Adressänderung sperren

29. Juli 2012 15:36; Akt: 31.07.2012 11:25 Print

Post soll nicht an Datenschutz verdienen

von Lukas Mäder - Wer umzieht, beschert der Post ein gutes Geschäft. Wer nicht will, dass seine neue Adresse weitergegeben wird, muss zahlen. Das will der Datenschützer ändern.

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Die Post verdient Geld mit den Adressänderungen - und mit der Sperrung der Adressdaten: Der Datenschützer will das Recht auf die eigenen Daten kostenlos machen. (Bild: Keystone)

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Die Weitergabe von Adressdaten auf verschlungenen Wegen sorgt für rote Köpfe. Der Eidgenössische Datenschützer hat bei der Wirtschaftsauskunft Moneyhouse.ch interveniert, weil dort teilweise gesperrte Privatadressen einsehbar waren. Inzwischen ist die Personensuche deaktiviert. Doch in diesem Zusammenhang ist inzwischen auch die Post in ein schiefes Licht geraten, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. Denn diese gibt bei einem Umzug die Adressänderungen an Geschäftskunden weiter, darunter auch Adresshändler, die bereits im Besitz der alten Adressen sind. Wie Post-Sprecher Mariano Masserini sagt, dürfen ihre Kunden die Adressen laut Geschäftsbedingungen nicht weiterverkaufen. Dank eines juristischen Kniffs geschieht dies jedoch trotzdem, schreibt der «Tages-Anzeiger».

Welche Rolle die Post beim grossen Geschäft mit personenbezogenen Daten spielt, sei nicht klar, sagt Janine Jakob vom Konsumentenschutz. Dies ist auch bei Moneyhouse.ch der Fall. Der Datenschutzbeauftragte klärt nun ab, woher die dortigen Adressdaten stammen, wie er auf Anfrage sagt. Dabei werde sich auch zeigen, ob die Post gegen Datenschutzbestimmungen verstossen hat. Der aktuelle Fall hat auch die Post aufgeschreckt. «Wir klären derzeit ab, was an den Vorwürfen im Zusammenhang mit Moneyhouse.ch dran ist», sagt Masserini. Er betont, dass die Post keine Adressen verkaufe, sondern nur beim Kunden bereits vorhandene aktualisiere.

Unklarer Verdienst

Für einen guten Verdienst reicht die Aktualisierung der Adressdaten bereits. Wie viel die Post mit dieser Dienstleistung für Geschäftskunden einnimmt, will sie nicht sagen. Das Jahresabo inklusive 50 Adressänderungen beläuft sich auf 150 Franken; jede weitere Adresse kostet gemäss Preisliste 1.30 Franken. Bei Grosskunden mit mehreren Zehntausend Adressen kommt schnell ein sechsstelliger Betrag zusammen. Ein gutes Geschäft, denn die Kosten der Post für Adressänderung und Weiterleitung sind mit den Gebühren der Umziehenden bereits gedeckt.

Wer seine Adressdaten vor einem Weiterverkauf schützen will, kann dies tun – bezahlt aber dafür: Seit Anfang April 30 Franken statt bisher 15 Franken. Zusammen mit der Gebühr für die Weiterleitung hat der Preisüberwacher die Erhöhung abgesegnet. Doch dass die Postkunden bei einer Adressänderung bezahlen müssen, damit die Post ihre Daten nicht weitergibt, kritisiert der Konsumentenschutz. Dies sei aus datenschutzrechtlicher Sicht stossend, sagt Jakob. «Derzeit muss man bezahlen, um das Recht an den eigenen Daten wahren zu können.»

Datenschützer will Änderung

Bereits im Visier ist diese Gebühr beim Datenschutzbeauftragen Hanspeter Thür. «Ich finde es nicht haltbar, dass bezahlen muss, wer nicht will, dass seine Adresse gehandelt wird», sagt er. Derzeit liege die Gebühr noch in der Kompetenz der Post. Doch er hat im Zusammenhang mit der Revision der Postverordnung, über die der Bundesrat nach den Sommerferien befindet, seine Vorbehalte gegen die aktuelle Regelung angemeldet. Die Post sieht den Zuschlag durch höhere Kosten gerechtfertigt, wie Sprecher Masserini sagt. Schicken die Geschäftskunden dank der Adressaktualisierung ihre Briefe direkt an die neue Adresse, fallen bei der Post Weiterleitungen weg, die Kosten verursachen. «Die Post kann so Geld sparen und die Qualität der Zustellung gewährleisten.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.W. am 30.07.2012 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Es war auch schon früher teuer

    "Seit Anfang April 30 Franken statt bisher 15 Franken". Hö? Das ist seit mindestens 5 Jahren schon der Fall.

  • Bextor am 29.07.2012 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selberschuld

    Selberschuld. Dank Umzug werde ich jedesmal 100% Snailmail Spam kostenlos los!

