Durchfall in Sitten

29. Juli 2019 10:46; Akt: 29.07.2019 11:00 Print

Rekruten steckten sich über Lebensmittel an

91 Armeeangehörige litten vor dem Wochenende an Durchfall. Nun konnte die Armee die Ursache ermitteln.

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In Sitten haben 91 Soldaten Durchfallprobleme. Sie machen gerade die Militärpolizeischule. Laut Armeesprecher Daniel Reist handelt es sich nicht um eine Viruserkrankung, sondern um einen bakteriellen Befall. Welche Lebensmittel genau infiziert waren, könne man aber nicht sagen, so Reist. Ein ehemaliger Rekrut hatte zuvor die Zustände in der dortigen Küche kritisiert. «Dasselbe Poulet wurde uns dreimal hintereinander aufgetischt.» In Jassbach im Emmental kommen Anfang Juli 43 Soldaten per Ambulanz oder Helikopter ins Spital. Der Grund: Schwerer Durchfall und Erbrechen. Vier befinden sich in kritischem Zustand. Es wird eine Quarantäne verhängt. In Bière VD leiden 30 Soldaten unter Durchfall. Ursache ist offenbar ein Salat, der zu warm geworden war. 73 Rekruten der Infanterie-Kompanie in Chur liegen flach. Sie leiden unter Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall und Erbrechen. Die Rekruten werden unter Quarantäne gestellt, das Norovirus als Ursache ausgeschlossen. Der Truppenarzt geht aber von einem Infekt aus. In Zuchwil SO klagen 40 Rekruten über Magen-Darm-Beschwerden. Ein Armeeangehöriger muss ins Spital. Er hat das Norovirus. Die Magen-Darm-Grippe grassiert in der Rekrutenschule der Sanitäter in Airolo TI. Mindestens 50 Personen erkranken daran. 39 Angehörige der Flab-Rekrutenschule in Emmen leiden unter Brechdurchfall und Fieber. Ausgelöst wurden die Magen-Darm-Probleme durch Rotaviren. In der Kaserne Birmensdorf ZH leiden 70 Angehörige der Infanterie-Durchdiener-RS unter Brechdurchfall. 15 Angehörige der ABC-Abwehrschule leiden an Durchfall und Erbrechen. Die Armee geht vom Norovirus als Ursache aus. Für die Hygiene in den Kasernenküchen sind die kantonalen Lebensmittelinspektoren zuständig. Sie können jederzeit während der Betriebszeiten der Küche Kontrollen durchführen. «Die Kontrollen erfolgen in der Regel unangemeldet», heisst es im Reglement «Lebensmittelhygiene in der Armee». Zusätzlich überwacht das Lebensmittel-Hygieneinspektorat der Armee die Küchen. Armeesprecherin Delphine Allemand erklärte 20 Minuten nach dem Vorfall in Jassbach, dass Mängel sofort behoben würden. «Fehlbare Personen können diszipliniarisch bestraft werden.»

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In der Militärpolizeischule in Sitten litten am Freitag Dutzende Personen unter Magen-Darm-Problemen. Der Grund war zunächst unbekannt, ein Soldat spekulierte über halbgares Poulet, das Tage später wieder aufgewärmt worden sein soll.

Laut Armeesprecher Daniel Reist konnte die Ursache für die Durchfallerkrankung inzwischen ermittelt werden. Es habe sich nicht um eine Viruserkrankung, sondern um einen bakteriellen Befall gehandelt. «Die Soldaten haben sich über das Essen oder Trinken angesteckt», sagt er. Welche Lebensmittel infiziert waren und um welche Art Bakterien es sich handelte, wisse man aber nicht.

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Mittlerweile gehe es den betroffenen Soldaten wieder gut, so der Sprecher: «Am Sonntagabend konnten alle wieder einrücken.»

