Forschung

02. Juli 2019 11:00; Akt: 02.07.2019 11:18 Print

Reduktion von Pestiziden verspricht rasche Erfolge

Forscher haben beim Thema Pestizide Lösungsansätze untersucht. Das Fazit.

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Die beiden Initiativen, die in einem Jahr vors Volk kommen, würden die Landwirtschaft auf den Kopf stellen: Die Trinkwasser-Initiative will nur noch Bauern Direktzahlungen gewähren, die keine Pestizide einsetzen. Die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» fordert gar, synthetische Pestizide ganz zu verbieten. Wissenschaftler des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) haben das Thema Pestizide auf Lösungsansätze abgeklopft.

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Kommt die Landwirtschaft ohne Pestizide aus?

Die Wissenschaftler kommen zum Schluss, dass rasche Erfolge bei der Reduktion der Pestizidbelastung möglich sind, wie das FiBL am Dienstag in einer Medienmitteilung schreibt. Das Forschungsinstitut zieht folgendes Fazit:

Herbizide vollständig ersetzen

Die Teilschritte sind sofort umsetzbar. Die Praxis und die Forschung im Biolandbau zeigen, dass Herbizide mit modernsten Geräten, Mischkulturen und Bodenbedeckungen vollständig ersetzt werden können. Die Wissenschaftler beurteilen eine «Schweizer Landwirtschaft ohne Herbizide» als eine für die Praxis, die Alleinstellung am Markt und die Agrarpolitik interessante Vision.

Einfache Pestizid-Lösungen

Ein vorbeugender Pflanzenschutz ist ohne Auswirkungen durch vielgliedrige Fruchtfolgen (keine Monokulturen), Mischkulturen, Buntbrachen und Hecken, Blühstreifen oder ertragsneutrale Restverunkrautungen nicht praxistauglich. Das FiBL fordert einfache Pestizid-Lösungen als Ersatz. Bauern, Pflanzenschützer, Anbautechniker, Ökologen, Forscher und Berater seien nur vernetzt Teil der Lösung.

Neue Züchtungsprojekte

Neue Sorten brauchen Zeit und Geld. Dies betrifft auch Züchtungsprojekte wie verbesserte Krankheitstoleranzen beim Apfel oder die Toleranz von Baumwolle gegen Wurzelbohrer und saugende Insekten, die das FiBL in Indien durchführt. Dabei wird eine Züchtung unter Einbezug aller Beteiligten angewendet. Derartige Projekte zeigen den Weg, brauchen aber mehr Unterstützung und Nachahmer weltweit.

Prädestiniert für Spitzenposition

Seit 30 Jahren forschen das FiBL und Agroscope an direktem Pflanzenschutz ohne chemisch-synthetische Pestizide. Das Forschungsinstitut beurteilt die Anzahl an mögliche Lösungen als riesig. Dazu zählt etwa der Einsatz von Antagonisten wie Insekten, Viren und Nematoden. Eine weitere Option sind Pflanzenextrakte oder natürliche Materialien wie Tonmineralien und Milchextrakte. Da es extrem teuer sei, diese Lösungen zu standardisierenden Pflanzenschutzprodukten zu entwickeln, fordert das FiBL öffentliche und private Investitionen in die Forschung.

Für eine entsprechende Spitzenposition wäre die Schweiz laut den Wissenschaftlern prädestiniert. Als Beleg für das erkannte Potenzial sehen die Wissenschaftler die Genehmigungsanträge für neue Wirkstoffe: Die Hälfte aller Genehmigungsanträge für neue Wirkstoffe in der Europäischen Union zählt mittlerweile zu den biologischen Pflanzenschutzmitteln.


(bz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kritischer Knsument am 02.07.2019 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnung lässt grüssen

    Solange die Produzenten der Pestizide das verhindern und fleissig mit unserer Politik mitmischen, und solange die Grossverteiler überrissene Preise für Bio-Produkte verlangen, weil sie viel in die eigene Tasche wirtschaften, anstatt es den Bio-Bauern zugute kommen lassen, wird sich kaum etwas ändern.

