Pokerverbot

10. März 2011 13:01; Akt: 10.03.2011 14:27 Print

Razzia legt Poker-Turniere im Casino lahm

von L. Mäder - In Basel führte die Polizei am Mittwoch eine Poker-Razzia durch. Weil sie dabei Firmen-Server beschlagnahmt hat, ist das Poker-Angebot des Casinos beeinträchtigt.

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Die Razzia live im Internet: Registrierte Mitglieder konnten am Mittwochabend mitverfolgen, wie die Polizei ein Poker-Turnier in Basel auflöste. (Bild: Leser-Reporter)

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Nach knapp drei Monaten Pause sind am Mittwochabend Polizei und Spielbankenkommission erneut gegen ein Poker-Turnier vorgegangen: An der Reinacherstrasse in Basel führten sie wegen Verdachts auf illegales Glücksspiel eine Razzia durch. Die Polizei Basel bestätigt gegenüber 20 Minuten Online den Einsatz, der unter Federführung der Spielbankenkommission stattfand. Spielutensilien, mehrere Computer sowie der Turniereinsatz in Bargeld wurden beschlagnahmt. Festnahmen hat es laut Polizeiangaben keine gegeben.

Die Razzia, die von 19 bis 23.30 Uhr dauerte, konnte auf dem Internet live mitverfolgt werden - jedoch nur von registrierten Mitgliedern, wie Veranstalter Deniz Esen betont. Für sie werden die Poker-Turniere jeweils online übertragen. Laut Augenzeugen verlief der Polizeieinsatz mit gut 40 Polizisten ruhig. Die Pokerspieler wurden durchsucht und zumindest teilweise befragt. Laut Spielbankenkommission wurden rund 50 Personen kontrolliert.

Das Poker-Turnier habe in einem geschlossenen Kreis stattgefunden und sei nicht öffentlich ausgeschrieben gewesen, wie Esen sagt. Die Teilnehmer hätten 100 Franken Einsatz bezahlt. Sie müssen nicht mit einer Strafverfolgung rechnen, da die Teilnahme nicht illegal ist. Hingegen ist die Organisation von Turnieren strafbar, nachdem das Bundesgericht im letzten Sommer Poker als Glücksspiel eingestuft hatte. Diese sind nur im Freundes- oder Familienkreis erlaubt.

Firma existenziell bedroht

Die Razzia trifft den Organisator, die Firma Other, hart, wie Geschäftsführer Esen zu 20 Minuten Online sagt. Die Polizei habe auch den Web- und den Datenbankserver der Firma mitgenommen, die in einem separaten Serverraum standen. Laut Esen hätten diese mit dem Poker-Turnier nichts zu tun gehabt. Auf den Servern liefen Dienstleistungen für Drittfirmen wie Transportunternehmen. «Das ist eine riesige Katastrophe und gefährdet mein Unternehmen existenziell», sagt Esen. Das Vorgehen der Polizei sei unverhältnismässig.

Als Folge der Razzia sind derzeit auf der Website des Casinos Basel keine Poker-Angebote mehr zu finden. Die Firma Other hatte für das Casino Informatikdienstleistungen für die Organisation von Poker-Turnieren zur Verfügung gestellt, wie Bertrand Meyer, Marketingleiter des Casino Basel, sagt. Das Casino bietet Cash-Games und einmal wöchentlich ein Poker-Turnier an. Die Poker-Angebote führt das Casino aber selbst durch. Meyer zeigt sich über die Razzia erfreut: «Es ist schön, dass solche Kontrollen durchgeführt werden.» Das Casino kämpfe schon lange gegen illegale Angebote. Die Zusammenarbeit mit der Firma Other wird das Casino beenden, wie Meyer sagt. «Wir können nicht mit einem Partner zusammenarbeitet, der illegal Poker-Turniere anbietet.» Man müsse einen anderen Anbieter für die Turniersoftware finden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adem am 10.03.2011 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Zitat von Goethe

