Tweet von Partei-Präsident

23. März 2019 10:16; Akt: 24.03.2019 08:44 Print

«Schweizerinnen schlitzen Kosovo-Albaner auf»

Nach der Tragödie in Basel zieht der Präsident der Zürcher Piratenpartei einen Vergleich zum Schlitzer-Inserat der SVP. Twitterer sind fassungslos.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit einem Messer fügte eine Seniorin in Basel einem siebenjährigen Kosovo-Albaner tödliche Stichverletzungen zu. Die Tragödie vom Donnerstag veranlasste David Herzog zu folgendem Tweet: «Seht ihr auch das SVP-Inserat vor Augen: Schweizerinnen schlitzen Kosovo-Albaner auf!» Mit dem Tweet löst der Zürcher Sektionsvertreter der Piratenpartei und Schulpfleger grosses Entsetzen aus.

Viele User werfen ihm Pietätlosigkeit vor. «Dieses Statement ist sowas von daneben und widerlich. Beschämend für einen Politiker und erst recht für einen Schulpfleger», antwortet eine Userin. Sie empfiehlt ihm, den Tweet schnellstens zu löschen. Jemand fragt, wie er sich fühlen würden, wenn die Tragödie an seiner Schule passiert wäre. Eine Grossmutter fordert Herzog auf, seinen «widerlichen Tweet» sofort zu löschen: «Es wurde ein Primarschulkind ermordet. Mein Enkelkind geht ins gleiche Schulhaus», fügt sie mit weinenden Emojis an.


Er sei ein Wiederholungstäter

Herzog bleibt gelassen. Er gebe zu, Wiederholungstäter zu sein, antwortet er den Usern. Im Mai 2016 provozierte er bereits mit einem Tweet zum Fall Rupperswil, bei dem ein Aargauer vier Menschenleben ausgelöscht hatte. «Schweizer schlitzen sich gegenseitig auf. Massensesshaftigkeit stoppen!», schrieb Herzog damals. Manchmal müsse man Stillosigkeit den Spiegel vorhalten, damit sie jeder erkenne, erklärte er.

Als User an sein Mitgefühl appellieren, schockiert der Schulpfleger die User erneut: «Ich kann das Bedürfnis verstehen. Weniger verstehen kann ich, dass bei ertrinkenden Menschen im Mittelmeer, die die Schweiz retten könnte, die Betroffenheit offensichtlich nicht so gross ist.» Eine Userin kritisiert darauf den «Wettbewerb, wer bei wessen Tod wie stark Betroffenheit zeigt» .

Er wünschte sich, einfach nur Betroffenheit mit dem Jungen und dem Umfeld zeigen zu können, schreibt Herzog. «Aber leider kann ich den gesellschaftlichen Diskurs nicht ausblenden.» Auf einen der entsetzten Tweets antwortet er: «Stell dir vor, ein Syrer hätte ein Schweizer Kind erstochen. Die SVP hätte den Wahlsieg im Herbst auf sicher gehabt.»

«Umkehrung der SVP-Rhetorik»

Wie aus seinem Blogeintrag hervorgeht, wählt Herzog solche Tweets bewusst als «Umkehrung der uns allseits bekannten SVP-Rhetorik». 2011 publizierte die SVP im Rahmen ihrer Kampagne für die Masseneinwanderungsinitiative das sogenannte Schlitzer-Inserat. Darauf stand: «Kosovaren schlitzen Schweizer auf.»

Anlass dafür gab der Partei ein Vorfall in Interlaken BE: Ein Kosovare griff dort 2011 einen Schweizer mit einem Messer an und verletzte ihn gefährlich. 2017 wurden die Verantwortlichen des Inserats wegen Verstosses gegen die Rassismusstrafnorm verurteilt.

(bz)