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  • Sebi am 02.07.2019 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    leider keine Lobby

    Natur, Insekten, Grundwasser, (...) haben alle keine Lobby...also wird sich nix ändern

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  • Paddy Zé am 02.07.2019 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Selber essen

    Ich möchte wissen, ob jeder Bauer und Winzer, der Pestizide o.Ä. spritzt, sein eigenes Gemüse oder Früchte mitten vom Feld selbst konsumiert. Oder hat man dann plötzlich ein eigenes Gärtchen hinter dem Haus? Und ich würde gerne wissen, wieviele Bauern und Winzer gesundheitliche Probleme haben wegen den Giften. Wahrscheinlich würde man die Schuld sowieso wo anders hin schieben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Grossmutter am 05.07.2019 23:37 Report Diesen Beitrag melden

    Bio mit Genuss

    Weniger wäre mehr....ich sehe von meinem Haus wie unser Dorfbauer seine Gemüsefelder für eine bekannte Lebensmittelfirma fleissig spritzt.....daneben fliesst der Bach und seine Kühe, die er davor fleissig düngt, fressen genüsslich Gras.....das nenn ich Profitgier und die Firma verkauft es als Bio......Schade finde ich nur, dass dann alle Landwirte dann in einen Topf geworfen werden, weil gewisse Bauern nie genug bekommen......

  • Waldfrau am 05.07.2019 23:08 Report Diesen Beitrag melden

    Schlau sind sie

    Die kommen aber recht früh drauf. Bravo. Ausserdem gäbe es wieder mehr Arbeitsplätze ::::)))))wenn gejätet werden müsste, wäre noch ein Option...

  • JustMe am 03.07.2019 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wer noch nie länger gejätet hat

    sollte sich besser gut überlegen was er abstimmt. Im guten alten Kommunismus war es üblich Studis zur Landarbeit abzukommandieren... wenn sich unsere Gesellschaft so weiterentwickelt, dürfte auch so was wieder zur Disposition stehen.

  • Bikerin mit Velo am 03.07.2019 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vergiftetes Wallis

    wohne seit 14 Jahren im französischen Wallis und sehe beim täglichen Velofahren durch die Aprikosen- und Traubenplantagen wie enorm viel Pestizid wöchentlich gespritzt wird. Nicht nur die Aprikosen und Trauben auch die Erde wird total voll gespritzt das kein Grashalm mehr wächst...kein Wunder sehe ich keine Marienkäfer und andere wertvolle Nützlinge mehr....wie dumm müssen diese Bauern sein die sich selber und den Käufern das eigene Grab Schaufeln! Auch erstaunt mich sehr das der Kassensturz die vergifteten Aprikosen nie untersucht und im Fernsehen bringt ! Die Menscheit wird sich nie ändern und die Apokalypse hat schon lange begonnen !!!

    • Walter Strupler am 04.07.2019 17:45 Report Diesen Beitrag melden

      Verständnis

      Liebe Bikerin mit Velo der Kassensturz findet keine Rückstände in den Aprikosen. Die wurden schon längst kontrolliert. Pflanzenschutzmittel werden nur wenn nötig und sparsam eingesetzt. Es kann aber wie überall in allen Bereichen schwarze Schafe geben. Sie unterstellen mir, dass ich dumm sein muss. Kommen Sie gerne mal bei mir vorbei und ich erkläre und zeige Ihnen unseren Landwirtschaftsbetrieb. Vielleicht begreifen sie dann die Zusammenhänge besser.

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  • Markus S. am 03.07.2019 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Gift im Laden

    Geht doch. Es sind die Chemiemultis u. komischerweise die Bauern, die sich dagegen wehren. Ich stimme jedenfalls für einen radikalen Umbau zu. Nur so passiert etwas und das rumnörgeln der Bauern hat ein Ende. Ich will kein Gift im Laden kaufen!

    • Walter Strupler am 04.07.2019 17:26 Report Diesen Beitrag melden

      Zurück zu den Wurzeln

      Lieber Markus ich habe 45 Jahre einen Bauernhof geleitet. Wenn Du einmal krank oder verletzt bist, verzichtest Du dann auch auf Antibiotika und Medikamente? Man könnte einmal Wasser auf Medikamente und Hormone untersuchen. Wette Du würdest das Wasser nicht mehr trinken. Du kannst gerne mal einen Landdienst bei mir machen, dann siehst Du, wie heute gute Lebensmittel produziert werden.

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