Killergame-Verbot

19. März 2010 10:43; Akt: 19.03.2010 11:04 Print

Psychosekte mischelt bei Game-Verbot mit

von Lukas Mäder, Bern - Ihr Ziel eint sie: In der Vereinigung gegen Killergames ist auch eine sektiererische Gruppe vertreten. Wurden SP-Politiker für deren Zwecke eingespannt?

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Den Kampf für ein Verbot von Killerspielen führt die Vereinigung gegen mediale Gewalt (VGMG) an. Ende April 2009 entstand sie als Kind des Berner SP-Grossrats Roland Näf. Der Kopräsident der Vereinigung ist bei den Gamern ein rotes Tuch, kämpft er doch schon seit Jahren gegen grausame Computerspiele. Im Vorstand der VGMG sitzt ausserdem SP-Nationalrätin Evi Allemann, die im Parlament eine Verbots-Motion eingereicht hat. Jetzt gerät die VGMG jedoch in ein schlechtes Licht. Es gebe Verbindungen zu Personen aus dem früheren Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis (VPM), berichtet das deutsche Online-Magazin Telepolis.

Der VPM war eine autoritäre und sektenartige Gruppe, die sich 2002 offiziell aufgelöst hatte. Dies sei jedoch nur aus taktischen Gründen passiert, sagt Hugo Stamm, Sektenexperte und Redaktor beim «Tages-Anzeiger». Die gleichen Leute seien noch immer in verschiedenen Gruppierungen aktiv. «Sie haben einen missionarischen Eifer und meinen, die Welt retten zu müssen», sagt Stamm. Politisch stünden sie extrem rechts, würden aber beispielsweise beim Umweltschutz linke Positionen vertreten. Sowieso sind die VPM-Mitglieder laut Stamm politisch stark aktiv: «Sie suchen sich oft politische Aushängeschilder, die sie vorschieben.»

Zentrale VPM-Figuren sind Gründungsmitglieder

Die Nähe zwischen Näfs VGMG und mehreren VPM-Mitgliedern ist verblüffend. Zu den Gründungsmitgliedern der Anti-Killergames-Vereinigung gehören mindestens zehn Personen aus dem engeren Umfeld des früheren VPM, darunter Rudolf Hänsel und Klaus Rüdiger. Laut Stamm waren das zwei zentrale Figuren des VPM. Hänsel schreibt regelmässig in der Zeitung «Zeit-Fragen», unter anderem über Computerspiele. «Zeit-Fragen» ist laut Stamm das Organ der VPM-Leute. Ein Verwaltungsmitglied der Genossenschaft Zeit-Fragen ist ebenfalls Gründungsmitglied der VGMG.

Klaus Rüdiger schrieb 1991 am Buch «Der VPM - was er wirklich ist» mit und trat laut Medienberichten mehrmals am VPM-nahen Kongress «Mut zur Ethik» auf. Eine weitere aktive Person aus dem VPM-Umfeld ist Willy H. Wahl, ebenfalls Gründungsmitglied der VGMG. Wahl betreibt die Website seniora.org, auf der er den Älteren, die «Hüter der Kultur» seien, eine Plattform geben will. Auf Wahls Website veröffentlicht er auch Artikel zu Gewaltspielen.

Verlinkung auf VPM-Publikationen

Doch die Verbindungen zwischen VGMG und den VPM-Leuten gehen noch weiter. Unter der Rubrik «bewährte Links» der VGMG-Website waren Artikel auf der Online-Ausgabe von «Zeit-Fragen» sowie auf seniora.org verlinkt, wie Telepolis schreibt. Zudem ist ein Artikel von Roland Näf auf zeit-fragen.ch veröffentlicht. «Ich habe diesen Text für eine andere Publikation geschrieben, und wurde angefragt», erklärt Näf gegenüber 20 Minuten Online. Er habe diese Website nicht gekannt. «Aber für mich ist die Publikation in Ordnung. Jeder kann meinen Text wiedergeben.» Die Links auf vgmg.ch hat er inzwischen entfernt.

Die VPM-Leute, die auf der Gründungsliste seiner Vereinigung aufgeführt sind, kenne er nicht näher, sagt Näf gegenüber 20 Minuten Online. «Willy Wahl hat sich mir bei der Gründungsversammlung vorgestellt.» Mit den anderen habe er nur per E-Mail Kontakt gehabt. Von den Beziehungen zum VPM habe er nichts gewusst. «Das interessiert mich auch nicht», sagt Näf. Er könne nicht verhindern, dass eine andere Gruppierung ein politisches Ziel mittrage.