  • anna gruber am 30.07.2012 04:57 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit!

    Das hört sich nach Mafiamethoden an und dass noch in der Schweiz, der Datenschutz sollte selbstverständlich sein, wie das Kratzen wenn es irgendwo jukt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kritiker am 30.07.2012 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Demokratie wo?

    Der Volkswille zum Datenschutz wird hier im Forum wieder einmal unmissverständlich klar. Ich dachte wir leben in einer direkten Demokratie aber ich habe trotzdem das Gefühl hier regiert wieder mal nur das Geld !!!

  • P. Ost am 30.07.2012 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sonst noch was?

    Bringt doch eure Brife selbst zum empfänger und holt eure Pakete auch gleich noch ab! Und dann noch rumprollen wie lebensgefährlich es ist, wenn jemand eure Adresse kennt... Aber ständig online Bestellen und sich das Zeug nach Hause liefern... Oh ja und wohl mit einer nicht gesicherten IP-Adresse Beiträge in 20Minuten schreiben wie bedroht das eigene Leben ist! Schaut mal nach Syrien... Da macht sich wohl im Moment niemand Sorgen um die Post!

  • M.W. am 30.07.2012 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Es war auch schon früher teuer

    "Seit Anfang April 30 Franken statt bisher 15 Franken". Hö? Das ist seit mindestens 5 Jahren schon der Fall.

  • Marie am 30.07.2012 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Die machen noch ganz anderes

    Ich finde es eine Unverschämtheit, wie die mit den Daten von Kunden umgehen. Wir z.B. haben aus beruflichen Gründen eine Adress- + Telefonsperre + wenn diese Daten publik werden, könnte es für meine Familie lebensgefährlich werden. Und dann kommen die und verlangen Geld für die Geheimhaltung einer Adressänderung? Man wird sehen. - Gerade heute Montag Morgen früh habe ich den Datenschützer kontaktiert, weil die Post offenbar Zugriff auf mein Handykonto bei Orange hat. Ich habe es rein zufällig herausgefunden. Das geht nicht.

    • Marie am 30.07.2012 17:37 Report Diesen Beitrag melden

      Orange Abo

      Liebe Marie,die Post hat nicht einfach "wege luschtig" Zugriff auf dein Orange Abo, sondern sie arbeitet mit Orange zusammen und hat von Orange die Erlaubnis für Orange Abos zu verlängern oder zu eröffnen. Dementsprechend darfst du dich sehr gerne bei uns (Orange) melden wenn du etwas dazu äussern möchtest. Besten Dank

    • Isabella am 30.07.2012 18:28 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt!

      die Post hat aber auch Zugriff auf die Handykontos der Swisscom. Woher sonst sollten die wissen, wann mein Abo abläuft?

    • Rico M. am 31.07.2012 09:11 Report Diesen Beitrag melden

      Es war einmal die Post

      Was sich heutzutage die Post erlaubt geht über das normale; habe dies verschiedentlich erlebt. Früher gab ich zu Weihnachten immer etwas zu den guten Dienstleistungen der Postangestellten. Obwohl die heutigen Machenschaften nicht den Postangestellten zulasten ist gebe ich nichts mehr. In den oberen Rängen sollte man auch den Riegel ziehen bei den Löhnen.

    • Dr.Calculon am 31.07.2012 22:57 Report Diesen Beitrag melden

      Geheimhaltung& aber alles posten

      haha Marie , selten so gelacht! "haben Adress- + Telefonsperre + wenn diese Daten publik werden, könnte es für meine Familie lebensgefährlich werden". Ah ja sicher..darum schreibst Du ja auch Kommentare hier .. diese lesen und jeder weis was für Nationalitäten du hast wer dein Arbeitgeber ist und was dein Beruf ist. Damit findet man dich relativ einfach, gibt wohl nicht viele frauen bei all diese Punkte zutreffen.

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  • B. S. am 30.07.2012 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Die Post hat Narrenfreiheit

    Abgesehen von Abzockergebühren schafft es die Post doch tatsächlich, schweizer Kunden von schweizer Firmen fernzuhalten. Eine CH-Firma mit Sitz ebenda muss von den CH-Kunden mehr Geld für den Versand von ihren Waren verlangen, als von Kunden aus D! Da fallen einem echt die Augen raus. Ich fragte nach, wieso dem so sei und die Antwort war, dass sie keinerlei günstigere Konditionen von der CH-Post erhalten, vom Deutschen Paketservice jedoch schon. Sorry, trotz allem zahle ich keine 7.- Versand für 1 Tafel Schoggi, die zwar mega fein schmeckt, aber das ist mir zu viel.

    • S.K. am 31.07.2012 10:05 Report Diesen Beitrag melden

      hallo

      eine tafel schoggi zu versenden kostet in der schweiz 1.30 CHF.... ist nicht sehr viel um sie an das andere ende der schweiz zu schicken...

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