Aargau

03. Februar 2019 02:42; Akt: 03.02.2019 02:42 Print

Psychiater hat jahrelang Sex mit Missbrauchs-Opfer

Eine Frau will mit einer Therapie ihre von Misshandlung geprägte Kindheit verarbeiten - und wird erneut missbraucht. Für den Mediziner sei dies Teil der Behandlung gewesen.

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Eine Baslerin wurde als Kind missbraucht und nun erneut. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Daniel Bockwoldt)

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Im Sommer 2007 beginnt Ruth Meier* eine Therapie bei Psychiater Ralf Ganz*. Sie will sexuelle Übergriffe verarbeiten, die sie als Kind erlebte. Stattdessen wird sie in einer Aargauer Klinik erneut zum Opfer. Dies berichtet die «SonntagsZeitung» gestützt auf Gerichtsakten.

In den Sitzungen hält der Therapeut anfangs ihre Hand, es folgten Küsse, dann Griffe unter den BH. Ganz behauptet dabei, der Körperkontakt sei Teil der Therapie. Ab 2013 kommt es schliesslich immer wieder zum Geschlechtsverkehr, laut Anklage «auf Initiative des Beschuldigten».

Er arbeitet weiter als Therapeut

Erst im Frühling 2016 wendet sich die Betroffene an den Aargauer Kantonsarzt Martin Roth, kurz nachdem sich der Psychiater selbst bei Roth angezeigt hatte. Roth gibt ein ärztliches Gutachten in Auftrag. Darin steht: «Im Rahmen der Begutachtung konnte keine psychische Erkrankung diagnostiziert werden.» Das Rückfallrisiko sei gering. Daher verzichtet Roth auf jegliche Massnahme. Auch eine Aufsichtsbeschwerde beim Kanton ändert daran nichts.

Schliesslich reicht das Opfer Anzeige ein. Und hat Erfolg: Das Bezirksgericht Aarau hat den Psychiater mittlerweile wegen mehrfacher Ausnützung einer Notlage verurteilt. Zwar wurde ein Behandlungsverbot verhängt, doch dieses gilt nur für weibliche Patienten und befristet auf zwei Jahre. Folglich arbeitet der Mann bis heute als Therapeut. Er ist auch nach wie vor als Mitglied der Ärztevereinigung FMH eingetragen. Denn der Aargauische Ärzteverband erfuhr erst durch die «SonntagsZeitung» vom Fall. «Strafurteile werden nicht an uns weitergeleitet», sagt Präsident Jürg Lareida der «SonntagsZeitung». «Sonst hätten wir sicher reagiert.»

* Namen geändert

(20 Minuten)