21. April 2005 11:33; Akt: 21.04.2005 11:33 Print

Post im Dorfladen: Pilotversuch läuft

Die Schweizerische Post hat im aargauischen Remetschwil den ersten Pilotversuch mit einem neuen Agenturmodell gestartet.

Fehler gesehen?

Das Agenturmodell ist einer von vier Pilottypen im Projekt Ymago. Über die künftige Entwicklung des Poststellennetzes soll frühestens 2006 entschieden werden.

Die Spitze der Post hat am Donnerstag zusammen mit den örtlichen Behörden die Agentur im Volg-Dorfladen von Remetschwil vorgestellt. Nach dem Prinzip «Post im Dorfladen» soll dort eine Produktpalette getestet werden, die möglichst einfach und für den Kunden praktisch ist. Ziel ist es herauszufinden, wie die Kundschaft auf die Agentur und das Sortiment reagiert. Angestrebt werden attraktive Öffnungszeiten. Ausserdem sind einfachere Annahme- und Verarbeitungsprozesse ein Thema wie zum Beispiel der bargeldlose Zahlungsverkehr ausschliesslich mit Postcard. Bereits sind weitere Agentur-Testorte bestimmt. Es handelt sich um Oberbalm (BE), Wagen (SG), Bellinzona Carasso (TI) und Dinhard (ZH).

Für Post-Chef Ulrich Gygi gewinnen mit den Agenturen alle: Die Kundschaft profitiere von längeren Öffnungszeiten, der Agenturpartner vom Mehrumsatz durch Postkunden, die Gemeinde bleibe dank guter Infrastruktur attraktiv und die Post erhalte eine wirtschaftliche Möglichkeit, vor Ort präsent zu bleiben. Gygi wies darauf hin, dass das Verkehrsvolumen in den Poststellen seit Jahren rückläufig ist. In der Schweiz gebe es heute über 500 Poststellen, die täglich weniger als vier Stunden geöffnet hätten. Mit dem Projekt Ymago soll deshalb geprüft werden, wie das Poststellennetz kundenfreundlicher und betriebswirtschaftlicher geführt werden kann. Die Schweizerische Post werde aber auch in Zukunft 2.500 Poststellen, Agenturen und mobile Poststellen betreiben, sicherte Gygi zu. Ende 2004 zählte das Poststellennetz 2.585 Zugangspunkte. Die ungedeckten Kosten im Poststellennetz hätten in den letzten Jahren von über 500 auf 374 Millionen Franken gesenkt werden können. Eigenwirtschaftlich sei das Netz aber noch lange nicht. Er glaube auch nicht, dass im Netz je einmal eine schwarze Null geschrieben werden könne, sagte Gygi.

Laut dem Projektleiter Ymago, Peter Kohler, befindet sich das Projekt auf Kurs. Anfang April sei der erste Pilotversuch mit einer Postunternehmerin gestartet worden. Die erste Postunternehmerin der Schweiz ist Ingrid Schmid Birri aus der Oberwalliser Gemeinde Ernen. Mit den Pilotversuchen für Lead- und Zweig-Poststellen hat die Post bereits im Februar angefangen. Voraussichtlich im Herbst werden die Pilotversuche mit Brief- und Paket- sowie Zahlungsautomaten durchgeführt. Automaten sollen nur in hoch frequentierten Poststellen zum Einsatz kommen.

Die Tests im Rahmen des Projektes Ymago laufen dieses Jahr an rund 40 Standorten. Über die zukünftige Entwicklung des Poststellennetzes wird sich die Post frühestens 2006 nach Auswertung der Pilotversuche äussern.

(ap)