Hans Küng

23. April 2013 02:25; Akt: 23.04.2013 08:17 Print

Prominentester Schweizer Papst-Kritiker tritt ab

Kaum hat Benedikt XVI. die öffentliche Bühne verlassen, zieht sich auch sein alter Gegenspieler zurück: Der Reformtheologe Hans Küng widmet sich künftig ganz dem Bücherschreiben.

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Hans Küng zieht sich ins Private zurück – wird aber nicht damit aufhören, die katholische Kirche zu kritisieren. (Bild: Keystone/Daniel Bockwoldt)

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Sein Leben lang hat er sich als unbequemer Querdenker in der Kirche eingemischt und büsste dafür auch mit dem Entzug der Lehrerlaubnis. Jetzt zieht Hans Küng einen Schlussstrich. Mit 85 Jahren zieht sich der Schweizer im süddeutschen Tübingen weitgehend ins Private zurück. Am Montagabend gab er sein Lebenswerk – die Stiftung Weltethos – in jüngere Hände.

Der frühere katholische Theologie-Professor will sich jetzt mehr Zeit zum Schreiben seiner Bücher nehmen. Küng ist mit seiner Kritik am Vatikan und seiner Forderung nach Veränderungen in der Kirche zum Vordenker vieler reformorientierter Katholiken geworden. Er war einer der bedeutendsten Kritiker der konservativen Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Küng war in den 60er-Jahren ein Weggefährte von Joseph Ratzinger; weil sich dieser aber angesichts der 68er-Bewegung auf die Seite der Konservativen schlug, kam es zum Bruch zwischen den beiden Theologen.

Gemeinsame Moralvorstellungen aller Menschen?

Doch die Stiftung ist sein wohl wichtigstes theologisches Projekt. Der Luzerner ist der geistige Vater der Weltethos-Idee, die nach gemeinsamen Moralvorstellungen aller Menschen sucht.

Dieses Streben nach einer gemeinsamen Ethik dürfe niemals nachlassen, gab Küng den Zuhörern seiner Abschiedsrede mit auf den Weg. Es gebe «kein Überleben unseres Globus in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit ohne ein globales Ethos, ein Weltethos», sagte er.

Nachfolger Stilz ist Jurist

Sein Nachfolger als Stiftungspräsident wird der Präsident des Staatsgerichtshofs Baden-Württemberg, Eberhard Stilz. Der Jurist soll weniger theologisch arbeiten, sondern der Stiftung vor allem bei ihrem geplanten Wachstumskurs im Ausland helfen.

«Ein zweiter Hans Küng braucht nicht noch einmal geboren zu werden. Seine Gedanken, seine geistigen Werke sind da und sie bleiben», sagte Stilz. Entscheidend sei, den Gedanken des Weltethos aus der Religion auch auf ganz andere Lebensbereiche zu übertragen, sagte der Jurist.

Küng bleibt Ehrenpräsident der Stiftung. Sein nächstes Projekt sei, den dritten Band seiner Memoiren fertigzuschreiben, der im Oktober erscheinen soll.

(hhs/sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Zum Glück gibt und gab es noch solche Denker wie Küng. Sein Ansatz des "Weltethos" ist sehr interessant und fundiert und wäre eine ausgezeichnete Grundlage des Dialogs in der Welt. Dass Menschen dazu fähig sind, gibt es als Beispiele zum Glück in der Geschichte - als Gegenpol zu den sog. Realisten und Pessimisten. Oder: Die Hoffnung stirbt zuletzt. – Pius W.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hank Thowdry am 23.04.2013 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Er will wohl Ruhe haben

    Gern würde man lesen "wer nimmt die Mummenschanz im Vatikan überhaupt noch ernst". Aber die Realität weicht davon ab. Millionen von Leuten sind noch heute hirngewaschen und huldigen dieser Finanz-Organisation. Unglaublich ... der Kritiker hat wohl resigniert und will einfach Ruhe haben.

  • Hannah am 23.04.2013 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbedacht und verletzend

    Diese unverschämten Antworten entrüsten mich. Was sind denn DAS für Menschen, die solche verletzenden, unbedachten Kommentare schreiben? Diese Art und Weise sich auszudrücken, zeugt von Unwissenheit, Hass und einem sehr tiefen Niveau. Zum Glück gibt es auch viele 20-Minuten-on-line-LeserInnen, die mehr Gespür für Anstand und Fairness haben.

  • C.S. am 23.04.2013 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    -Küng als Papstkritiker. dass ich nicht lache! Wer hätte gedacht, dass hinter der hinterhältigen Kritik weitaus andere Absichten versteckt waren oder sind!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hank Thowdry am 23.04.2013 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Er will wohl Ruhe haben

    Gern würde man lesen "wer nimmt die Mummenschanz im Vatikan überhaupt noch ernst". Aber die Realität weicht davon ab. Millionen von Leuten sind noch heute hirngewaschen und huldigen dieser Finanz-Organisation. Unglaublich ... der Kritiker hat wohl resigniert und will einfach Ruhe haben.

  • Hannah am 23.04.2013 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbedacht und verletzend

    Diese unverschämten Antworten entrüsten mich. Was sind denn DAS für Menschen, die solche verletzenden, unbedachten Kommentare schreiben? Diese Art und Weise sich auszudrücken, zeugt von Unwissenheit, Hass und einem sehr tiefen Niveau. Zum Glück gibt es auch viele 20-Minuten-on-line-LeserInnen, die mehr Gespür für Anstand und Fairness haben.

  • C.S. am 23.04.2013 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    -Küng als Papstkritiker. dass ich nicht lache! Wer hätte gedacht, dass hinter der hinterhältigen Kritik weitaus andere Absichten versteckt waren oder sind!

  • Pius W. am 23.04.2013 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Herr Küng

    Zum Glück gibt und gab es noch solche Denker wie Küng. Sein Ansatz des "Weltethos" ist sehr interessant und fundiert und wäre eine ausgezeichnete Grundlage des Dialogs in der Welt. Dass Menschen dazu fähig sind, gibt es als Beispiele zum Glück in der Geschichte - als Gegenpol zu den sog. Realisten und Pessimisten. Oder: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • Roland Kaiser am 23.04.2013 06:53 Report Diesen Beitrag melden

    Zeitverschwendung.....

    Küng leidet doch unter den selben Wahnvorstellungen wie die die er kritisiert. Weltethos ist sicher ein erstrebenswertes Ziel. Wer sich aber nur ein wenig mit der Geschichte der Menschheit befasst, sieht dass das niemals gelingen wird.

    • Kritik zur Kritik am 23.04.2013 09:41 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Zeitverschwendung

      Ich stehe dem ganzen Projekt ebenfalls skeptisch gegenüber. Ich denke allerdings, dass es angebracht wäre, Leuten wie Küng den nötigen Respekt dafür zu zollen. Es dürfte in heutiger Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr darstellen, dass sich hochdekorierte Persönlichkeiten in äusserst innovativer Art und Weise um umfassende, globale Friedensprojekte bemühen und dabei stets über die kulturellen und ethischen Grenzen hinwegblicken. Insofern kann kaum von Zeitverschwendung gesprochen werden.

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