Schon mehrere Fälle

Es war schon der dritte Fall im Juli: Anfang des Monats kamen 43 Soldaten in Jassbach im Emmental mit schwerem Durchfall und Erbrechen ins Spital. Vier befanden sich zeitweise in kritischem Zustand. Und auch in Bière VD litten 30 Soldaten unter Durchfall. In Bière war offenbar ein verdorbener Salat der Auslöser für die Krankheit. Auch in Jassbach habe es sich nicht um einen viralen Infekt gehandelt.

Armeesprecher Reist sagte, es gebe im Juli tatsächlich eine ungewöhnliche Häufung von Magen-Darm-Fällen. Einen Zusammenhang zwischen den Vorkommnissen gebe es aber nicht. Dass die Schweizer Armee ein Hygieneproblem in der Küche habe, könne man nicht sagen. «Klar ist, dass es beim Zusammenleben auf engem Raum bei grosser Hitze mehr Hygieneprobleme gibt.»

(nk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phlow am 29.07.2019 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    haha

    Die beste Armee der Welt nimmt sich im Sommer gleich selber aus dem Rennen. Die hygienischen Verhältnisse werden im Kriegsfall bestimmt besser sein...

    einklappen einklappen
  • roger miller am 29.07.2019 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    logisch

    über lebensmittel ist logisch,was denn sonst.

    einklappen einklappen
  • Rolf Müller am 29.07.2019 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu glauben......

    Solche Sachen auftischen und nachher nicht wissen wollen von was es kommt. Werden wir für blöde verkauft? Wurde das Poulet untersucht? Unglaublich diese Stellungnahme.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Aus Kenner am 29.07.2019 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrektur zu Bild 11

    Nicht die kantonale Vollzugsbehörde ist für die Hygiene in den Küchen der Armee zuständig, sondern die verantwortliche Person hat im Rahmen der Selbstkontrolle dafür die volle Verantwortung (vgl. Art. 74 ff. LGV). In diesem Fall ist der Küchenchef die verantwortliche Person, welche die Einhaltung der Hygiene bzw. die Pflicht zur Selbstkontrolle einhalten muss und dafür ist definitiv nicht der Lebensmittelinspektor der kantonalen Vollzugsbehörde zuständig. Gilt nicht nur in der Armee sondern überall in der Schweiz, wo Essen in Verkehr gebracht wird.

  • Soll erreicht! am 29.07.2019 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ursache ermittelt oder nicht?

    Ja wie jetzt? Konnten sie nun die Ursache ermitteln oder nicht? "«Die Soldaten haben sich über das Essen oder Trinken angesteckt», sagt er. Welche Lebensmittel infiziert waren und um welche Art Bakterien es sich handelte, wisse man aber nicht." Über das Essen oder Trinken angesteckt und man wisse nicht um welche Art Bakterien es sich handle. Wissen die denn überhaupt was? Ich fass es nicht. Ist ja tragisch genug dass solche ^Köche^ überhaupt in einer Küche stehen dürfen. Bin froh dass ich meine Diensttage endlich abgesessen hab.

  • Kaniel Otis am 29.07.2019 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle ist die Mutter des Erfolges

    Das Problem ist die Lebensmittel-Logistik auf dem Felde und die fehlende Kontrolle der Kü C über die Prozesse. Wenn die LM um 1000 abgepackt werden und noch einige Stunden (>3 h bei 65 Grad) bis zum Verzehr in den Front-oder Topladern verweilen, wirds gefährlich. Genauso die Getränkebehälter, die Tagelang in der Sonne stehen und mangelhaft gereinigt werden.

  • Wolfgang am 29.07.2019 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder

    Langsam wird es peinlich. Was sind das nur für unhygienische Zustände? Ist da überhaupt ein gelernter Koch am arbeiten? Das ist jedenfalls stark zu bezweifeln und wenn ja, wäre das ein Armutszeugnis. Was kommt als nächstes in der besten Armee der Welt.

  • Pit am 29.07.2019 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Bündner

    Hat die Armee nun ein blausiebles Feindbild gefunden das sie unseren Jungen vorlegen kann? Hygiene?