Digitale Revolution

20. Juni 2016 07:16; Akt: 20.06.2016 08:11 Print

Programmierende Schüler – nötig oder Unsinn?

von B. Zanni - Wirtschaftsvertreter wollen Kinder mit Programmieren in der Schule für den Arbeitsmarkt wappnen. Kritiker befürchten weitere schulische Defizite.

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Die digitale Revolution schreitet in grossen Schritten voran. Damit der Wirtschaftsstandort Schweiz nicht ins Hintertreffen gerät, wollen Wirtschaftsvertreter und Politiker bei den Jüngsten ansetzen. «Neben Lesen und Schreiben muss man in der Primarschule auch Programmieren unterrichten», sagte der ehemalige Nationalbank-Direktor Philipp Hildebrand am Swiss Economic Forum. FDP-Ständerat Ruedi Noser fordert in der «Schweiz am Sonntag» sogar: «Kein Schüler sollte in der Schweiz die Matura machen dürfen, wenn er nicht mindestens eine Programmiersprache beherrscht.»

Umfrage
Soll Schülern in der Schule das Programmieren vermittelt werden?
25 %
10 %
15 %
1 %
3 %
8 %
36 %
2 %
Insgesamt 2789 Teilnehmer

Politiker und Schulvertreter unterstützen die Stimmen. Er sei klar dafür, Programmieren schon auf Primarstufe zu lehren, das sei schliesslich die Zukunft, so SVP-Nationalrat Felix Müri. Auch
Parteikollege und IT-Unternehmer Franz Grüter macht sich für den Unterricht stark. Zurzeit weise die IT-Industrie grosse Mängel auf. «Damit die Schweiz den Zug nicht verpasst, müssen die Schüler unbedingt mit der Materie vertraut gemacht werden.» Allerdings würde er den Stoff erst in der Sek einführen. «Die Primarschüler müssen zuerst im Lesen, Schreiben und Rechnen sattelfest werden.»

Mit Klötzchen lernen

Die Kompetenz wurde bereits im Lehrplan 21 im Modul «Medien und Informatik» aufgenommen. Künftig gebe es praktisch keine Jobs mehr ohne grundlegende Kompetenzen in Informatik, sagt Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz. Es sei aber wichtig, dass Programmieren stufengerecht vermittelt werde. «Durch Klötzchen, Zeichnungen und Symbole kann man Kinder damit bereits in der Primarunterstufe spielerisch vertraut machen.»

Freisinnige und linke Bildungspolitiker halten das für unnötig. Dafür seien Spezialisten zuständig, sagt FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler. «Einen Roboter muss man bedienen können. Das Programm dafür schreibt ein Spezialist.» Den Schülern müssten deshalb anwendungsorientierte Kenntnisse vermittelt werden. Weiter sollten sie in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gefördert werden.

«Für einen Kreis stundenlang vor dem PC»

Auch SP-Nationalrat Matthias Aebischer ist skeptisch. Er befürworte zwar, dass Kinder mit der Materie in Berührung kämen. Zu Nosers Forderung meint er aber: «Das sind grosse Worte. Programmieren zu erlernen, ist nicht so einfach.» Als Mittelschüler habe er sich darin einst versucht. «Da hockt man stundenlang vor dem Computer, um nur einen Kreis zu zeichnen.» Die Kompetenz richtig zu erlernen, übersteige den Schulstoff. «Ein neues Fach geht immer zu Lasten eines anderen.» Es werde schon genug gejammert, dass die Schüler Defizite in Deutsch und Mathematik hätten. Laut Zemp geht das Modul jedoch nicht auf Kosten anderer Fächer. «Die Idee ist, dass die Schulen das Modul ergänzend zu den anderen Fächern in den Stundenplan einbauen.»

