Liron Krasniqi aus Dietikon ZH

30. November 2018 11:34; Akt: 30.11.2018 12:40 Print

Rapper Azet spielt «Fortnite» mit krankem Fan (9)

von Qendresa Llugiqi - Wegen einer schweren Krankheit kann der 9-jährige Liron kaum etwas unternehmen. Dank Instagram machen ihm nun viele Stars Mut.

Liron Krasniqi (9) und seine Familie danken allen, die sie unterstützen. (Video: Wibbitz/Instagram/20 Minuten, Musik: KMN Gang/Youtube)
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Die Familie Krasniqi aus Dietikon bekommt regelmässig prominenten Besuch: Rapper Azet und andere Mitglieder der KMN-Gang besuchen den kleinen Liron, hängen stundenlang mit ihm ab und spielen «Fortnite» mit ihm. In diesen Momenten vergisst der 9-Jährige seine schwere Krankheit. Er leidet an Muskeldystrophie Duchenne, der häufigsten unheilbaren muskulären Erbkrankheit im Kindesalter.

Für Liron, der gern Mundharmonika spielt, zeichnet oder mit seinem Spezialvelo herumfährt, ist Azet ein Seelenverwandter: «Er muss aber noch lernen, wie man ‹Fortnite› spielt. Ich gewinne immer», sagt der Primarschüler und grinst dabei frech.

Familie traf Azet auf Raststätte

Das rührende Engagement der Rapper hat die Familie einem Zufall zu verdanken: «Ich ging mit meinen Töchtern Glace essen», erinnert sich der Vater. An der Autobahn-Tankstelle in Würenlos habe er den Rapper Azet und seine KMN-Gang erkannt: «Weil all meine Kinder Fans von ihm sind, habe ich angehalten und ihn gefragt, ob er Fotos mit meinen Töchtern machen würde.» Zudem habe er erwähnt, dass sein Sohn Azet wohl auch gern gesehen hätte, aber krankheitsbedingt nicht dabei sein könne. «Azet versprach von sich aus, bei uns zu Hause vorbeizukommen. Ich war baff», so der Vater.

Der Rapper hielt Wort: «Azet und sein Manager standen mitten in der Nacht vor unserer Haustür und weckten Liron.» Die ganze KMN-Gang habe draussen gewartet. Der Bub konnte es kaum glauben: «Azet ist mein Lieblingsrapper. Er war sehr nett zu mir.» Der Rapper habe sich die ganze Zeit nur mit ihm beschäftigt und «Fortnite» gespielt.

Der Rapper habe daraufhin mehrere Insta-Videos gedreht. Azet sei überrascht gewesen, als er erfuhr, dass Liron keinen Account habe: «Er meinte: ‹Wieso nicht? Öffnet ihm doch einen Account. Liron wird Spass daran haben.› Gemeinsam machten wir uns an die Arbeit.»

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Rapper Azet weckte Liron auf.

Instagram als Therapie

Dank Instagram heitern jetzt viele andere Liron, der gern Feuerwehrmann werden möchte, auf. FCB-Spieler Albian Ajeti hat ihn zum Spiel FC Basel – FC Thun eingeladen. Teamkollege Taulant Xhaka versprach, Liron ebenfalls zu besuchen. Auch der albanische Rapper Noizy nahm sich Zeit. Besucht haben ihn auch die Youtuberin Mimozale und Nali vom Swisscomedytv-Duo.

Inzwischen hat Liron auf liron.krasniqi8 über 15 000 Follower auf Instagram: «Hallo? Wer will mit mir nachher Fortnite spiele, bin denn dihei?», fragt er live. Kaum aktiv, schauen seine Follower dem Primarschüler zu und schreiben ihn an. Schnell sind mehrere Mitspieler gefunden. Liron lacht und wirkt glücklich.

Lirons Vater erklärt: «Durch seine Krankheit kann Liron nicht mit seinen gesunden Kollegen mithalten. Einige besuchen ihn auch nicht mehr, weil er inzwischen nicht mehr laufen kann. Er mag es, mit den Leuten auf Instagram zu sprechen.» Die Eltern würden sicherheitshalber den Instagram-Account führen und sich immer in der Nähe aufhalten. «Egal, ob Liron auf Instagram aktiv ist oder spielt.»

Familie dankt Azet

Nicht nur Liron habe davon profitiert, die Krankheitsgeschichte öffentlich zu machen: «Uns als Familie hilft der Account sehr. Plötzlich haben sich so viele Leute bei uns gemeldet, die ebenfalls von dieser Krankheit betroffen sind. Manche schreiben auch einfach, um uns aufzubauen. Der Austausch hilft uns, die Sorgen über die Zukunft etwas zu verdrängen», erklärt der Vater.

Die Diagnose vor rund vier Jahren sei ein Schock gewesen: «Wir haben bereits kurz nach seiner Geburt gespürt, dass etwas mit Liron nicht in Ordnung ist», so die Mutter. Beim Turnunterricht im Kindergarten habe sich bestätigt, dass etwas mit dem damals rund 5-Jährigen nicht stimmte. «Er konnte nicht mit den anderen mithalten, weshalb wir einen Arzt aufsuchten», erinnert sich der Vater. Durch einen Bluttest stellte der Arzt die Muskelkrankheit fest. «Wir können den Moment nicht beschreiben, als man uns über die Krankheit aufklärte. Man fühlt sich so hilflos, benebelt. Wie in einer Blase», sagt die Mutter.

Laut dem Vater ist sie diejenige, die sich tagsüber vorwiegend um Liron kümmert: «Sie begleitet ihn überall hin, trägt ihn im Arm herum, wenn es sein muss.» Der Vater unterstützt sie, wo es nur geht. Dies sei nur möglich, weil sein Arbeitgeber – die Coop-Verteilzentrale in Dietikon – viel Verständnis habe. Die Familie will die verbleibende Zeit mit Liron geniessen: «Jeder Tag soll etwas Besonderes für Liron werden. Wir wollen ihn in guter Erinnerung behalten.» Dabei würden sie nun viele Leute unterstützen – auch dank Instagram und Rapper Azet, der inzwischen wie ein Familienmitglied geworden sei, so die Eltern: «Wir wollen allen danke sagen, dass sie sich für Liron und auch für uns Zeit nehmen.»

So dankt Liron allen, die ihn unterstützen.