Wallis

21. Januar 2009 17:28; Akt: 22.01.2009 17:26 Print

Rechtsextreme wegen Konzert vor Gericht

Der erste Prozess gegen die Organisatoren eine Neonazi-Konzerts in der Schweiz beginnt am Donnerstag in Brig. Das Konzert 2005 hatte die «Rundschau» mit einer versteckten Kamera gefilmt.

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Polizei-Kontroll anlässlich eines Konzert, das von Rechtsextremen organisiert wurde. Aufnahme vom 19. August 2000 zwischen Luzern und Malters. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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Die Aufnahmen waren eindeutig: Die mit einer versteckten Kamera gefilmten Bilder zeigten das Skinhead-Konzert am 17. September 2005 in Gamsen (VS), an dem die Band auch das sogenannte «Blutlied» mit klar antisemitischem Inhalt gespielt hatte. Die Staatsanwaltschaft Oberwallis musste ein Verfahren eröffenen wegen Verstoss gegen die Anti-Rassismus-Strafnorm. Am Donnerstag stehen nun in Brig 18 Rechtsextreme vor Gericht, wie die «Rundschau» in der Sendung von Mittwochabend zeigt. Damit wird erstmals in der Schweiz den Organisatoren eines rechtsextremen Konzerts den Prozess gemacht.

Bekannte Expontenten der rechten Szene angeklagt

Unter den angeklagten 14 Männer und 4 Frauen sind auch einige bekannte Exponenten der rechtsextremen Organisation Blood & Honour sowie ein Vorstandsmitglied der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos). Die meisten der Konzert-Organisatoren stammen aus dem Wallis. Unter den Hauptbeschuldigten sind aber auch Personen aus Zürich, Aargau und Waadt. Einer wurde laut Angaben der «Rundschau» bereits 2008 nach einer Schlägerei in Glarus rechtskräftig verurteilt.

Vier Beschuldigte vertritt der bekannte Zürcher Milieu-Anwalt Valentin Landmann. Er bestreitet nicht, dass am Konzert die Anti-Rassismus-Strafnorm durch das «Blutlied» verletzt wurde. Dafür seien aber nicht die Organisatoren, sondern die Bandmitglieder zur Rechenschaft zu ziehen, sagte er in der «Rundschau». Ob eine entsprechende Klage erhoben wurde, weiss er nicht.

Erfreut über den Prozess zeigte sich die Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (Licra). Es habe sich um eine Gedenkveranstaltung von Blood & Honour gehandelt. «Jeder wusste, worum es geht», sagt Philippe Nordmann von Licra in der Sendung. Licra hatte 2005 Anzeige gegen die Organisatoren des Konzerts eingereicht.

(mdr)