Konfrontiert

14. Juni 2019 04:57; Akt: 14.06.2019 06:55 Print

«Frauenstreik!» – «Das ist purer Männerhass»

von D. Pomper - Gendergerechte Sprache und Gewalt an Frauen: Feministin Tamara Funiciello und Feminismus-Kritikerin Camille Lothe haben vor der Kamera die Klingen gekreuzt.

Die Feministin Tamara Funiciello und Feminismus-Kritikerin Camille Lothe im Streitgespräch. (Video: H. Müller)
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Frau Funiciello, Frau Lothe: Was bringt der Frauenstreik?
Tamara Funiciello: Endlich wird über die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern und Gewalt an Frauen gesprochen.
Camille Lothe: Den Frauenstreik begrüsse ich grundsätzlich. Aber wenn ich Plakate lese, auf denen steht, «Töte den Mann in dir» oder «Men are trash», dann geht das in die falsche Richtung. Das ist purer Männerhass.

Wird sexualisierte Gewalt gegen Frauen unterschätzt?
L: Absolut. Aber ihr Linken getraut euch nicht, die Sache beim Namen zu nennen. Ein grosser Teil der sexualisierten Gewalt kommt von nicht integrierten Männern, die glauben, Frauen seien weniger wert.
F: Ihr verurteilt nur einen Teil der gewalttätigen Männer. Vergewaltigungsopfern ist es egal, was der Täter für einen Pass hat.
L: Aber diese Täter könnte man ausschaffen.
F: Statt Leute auszuschaffen, sollten wir besser die Istanbul-Konvention unterschreiben, mit dem Ziel, Gewalt gegen Frauen durch Prävention zu bekämpfen.

Wie steht es um die Lohnungleichheit?
F: Frauen haben am Ende des Jahres 100 Milliarden Franken weniger auf dem Lohnkonto als Männer. Typische Frauenberufe werden weniger gut bezahlt. Dabei sind das genau die Berufe, die unsere Gesellschaft braucht.
L: Lohnungleichheit ist ein Mythos der Linken. Frauen werden schlechter bezahlt, weil sie oft Teilzeit arbeiten. Man kann mit einem 40 Prozent-Pensum nun mal keine Karriere machen.
F: Dann helft uns doch mit günstigeren Krippenplätzen!
L: Aber nicht mit staatlichen Geldern, sondern indem man bürokratische Hürden abbaut.

Braucht es gendergerechte Sprache?
F: Wenn wir nur von Ärzten sprechen und nicht von Ärztinnen, können sich Mädchen gar nicht vorstellen, Ärztin zu werden.
L: Das bezweifle ich. Die gendergerechte Sprache hat dazu geführt, dass die Sprache mit Sternchen verhunzt wird. Die Grenze ist erreicht.

Braucht es Frauen-Quoten in Unternehmen?
L: Auf keinen Fall! Ich will nicht aufgrund meines Geschlechts, sondern wegen meinen Qualitäten angestellt werden. Ausserdem beschneidet eine Quote die unternehmerische Freiheit.
F: Wenn wir keinen Druck machen, ändert sich nichts. Männliche Chefs ziehen Leute nach, die ihnen ähnlich sind. Das heisst, wir können noch so viele gut ausgebildete Frauen haben – sie werden den Job nicht bekommen.