperation mit Taxiunternehmen eingegangen. «Diese können dadurch ihre Standzeiten am Sonntagmorgen optimieren», sagte Flüeler. Am Pilotversuch teilgenommen haben der Onlineshop «Coop at home» in den Städten Zürich und Basel und Nespresso in Genf und Lausanne.

Konkret können Bestellungen im Fall von «Coop at home» bis am Samstag um 13.30 Uhr getätigt werden. Coop liefert die Produkte dann bis am Samstagabend der Post aus. Diese übergibt die Pakete am Sonntagmorgen den Taxifahrern, die sie schliesslich an die Konsumenten ausliefern.

Die Post gibt nicht an, wie viel sie den Grosskunden für den Sonntagsversand verrechnet. Für Konsumenten zahlt sich die Bestellung bei «Coop at home» aber vorerst aus. Der Lebensmittelkonzern verlangt während des Pilotprojekts keine zusätzlichen Kosten für eine Lieferung am Sonntag.

Gemäss Flüeler gab es positive Resonanz auf das neue Angebot der Post. «Wir sind im Gespräch mit verschiedenen Kunden», sagte er. Welche Unternehmen Interesse gezeigt haben, will er aber nicht verraten. Falls sich Unternehmen aus weiteren Städten melden würden, werde die Post die Versandvoraussetzungen dafür prüfen.

Coop verlängert Pilotphase

Ob Coop das Angebot weiterführt, wird erst nach Beendigung der Pilotphase entschieden, wie Mediensprecherin Andrea Bergmann auf Anfrage erklärte. Coop habe durchaus «ein Bedürfnis bei den Kundinnen und Kunden» festgestellt. Deshalb verlängert Coop die Pilotphase bis auf weiteres. Für eine abschliessende Beurteilung, sei es noch zu früh.

Kein Interesse zeigt dagegen die Migros-Tochter LeShop an einer Sonntagsauslieferung. «Der typische LeShop.ch-Kunde, die berufstätige 'Digital Mom', nutzt die Heimlieferung für den grossen Wocheneinkauf Anfang oder Ende Woche, so dass das Wochenende für Familie und Freizeit bleibt», sagte Firmenchef Dominique Locher der sda. Für Spontaneinkäufe sei die Heimlieferung nicht der ideale Kanal. Dafür gebe es in der Schweiz Migrolino-Standorte.

Auch der Online-Modehändler Zalando hat «keine konkreten Pläne» für eine Sonntagszustellung, wie die Mediensprecherin Saskia Leisewitz auf Anfrage der sda sagte. Der Onlinemarktplatz Siroop von Swisscom und Coop sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf. «Entscheidend wird sein, dass die Pakete zu einem Zeitpunkt geliefert werden, den der Kunde selber wählen kann», gibt Tim Hegglin von Siroop zu bedenken.

Kunden sollen Päckli lenken

Zum gleichen Ergebnis kommen Studien der Post. «Kunden wollen vor allem wissen, wann geliefert wird», bestätigte Flüeler. Die Post will daher jedes Paket mit einer SMS ankündigen. Künftig soll der Kunde zudem die Möglichkeit haben, ein Päckli selber umzuleiten.

«Der Kunde soll das Paket steuern können und die Wahlmöglichkeit haben, wo es empfangen wird», so Flüeler. Dieses Ziel will die Post mit einem Projekt umsetzen, das noch dieses oder spätestens nächstes Jahr realisiert werden soll. Am Ende liegt die Lieferentscheidung wohl in den Händen der Konsumenten.

Pilotprojekte am Fliessband

Es ist nicht das einzige Pilotprojekt der Post. Im August gab sie bekannt, in drei Gemeinden in der Region Bern selbstfahrende Roboter zur Auslieferung bestimmter Waren zu testen. Vor einem Jahr wurde der Einsatz von Drohnen geprobt und derzeit arbeitet PostLogistics an konkreten Geschäftsanwendungen.

Aktuell am Laufen ist auch das Pilotprojekt der Online-Plattform Kaloka, bei dem eine Lieferung am gleichen Tag sowie eine SMS-Shopping-Hilfe angeboten werden.

