Zürich

16. August 2018 11:42; Akt: 16.08.2018 13:21 Print

Radikale Christen predigen gegen Homosexualität

Fundamentalistische Christen, die kürzlich in Valencia eine Massenpanik auslösten, sind nun auch in der Schweiz unterwegs.

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«Wenn du heute Abend sterben würdest, wo würdest du landen?», fragt der kräftige Mann mit der blauen Weste Passanten in der Zürcher Bahnhofstrasse. Dazu drückt er ihnen Flyer in die Hand, die gegen Alkoholkonsum, Homosexualität und Abtreibung werben. Durch das Hören von Rockmusik oder das Lesen von Harry-Potter-Büchern würde man seine Seele direkt an den Teufel verkaufen, steht weiter auf den Flyern.

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Was halten Sie von solchen Flyer-Aktionen religiöser Organisationen?

Der aggressiv sprechende Mann gehört zum deutschen Missionsverbund «Werde Licht». Vergangene Woche hatten Männer derselben Organisation in einem U-Bahn-Wagen in der spanischen Stadt Valencia Panik ausgelöst, weil sie mit Terroristen verwechselt wurden. Sie schrien in ein Megaphon, dass der Wagen voller «Sünde, Alkohol, Drogen und Hurerei» sei und die Passagiere alle als Sünder sterben und «in der Hölle brennen» würden.

«Radikal und veraltet»

Laut Sektenexperte Georg Schmid lässt sich die in der Schweiz bisher unbekannte Gruppe am radikalen und fundamentalistischen Rand der Freikirchenszene verorten. «Was die Männer tun, ist Schockpropaganda», sagt Schmid. «Werde Licht» agiere auf eine Art und Weise, wie es Freikirchen normalerweise nicht tun würden

Dass Rockmusik als des Teufels verurteilt werde, sei veraltet, so Schmid: «Viele Freikirchen waren vor 30 Jahren gegen Rockmusik, heute spielen sie sie selber.» Auch in Sachen Homosexualität gebe es bei den Freikirchen momentan ein Umdenken.

Konvertierte Strassenprediger

Neben den Flyern verteilen die Männer des Missionsverbundes Bibeln, einige davon in arabischer Sprache. Die Gruppe, die im Kern aus aramäischen Christen besteht, spricht in Deutschland gezielt arabische Männer mit muslimischem Glauben an, um sie zu bekehren. Solche Neu-Bekehrte seien oft besonders fanatisch, erklärt der Sektenexperte. Während konventionelle Freikirchen übereifrige Neumitglieder gemäss Schmid in der Regel bremsen, halten sie bei «Werde Licht» Strassenpredigten, was die Radikalität der Gruppe weiter zuspitze.

Grundidee der Meinungsfreiheit

Das Verteilen von religiösen Schriften und Flyern durch Einzelpersonen ohne Infrastruktur ist in der Schweiz ohne Bewilligung erlaubt. 2017 gab das im Hinblick auf die Koranverteilungskampagne Lies! zu reden. Da Lies! im Verdacht stehe, IS-Kämpfer angeworben zu haben, könne «Werde Licht» unter keinen Umständen mit der Koranverteilungskampagne verglichen werden, sagt der Rechtsprofessor Markus Schefer.

«Die Grundidee der Meinungsfreiheit ist es, dass man sich mit jeder Meinung konfrontieren lassen muss, unabhängig davon, wie falsch man diese findet», so Schefer. Gegen eine Äusserung einer Person könne erst dann etwas unternommen werden, wenn dem Angesprochenen konkrete Nachteile angedroht würden, etwa eine Verletzung seiner körperlichen Integrität.

rechtlich alles in Ordnung

Rechtlich mache «Werde Licht» nichts falsch, sagt auch Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Es sei nicht verboten, Passanten anzusprechen und religiöse Schriften zu verteilen – berühren hingegen dürfe man niemanden. «Fühlt sich jemand durch die Aktion aber belästigt, kann er sich an die Polizei wenden», so Cortesi. Dann könne die Sache überprüft werden und gegebenenfalls würden weitere Massnahmen eingeleitet.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Donna M. am 16.08.2018 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe den nächsten.,.

    In der Bibel steht, liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Und verurteile nicht, auf dass du nicht verurteilt wirst. Das sind keine Christen sondern aggressive, Menschenverachtende Fundamentalisten. Wieso bietet man sowas auch noch eine Plattform?

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  • Tom.W am 16.08.2018 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und in der Bibel steht

    Vor Gott sind alle Menschen gleich!!!! Ich weiss wiso ich vor 20 Jahren den Austritt aus der Kirche gegeben habe!!!!!!!!!

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  • An Anon am 16.08.2018 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freedom

    Meinungdfreiheit bedeutet nicht nur deine eigene Meinung zu äussern, sondern auch andere Meinungen zu akzeptieren. Flyeraktionen sind überflüssig und manipulativ auch wenn wohl kaum jemand drauf eingeht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Satox am 17.08.2018 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lächerlich

    Lächerlich! Wer glaubt sonst noch an die Zahnfee? Wer glaubt, der weiss nicht...

  • Di Dago am 17.08.2018 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ich halte mich an das

    Alte Testament, Aug um Aug, Zahn um Zahn! Jesus hat vielleicht existiert - aber dass er Gottes Sohn war, daran kann ich nicht mehr glauben!

  • Appeeri am 17.08.2018 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Mit denen in den Himmel???

    Also wenn ich mir überlege welche Menschen alle biblischen Gesetze und Gebote so genau einhalten damit sie ganz sicher in den Himmel kommen, dann frage ich mich; Möchte ich wirklich mit diesen Menschen in den Himmel kommen und mit denen die Ewigkeit verbringen??? Nein Danke! Ich glaube ich muss noch mehr sündigen... nicht das mir meine Sünden vergeben werden und ich doch noch gegen meinen Willen im Himmel lande und bis in alle Ewigkeit Kumbaya singen muss.

  • bebbeli am 17.08.2018 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Reklame

    Ich will nicht belästigt werden. Es kann Jeder glauben was er will, aber er soll mich in Ruhe lassen! Aggressive Reklame ist sowieso falsch und führt zu Ablehnung.

  • RemmiDemmi am 17.08.2018 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Welcome to Hell

    Ich gehen Frewilig in die Hölle, dort gibt es gute Musik. Im Himmel spielt man doch nur Schlager und Klassik