    "Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein." Fair? In einer Welt wo 1% der Bevölkerung 40% des Vermögens besitzen, über 30'000 Kinder TÄGLICH an Hunger sterben und 50% der Menschheit unter 2Dollar am Tag leben müssen, da muss etwas schief laufen. All diese Razzias dient nur um die Kassen weiter zu füllen, mit den Steuern der Casinos. Das Geld beherrscht alles auf dieser Welt

  • Sergio am 10.03.2011 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Die armen Pokerspieler

    Bravo! Das sollte jeder vernünftige Pokerspieler nun sagen. Schliesslich sind es eben genau die schwarzen Schafe, die Negativschlagzeilen machen. Und dies bringt dem Thema Poker in der Schweiz nur wieder negativen Aufwind. Wozu die illegalen Spielangebote? Spielt da jemand den Winkelried gegen das Gesetz? Oder ist er der liebe Freund der armen Pokerspieler? Nein, die Illegalität lockt durch hohe Profite. Dabei geht es definitiv nicht mehr ums Thema Poker oder die Diskussion bezüglich Geschicklichkeitsspiel. Darum: Bravo!

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  • Marcel Späni am 10.03.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wählen gehen!

    Die Polizei kann nichts dafür. Die führen nur aus, was die ESBK anordnet. Die Lösung für diese skandalösen Razzien kann nur auf politischem Weg erfolgen. Geht wählen im Herbst! Wählt Kandidaten (egal ob links oder rechts) welche die parlamentarische Ininitiave zur Entkriminalisierung von privaten Pokerturnieren von NR Reimann unterstützen! Jammern nützt nichts. Informiert euch über die Kandidaten in eurem Kanton und geht wählen! Wir 200000 Pokerspieler in der Schweiz sind eine riesige Wählerkraft!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr. J am 11.03.2011 07:08 Report Diesen Beitrag melden

    Und wieder einmal....

    "Das Casino kämpfe schon lange gegen illegale Angebote." Ok, wissen wie ja schon lange, aber das sie dann noch die Software haben. Liebes Casino, dass nennt man wohl Ironie des Schicksals. ^^

  • Markus Hasler am 11.03.2011 05:44 Report Diesen Beitrag melden

    Im Lotto erlaubt

    Aber im Lotto mit dem viel zu hohen Jackpott dürfen- respektive werden Spieler dazu verleitet - mit einem sysetmschein inen Wetteinsatz von über 2000 Franken einzusetzten.

  • B. Kerzenmacher am 10.03.2011 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Hechte

    Was hat man gefunden? Spielchips und Jasskarten? Da hätte man die Razzia besser an anderen Orten durchgeführt. An diesen Orten hätte man auch entsprechende Funde wie Hehlerware, Drogen etc. gemacht. Aber Razzien an diesen jederman bekannten Orten sind politisch unkorrekt und ziehen in der Regel den Zorn der Eidg. Rassismuskommission um G. Kreis nach sich. Also werden auch zukünftig Pokerspieler herhalten müssen damit der Staat zeigen kann was für ein toller Hecht er doch ist. Dass man den Staat inzwischen nicht mal mehr ernst nimmt seitens der Bürger, um das zu merken langt`s nicht`beim Hecht.

  • Adem am 10.03.2011 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Zitat von Goethe

    "Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein." Fair? In einer Welt wo 1% der Bevölkerung 40% des Vermögens besitzen, über 30'000 Kinder TÄGLICH an Hunger sterben und 50% der Menschheit unter 2Dollar am Tag leben müssen, da muss etwas schief laufen. All diese Razzias dient nur um die Kassen weiter zu füllen, mit den Steuern der Casinos. Das Geld beherrscht alles auf dieser Welt

  • Daniel Münger am 10.03.2011 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetze gelten für Alle!

    Ansonsten beginne ich wieder in öffentlichen Räumen zu rauchen!