Rassismus-Hirnscan

20. Januar 2013 19:57; Akt: 21.01.2013 14:21 Print

Rassismus lässt sich im Hirn zeigen

Die Studie eines Psychologen der Uni Genf zeigt: Hirne von Rassisten funktionieren anders.

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Was geht in den Köpfen von Rassisten vor? Der Neurologe Tobias Brosch der Uni Genf hat es gemessen.

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Negative Stereotypen bilden sich im Hirn ab: Der Neuropsychologe Tobias Brosch, der an der Uni Genf forscht, hat aufgezeigt, dass sich Rassisten per Hirnscan entlarven lassen. Seine Ergebnisse hat er im Fachmagazin Psychological Science veröffentlicht. Er hat Personen, die ein Negativbild von Schwarzen haben, nacheinander Fotos von weissen und schwarzen Personen vorgelegt. Danach mass er die Aktivität ihres Gesichtsverarbeitungs-Areals im Hirn. «Die Muster ihrer Hirnaktivierung für schwarze und weisse Gesichter unterscheiden sich wesentlich mehr, als dies bei Personen ohne Stereotypen der Fall ist», sagt Brosch.

In der Schweiz fehlt die rechtliche Grundlage

Bei vielen amerikanischen Anwälten sei das Interesse am Brain Imaging bereits gross, um Verdächtige zu profilen und vor Gericht damit zu konfrontieren. In der Schweiz gibt es für solche Methoden aber keine rechtliche Grundlage. Unter einem Hirnscanner hat man keine vollständige Selbstkontrolle. «Und unter diesem Umstand darf sich niemand gegen seinen eigenen Willen selbst belasten», erklärt der Kriminologe Martin Killias. Zudem sei die Methode, angewandt im Rahmen eines Strafverfahrens, EMRK-widrig. Skeptisch, dass sich das Hirnscanning in der Kriminalistik mittelfristig durchsetzen könnte, ist auch der Alt-Staatsanwalt Walter Mathys. «Die Methoden des Profiling sind noch längst nicht ausgereift. Und die Angst, dass der Persönlichkeitsschutz ausgehöhlt und der Mensch zum Objekt wird, ist gross». Rassismus sei wie Terrorismus keine Krankheit, die man medizinisch diagnostizieren und behandlen könne.
Für die Bekämpfung von Rassismus taugten Hirnscans ebenfalls nicht, sagt Martine Brunschwig Graf, die Präsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus. «Prävention muss darauf abzielen, dass Unterschiede positiv, statt negativ ausgelegt werden».

(hit)