Motion sei aus der Fraktion entstanden

Evi Allemann als VGMG-Vorstandsmitglied distanziert sich von den VPM-Leuten. «Diese Personen sind nicht im Vorstand aktiv und haben keine Argumentationspapiere verfasst.» Vielmehr sei die Vereinigung politisch breit abgestützt. Und auch ihre Motion verteidigt Allemann: «Ich habe mich nicht instrumentalisieren lassen. Der Vorstoss ist in der Fraktion entstanden.» Eingereicht hat Allemann den Vorstoss zwei Tage nach der Gründung der Vereinigung.

Die SP-Politiker Allemann und Näf lassen die Anschuldigungen nicht auf sich sitzen und drehen den Spiess um: «Die Spielindustrie setzt alles daran, um uns zu schaden», sagt Näf. Sie arbeite ähnlich wie früher die Tabakindustrie. Zwar will Näf nicht behaupten, dass hinter dem Artikel auf Telepolis die Game-Industrie steht: «Aber ich vermute es.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marko Dall am 19.03.2010 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich...

    Politiker, die sich noch nie aktiv mit der Materie befasst haben, diktieren dem mündigen Volk, was es konsumieren darf. Anstatt schlicht eine funktionierende Alterseinstufung auf die Beine zu stellen, schwankt die Schweiz von einem Extrem zum anderen. Selbst die Deutschen Gamer bemitleiden uns nun... Bald werden auch Rennspiele verboten, denn diese bergen ein mindestens genauso grosses Gefahrenpotential.

    einklappen einklappen
  • Seppli am 19.03.2010 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Die Frage ist doch was das bringen soll

    wollten sich die Politiker damit ein Denkmal setzen um uns junge Erwachsene zu schul Meisteren, der Entscheid ist so nicht tragbar und sollte so zur Volksabstimmung kommen.

  • Noch Fragen am 19.03.2010 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    natürlich, die ominöre Game-Lobby...

    HAHAHAHAHAHA die "ominöse Gameindustrie" plant eine Verschwörung gegen Evi Allemann um ihren wichtigsten Absatzmarkt die Schweiz zu schützen - diese Person hat doch jeden Sinn für Realität verloren

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sozialer mensch am 31.08.2011 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    verbot und reiz

    Wenn man 18 ist sollte man auch keine vorschriften bekommen was man zocken darf und was nicht. Ich könnte mit dem auto auch leute überfahren aber ich mache es nicht weil es ja logisch ist das sonst unschuldige zuschaden kommen. Genau so ist es auch mit dem gamen ich "töte" zwar online pixel deshalb bin ich aber sicher nicht gewalttätig. Wenn sie es verbieten ist es ganu gleich wie mit allen ilegalen sachen, es gewinnt an reiz, und man bekommt es eh überall her wenn man nur will. Das internet ist einfach zuweit fortgeschriten um überhaupt noch irgendwas zu verbieten, leider manchmal.

  • Spieler am 21.03.2010 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    SP sollte umdenken

    Wer hat uns Spieler verraten, die Schweizer Sozialdemokraten!

  • Allergie am 21.03.2010 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    Grösste Ironie

    De TV Sender hat eine neue Studie ausgestrahlt über PC Spiele für Kinder. Ergebnis sehr positiv!!! Sich global informieren, bevor man ein Verbot erlässt! Ich habe schon Allergie auf alle die Verbote. Wie viele sind es schon? Evi und die Linken haben nur verrückte Ideen. Sie will uns auch noch schnell ins EU bringen, bevor sie zu Grunde geht.

  • Urs Hagen am 20.03.2010 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Gameverbot

    Alles Politiker Blabla, ist in der heutigen Vernetzung nicht durchführbar. Die sind im Mittelalter stehen geblieben, es werden keine Steintafeln oder Bücher tonnenweise verschoben. Es sind Daten die verkauft, kopiert, gesendet, runter geladen werden. Es wird höchstens Industrie, Handel, Verkäufer zerstört. Arbeitsplätze.... genau das Zugpferd der Politik.... Arbeitsplätze zerstört ! Erinnert Euch bei den nächsten Wahlen an die Namen der Politiker !

  • sando am 20.03.2010 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Shootergames gefährlicher als Militär?

    Killergames sorgen also dafür, dass wir Menschen aggressiver und zu potentiellen Amokläufern werden... Zum Glück gibt es keine Militärdienstpflicht, wo man wirklich lernt, wie man mit einer Waffe umgeht nd wie man tötet. Upps, es gibt ja eine Dienstpflicht in der Schweiz!