7 oder 7,5 Deziliter

24. März 2011 18:31; Akt: 25.03.2011 12:40 Print

Prost, Sonderfall

Bern möchte das Volumen der Weinflaschen normieren. Nun wehren sich die Winzer der Romandie. Aus Gründen der Tradition, sagen sie - wegen des versteckten Gewinnes, behaupten Zweifler.

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Wieviele Deziliter hat der Wein. In der Schweiz gibt es im Gegensatz zur EU, Australien oder Neuseeland keine normierten Volumeneinheiten für Weinflaschen.

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Wein wird in Flaschen getrunken und diese fassen in der Regel 0,75 Liter. Das war nicht immer so. Früher wurden in der Schweiz mehrheitlich 0,7-Liter-Flaschen verwendet. Doch seit sich die EU 1977 auf die Norm von 0,75 Litern geeinigt hat, haben auch hierzulande immer mehr Weinproduzenten auf die etwas grösseren Flaschen umgestellt. Aber noch nicht alle. Nach wie vor wird knapp ein Viertel des Schweizer Weins in 0,7-Liter-Flaschen abgefüllt.

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Die wenigsten Konsumenten wissen jedoch, dass es verschiedene Flaschengrössen gibt. «Von blossem Auge lässt sich der Unterschied kaum erkennen», sagt Ernest Dällenbach, Präsident der Vereinigung Schweizer Weinhandel. Aus diesem Grund habe die Weinbranche schon vor rund 10 Jahren angeregt, die EU-Regelung zu übernehmen. «Damit die Preisgestaltung transparenter und fairer ist für den Kunden», so Dällenbach.

Die 0,7-Liter-Flaschen würden heute vor allem noch von Selbsteinkellerern benutzt, so Dällenbach. Diesen Betrieben nütze die kleinere Flasche. «Für den gleichen Preis wie andere geben sie weniger Wein und erzielen so einen höheren Gewinn», sagt Dällenbach.

Laurent Favre, Direktor des Weinbauernverbandes Schweiz, sieht dies ganz anders. «Hier geht es nicht um versteckte Gewinne, sondern um Tradition und Freiheit», sagt er. Schon seit vielen Jahrzehnten füllten die Selbsteinkellerer ihre Weine in 0,7-Liter-Flaschen ab. Die Winzer hätten eine Philosophie und dazu gehörten auch die Flaschen, so Favre. Der Konsument werde damit nicht betrogen. «Die Preise sind auf der Etikette auch proportional angeschrieben.» Auf dem Spiel stehe aber ein Stück Freiheit und Individualität der Schweiz. «Wir haben genug von den Anpassungen an die EU», ärgert sich Favre.

In Stein gemeisselt ist aber noch gar nichts. Im Bundesamt für Meteorologie(Metas) wird derzeit geprüft, ob eine Anpassung sinnvoll wäre. «Wir revidieren die Deklarationsverordnung und wollen aus Gründen der Einfachheit und Transparenz bei Wein und Spirituosen die gleiche Wertereihe wie die EU einführen», sagt Sektionsleiter Gregor Dudle. Dies sei nicht von der EU verordnet, sondern solle vor allem dem Konsumenten dienen. «Ob es politisch machbar ist, ist noch nicht entschieden«, so Dudle.

Wie gross der Widerstand gegen diese Regelung ist, lässt sich noch nicht abschätzen. Laurent Favre vom Weinbauernverband geht davon aus, dass die Mehrheit der Mitglieder die Bestrebungen des Metas bekämpfen will. «Die Abstimmung steht aber noch aus.» Der Weinhandel will noch keine Position beziehen. «Wir müssen unsere Haltung in der Geschäftsleitung noch besprechen, aber bereits heute zeichnet sich eine Präferenz für eine freiheitliche Lösung ab», sagt Ernest Dällenbach.

Entscheiden wird am Schluss aber nicht das Metas, sondern der Bundesrat. Sagt dieser Ja, tritt die Regelung per Anfang 2013 in Kraft.