(jdr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steff am 12.10.2016 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Soweit wird es nie hoffentlich kommen!

    wenn meine Post an irgendwelche Taxifahrer anvertraut würde! Bei DEN Taxifahrern in Zürich? Niemals! Eine totale Schnappsidee.

  • Chnobli Brot am 12.10.2016 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    40.-- für einen Zopf

    Wie soll das mit den teuren Stadt-Taxi funktionieren.

  • Sandra am 12.10.2016 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nur falsche Entscheide bei der POST

    Wir wollen keine Postzustellung am Sonntag. Früher in den guten Jahren wurde man noch zweimal von der Post bedient, das war sehr gut. Aber am Sonntag --- nein danke.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • President Camacho am 13.10.2016 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witz des Tages

    Musste gerade lauthals lachen wegen dem Taxischild auf dem Dach. Da steht geschrieben: "Quality is our passion". Ja klar liebe Taxis und ich bin ein Ginie und erfülle den Menschen drei Wünsche...

  • 2485 am 13.10.2016 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Das muss nun wirklich nicht sein. Sonntag sollte ein freier Tag bleiben auch für die Post. Ich kann auch einen Tag länger warten .

  • Stefi am 13.10.2016 00:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Post

    Am Sonntag bin ich meistens nicht zu Hause.Das brauch ich nicht.

    • Arbeiter am 13.10.2016 01:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefi

      Das ist nicht gut, am Sonntag sollte man zuhause sein, darum ist man schliesslich von der Arbeit befreit.

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  • Tömu am 12.10.2016 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    vertuschte Subvention

    Wenn ich unbedingt etwas für den Sonntag brauche, gehe ich am Samstag in den Laden und besorge es mir dort bis 16.00 Uhr oder sogar bis 20.00 Uhr (anstatt am Samstag bis 13.30 Uhr bestellen und warten bis Sonntag, wie doof ist das denn?). Wenn ich erst am Sonntag merke, dass mir etwas fehlt, nützt mir der neue 'Service' auch nicht weiter. Das ganze ist doch blosse Subventionierung der Post für die ach so geplagten Taxifahrer..

  • Peter Lustig am 12.10.2016 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Stand 15h30

    Kurzzusammenfassung gegen 15h30, der Grossteil der arbeitenden Bevölkerung ist im Büro (oder schreibt während den Bürozeiten wie ich). Die meisten Kommentatoren wollen Sonntags keine Pakete erhalten (wahrscheinlich weil sie nicht 100% berufstätig sind, siehe Uhrzeit). Zweitens haben die meisten Kommentatoren den Artikel nicht verstanden. Es geht nicht um Sonntagsarbeit ja/nein, es geht um Taxifahrer, die sowieso am Sonntag arbeiten und anstatt auf Kunden zu warten, Pakete ausliefern (und nebenbei verdienen). Ist das so schwer ?!?

    • Hildi am 12.10.2016 15:46 Report Diesen Beitrag melden

      Und ich will am Sonntag meine Ruhe

      Und brauche nicht noch mehr Verkehr um mich herum. Auch wenns schön ist für die Taxifahrer, wer bezahlt das? Kriegt der Empfänger eine saftige Rechnung oder zahlen wir alle mit dem Porto? Warum schliesst die Post einerseits Filialen und brütet andererseits dauernd an zusätzlichen Leistungen, die wohl fast niemand braucht? Mit jeder zusätzlichen "Effizienz" machen wir unser Leben schneller und komplizierter, schüren die Erwartung, dass jedes und alles immer und jederzeit sofort verfügbar sein muss! Ich finde das Quatsch, schaut zu dass die Filialen bleiben und wir holen unsere Pckete selber.

    • Peter Lustig am 12.10.2016 20:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Hildi

      Wenn ich ihr Kommentar lese, wird mir ehrlich gesagt schlecht. Das nennt man Fortschritt. Und ohne den, egal in welchem Gebiet, geht es Bach ab. Keine Angst, für diesen Extra Service wird man wohl zahlen müssen. Wer faul ist, zahlt nun mal einen Extrapreis! Nebenbei, man zahlt mit dem Porto für die Dienstleistung, dass das Paket zu Hause (oder wo man will)zugestellt wird und verrichtet dann doch einen Teil der Arbeit selbst (in dem Fall Paket abholen). Darüber beschwert sich aber niemand

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