1,5 Millionen Flyer

05. Januar 2016 10:59; Akt: 05.01.2016 11:28 Print

Reform-Muslime starten Friedenskampagne

Eine muslimische Organisation versorgte über eine Million Schweizer Haushalte mit einem Flyer. So soll der Zusammenhalt zwischen den Religionen gestärkt werden.

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Rund 1,5 Millionen Haushalte in der ganzen Schweiz haben in den letzten Tagen einen Flyer der «Muslime für den Frieden» in ihren Briefkästen gefunden. Dahinter steckt die muslimische Religionsgemeinschaft «Ahmadiyaa Muslim Jamaat», eine der grössten islamischen Gemeinden der Schweiz.

Die Ahmadiyaa Muslim Jamaat versteht sich selbst als Reformgemeinschaft des Islams und wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch Hazrat Mirza Ghulam Ahmad in Indien gegründet.

Treue zur Schweiz

Im Flyer distanziert sich die Gemeinschaft von religiöser Gewalt. «Diejenigen, die sich selber Muslime nennen, aber versuchen den Islam mit Gewalt zu verbreiten, sind sich seiner ihm innewohnenden Schönhheit gar nicht bewusst», heisst es etwa. Oder: «Ein wahrer Muslim verhält sich aufrichtig und gehorsam gegenüber der Regierung unter deren schützendem Schatten er in Frieden lebt.» Dies gelte auch, wenn diese Regierung einen anderen Glauben habe.

«Der Islam heisst Frieden»

«Gewisse muslimische Organisationen bringen mit Gräueltaten im Namen der Religion den Islam in Verruf», erklärt Abdul Wahab Tayyab, Imam der Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Region Bern. Deshalb sei es wichtig, mit einem solchen Flyer zu zeigen, dass der Islam für Frieden stehe. «Terroranschläge sind eine unentschuldbare Barbarei, der man mit gesellschaftlicher Einheit begegnen muss.»

Durch die Attentate hätten viele Menschen Angst vor dem Islam bekommen. «Diese Entwicklung birgt die Gefahr, dass die Gesellschaft gespalten und der Frieden gestört wird.» Deshalb sei es wichtig, etwas dagegen zu unternehmen.

Blut spenden und Bäume pflanzen

Um den Zusammenhalt zu fördern, organisiert die Ahmadiyaat Muslim Jamaat neben der Flyer-Aktion auch noch andere Veranstaltungen. «Wir machen Vorträge, pflanzen Bäume als Zeichen des Friedens oder spenden gemeinsam Blut, um zu zeigen, dass Muslime bereit sind, ihr Leben zu opfern für die Menschheit», sagt Tayyab.

Auch andere muslimische Organisationen setzen bereits ein Zeichen gegen den Terror. So entwickelte der Verein Freiwillige Arbeitsgruppe Integration Raum Winterthur (Fair Winti) ein Logo, mit dem man sich von den Anschlägen distanzieren kann. Bereits mehrere Moscheen schmückten sich mit dem Kleber, der eine rote Hand mit der Schrift «Not in my name» zeigt.

Ob es nötig ist, dass sich Schweizer Muslime von Terror und Gewalt distanzieren, ist umstritten. So sagte Extremismus-Experte Samuel Althof zur Aktion in Winterthur: «Diese Distanzierung durch die islamische Gemeinde ist Selbstdiskriminierung.» Seiner Meinung nach müssen sich Muslime in der Schweiz von nichts distanzieren.

(phi)