Verbale Attacke beim Autowaschen

10. September 2019 17:05; Akt: 11.09.2019 08:18 Print

Berner Rassist muss nach Hass-Video zahlen

von P. Michel - Er beschimpfte einen Kenianer an der Autwowaschanlage heftig. Das hat Folgen für den Berner: Er wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 2000 Franken verurteilt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Fall sorgte schweizweit für Aufsehen: Ende Februar beleidigte der Berner T. S* einen Kenianer, der bei der Landi-Autowaschanlage in Zollbrück BE gerade seinen Offroader wusch, aufs Übelste.

«Schau an, dieser Scheissn***r, da singt er ein bisschen, der Löl», kommentierte er im Berner Dialekt im Video, das sich auf Social Media verbreitete. Darauf folgten weitere rassistische Anfeindungen.

Täter suchte Ventil für Fremdenhass

«Ich bin extrem schockiert und traurig, dass jemand so etwas tut», erzählte damals das Opfer 20 Minuten. Die Person habe offenbar ein Ventil gesucht, um ihren Fremdenhass abzulassen.

Da Rassendiskriminierung ein Offizialdelikt ist, nahm die Polizei Ermittlungen auf. Auch das Opfer selbst erstattete Anzeige. Der Strafbefehl liegt 20 Minuten nun vor. Die Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau verurteilte den Berner wegen «mehrfacher Beschimpfung und Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte». Laut der Behörde hatte der Täter das Video an mindestens sieben Personen weitergeleitet.

Bedingte Geldstrafe

Für seine rassistische Attacke kassiert der Besitzer einer Autogarage nun eine Geldstrafe von 2000 Franken (25 Tagessätze à 80 Franken). Diese wird aber nur fällig, wenn er während einer Probezeit von vier Jahren wieder straffällig wird. Diese Probezeit wurde von drei auf vier Jahre verlängert, da S. bereits in der Vergangenheit verurteilt worden war. Zwingend bezahlen muss er eine Verbindungsbusse über 500 Franken sowie die 500 Franken Gebühren. Bei Nichtbezahlen drohen sieben Tage Gefängnis.

Celeste Ugochukwu, Leiter Kommunikation des Afrikanischen Diaspora-Rates Schweiz, zeigt sich erfreut über das Urteil. Er hatte das Video als «tiefes Niveau» und «beschämend» bezeichnet. «Das ist ein deutliches Signal, dass man in der Schweiz mit Rassismus nicht ungeschoren davonkommt.» Es sei wichtig, dass solche Fälle öffentlich würden und die Behörden dafür sensibilisierten, solche Fälle auch ernsthaft zu verfolgen. Er hofft, dass sich der Täter nun auch wirklich hintersinnt.

Das Opfer der Rassismus-Attacke war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

*Name der Redaktion bekannt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • E.K am 10.09.2019 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein Witz dieses Justizsystem

    Wieso muss er das nicht direkt zahlen, sondern bekommt noch eine Probezeit obwohl er schon in der Vergangenheit so drauf war...? Was für ein Witz...

    einklappen einklappen
  • timtom am 10.09.2019 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verstehe es nicht

    nur kopfschütteln. weshalb muss er die 2000.- nicht jetzt bezahlen?

    einklappen einklappen
  • Andrejka am 10.09.2019 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Er wurde zu einer BEDINGTER Geldstrafe von 2000 Franken verurteilt ?!? Skandal!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Helvetica am 11.09.2019 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Proleme mit der Justiz?

    Die Gedanken sind frei! Zum Glück darf man noch denken, was man von solchen Personen hält. Zugegeben, es sind nicht immer nur Ausländer dabei!

  • Marco am 11.09.2019 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Artikel lesen!

    Hat eigentlich jemand den Artikel gelesen oder nur die reisserische Überschrift? Ich will dieses Video weder schönreden noch sonst in einer Form kommentieren. ABER der Herr wurde NICHT wegen Rassismus verurteilt, sondern wegen Beschimpfung und missachten der Privatsphäre. Mich erstaunt, dass sich über diesen Umstand niemand aufregt. Zeigt einmal mehr, wie gut die Leser die Artikel lesen bzw. die Presse bei den Überschriften nicht bei den Fakten bleibt.

  • ppp am 11.09.2019 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    prägt euch ein...

    Rassissmus istkeine Meinung, sondern ein Verbrechen.

  • Fight4Freedom am 11.09.2019 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fremdenhass...

    ... kommt nicht einfach so... Fremdenhass ist die Folge von jahrzehnte langer völlig verfehlter Asyl- und Zuwanderungspolitik. Je nach IQ und Lebenssitation löst das Frust bzw. Unzufriedenheit aus. Die Ursachen sind zu bekämpfen, dann ist der Fremdenhass kaum existent.

  • E.S. am 11.09.2019 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Entstädigung für Opfer?!

    Und das Opfer geht wieder leer aus? das müsste eigentlich Schmerzensgeld bekommen! wird aber wohl nicht der Fall sein, da nicht das Opfer die Anzeige eingereicht hat. Echt lachhaft dieses System und die bedingte Geldstrafe!