Prognosen, Schulabgängern ohne Programmierkenntnisse würden künftig zu Billigarbeitskräften, beeindrucken die Gegner nicht. «Wir werden auch künftig in der Wirtschaft die Nase vorn haben», sagt Bigler. Gefragt sei die anwendungsorientierte digitale Arbeit. «Und in dieser Entwicklung ist die Schweiz bestens positioniert.» Geht es nach Aebischer ist es nicht zu spät, wenn die Schulabgänger auf dem Arbeitsmarkt Programmieren lernen. «Sonst könnte man auch fordern, dass nur Kinder, die einen Stuhl oder Tisch herstellen können, einen Schulabschluss erhalten.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Freeze am 20.06.2016 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht in der Primar

    Programmieren ja, aber nicht in dr Primarschule. Dies ist zu früh. Aber der Oberstufe wäre jedoch gut.

  • Noldi Schwarz am 20.06.2016 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Was nützt es, wenn Kinder und jugendliche programmieren, aber keinen anständigen Satz in Deutsch formulieren oder eine einfache Rechenaufgabe korrekt lösen können? Gerne möchte ich wissen, was sie denn programmieren sollen.

    einklappen einklappen
  • mann22 am 20.06.2016 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    finde ich super

    Es fördert Logik und abstraktes Denken. Habe schon oft Situationen gehabt wo mir das Wissen indirekt weitergeholfen hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jöggi am 25.06.2016 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo hört das auf?

    Und wo hört das auf? Warum können Kinder nicht einfach Kinder sein? Am Schluss können sie alle sprachen, picobello mit PC umgehen und ev. sogar Hacken aber Sozial kompetente gleich Null. Das kanns dann aber auch nicht sein. Und ein Kind das nur gelernt hat ohne Kind zu sein, dem fehlt doch später was wichtiges. Aber unsere Leistungsgesellschaft kennt kein Pardon, nur geht vergessen das dies bei jedem selber anfängt.

  • Pablo am 21.06.2016 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Freifach in der Oberstufe

    bei uns (vor einigen Jahren) konnte man in der Oberstufe Informatik/Programieren als Freifach wählen. Das empfand ich als Optimal, da die jenigen die in die richtung gehen möchten sich schon "früh" darauf einlassen. In der Primar Schule völlig unnötig.

  • Coder am 21.06.2016 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Zukunft änder unser Leben - passen wir uns an!

    Unbedingt. Es geht nicht darum eine konkrete Sprache zu lernen. Das ist unsinn, da diese morgen bereits altes Eisen ist. Doch die Prinzipien sollen klar unterrichtet werden. Alle Geräte die wir nutzen laufen mit Software (Übertreibung darf mal sein) und es hilft diese Bedienen zu können. Ansonsten lass uns gleich aussterben. Oder wer schafft es innert 10 Sekunden das richtige Bahnticket am Automat zu lösen? Unsere Welt ist "digital" und deshalb müssen wir uns anpassen. Es muss nicht jeder Schüler ein "Coder" werden. Ich spreche auch nur 2 3 Worte französisch nach 4 Jahren Unterricht.

  • RS am 21.06.2016 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scratch Kara like

    Scratch Kara ist ein echt tolles kleines Programm um die Denkweise zu erlernen: - Etwas in diesem Stil sollte, wenn wir uns für die Zukunft rüsten wollen, künftig einfach zur Grundausbildung gehören.

  • einfach so am 21.06.2016 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich,

    was müssen Kinder in ihrer kurzen Phase der Jugend eigentlich noch alles können ? Kommt nächstens noch eine Fahrstunde pro Woche mit dem Auto auf den Stundenplan ? Wann darf man eigentlich noch Kind sein ? Und damit meine ich spielen und Abenteuer zusammen mit andern Kindern in der Natur draussen erleben und nicht bei schönstem Wetter alleine zu Hause vor dem PC hocken. Das ist so ein Quatsch ! Es müssen nicht alle Schulabgänger "theoretisch" so gut sein, dass man sie "praktisch" nicht brauchen kann, sonst geht die Menschheit unter.