Medienpolitik

25. September 2010 09:52; Akt: 25.09.2010 09:56 Print

Rickli kämpft für private Sender

von Ronny Nicolussi - Die SRG hatte bei den Bundesratswahlen mehr Personal im Bundeshaus als sämtliche privaten Sender zusammen. Für Medienpolitikerin Natalie Rickli ist das unhaltbar.

storybild

Live und in Studioqualität aus der Wandelhalle: Privileg der SRG-Radios. (Bild: Keystone/Alessandro della Valle)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Dass die Arbeitsbedingungen für die Radio- und Fernsehsender der SRG und jenen der privaten Konkurrenz nicht die Gleichen sind, zeigt sich selten so deutlich wie während Bundesratswahlen. Während Radio DRS, RSR, RSI und selbst Radio Rumantsch mit ganzen Studios und dem dazu nötigen Personal live aus der Wandelhalle senden, wird das den privaten Radios verunmöglicht. Mit Ausnahme der fest akkreditierten Sender, die in einem Sitzungszimmer arbeiten dürfen, werden den Privaten lediglich ausserhalb des Bundeshauses Arbeitsplätze zugewiesen, rund hundert Meter und zwei Sicherheitsschleusen von der Wandelhalle entfernt.

Ein paar Brosamen mehr erhalten die privaten Fernsehsender – sofern sie sich zu «sprachregionalen Pools zusammenschliessen», wie dem Grundlagenkonzept «Medien» bei Bundesratswahlen der Verwaltungsdelegation der eidgenössischen Räte zu entnehmen ist. Ihnen wird in einem Vorzimmer des Ständerats ermöglicht, ein Live-Studio aufzubauen. Dumm nur, dass die Bundesratswahlen nicht im Ständerats-, sondern im Nationalratssaal stattfinden. In dessen Vorzimmern gibt es für die Privaten jedoch keinen Platz. Der ist für die Kameras der SRG reserviert.

Eine, die die Situation am Mittwoch nicht akzeptabel fand, war die Zürcher SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. Noch am selben Tag reichte die Medienpolitikerin eine Frage ein, die am kommenden Montag in der Fragestunde vom Büro des Nationalrats beantwortet wird. Rickli fordert Rechenschaft darüber, weshalb private Medien «in kleine Räumlichkeiten des Bundeshauses gedrängt werden». Weiter heisst es in ihrer Frage: «Lokalfernseher und Anbieter von Web-TVs müssen unter fast unhaltbaren Zuständen auf engstem Raum gleichzeitig ihre Interviews durchführen. Ist das Büro im Hinblick auf die nächsten Bundesratswahlen bereit, die Situation für die privaten Medien zu verbessern?»

«Verschiedenste Interessen prallen aufeinander»

Mark Stucki, Leiter Information und Kommunikation der Parlamentsdienste, lässt auf Anfrage durchblicken, dass dies nur beschränkt der Fall sein wird: «Das Problem ist, das hier verschiedenste Interessen aufeinanderprallen.» Während selbst die SRG noch mehr Personal fordere, habe die Verwaltungsdelegation ursprünglich ihr Grundlagenkonzept verfasst, weil sich die Politiker nicht noch mehr Medien vor Ort wünschten. Gleichzeitig habe der technologische Fortschritt dazu geführt, dass immer mehr Medien live aus dem Bundeshaus senden wollten. «Noch vor ein paar Jahren waren Live-Sendungen während der Bundesratswahlen für private Fernsehsender schlicht kein Thema. Heute berichten selbst Online-Medien mit Live-Bildern aus der Wandelhalle. Dass es dazu mehr als eine Person pro Medium braucht, scheint mir einleuchtend.»

Das Problem sei aber schlichtweg der fehlende Platz im Bundeshaus. Neben den fest akkreditierten Journalisten erhielten am vergangenen Mittwoch 104 SRG-Angestellte Zutritt zur Wandelhalle. Mehr als sämtliche zugelassenen Mitarbeiter von privaten elektronischen Medien. Deren Kontingent wurde auf 70 Zutritte für Fernsehen, 20 für Radios und zwölf für Onlinemedien festgelegt.

WRS durfte ins Bundeshaus – mehrere Private nicht

Besonders schwer hatten es die Privatradios. Die ihnen zustehenden 20 Plätze – maximal einen pro Sender – waren bereits frühzeitig vergeben, womit mehrere Sender ohne Journalisten im Bundeshaus auskommen mussten. Gleichzeitig war das englischsprachige SRG-Programm «World Radio Switzerland» (WRS), das sich laut SRG an «Zuhörer, die entweder englischer Muttersprache sind oder gerne Sendungen auf Englisch hören» richtet, mit zwei Journalisten vor Ort.

Eine Begründung für die unterschiedliche Behandlung von öffentlich-rechtlichen und privaten Medien ist dem Grundlagenkonzept der Verwaltungsdelegation nicht zu entnehmen. Man darf also gespannt sein auf die Antwort des Nationalrats-Büros.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Doni am 25.09.2010 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Propaganda-TV abschaffen

    Das staatliche Propaganda-TV SF sollte man unbedingt abschaffen: gigantische Geldverschleuderung die mit Zwangsabgaben finanziert. Das ganze SF-Theater kostet pro Kopf (im weltweiten Vergleich) einen der grössten Beträge und bringt nicht annähernd einen vernünftigen Gegenwert. Der völlig überdotierte Laden beschäftigt mehr Leute als das ZDF mit 17 (!) Landesanstalten.....

    einklappen einklappen
  • H.Schoch am 25.09.2010 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Mediengleichheit

    Habe immer gemeint wir seien in einer Demokratie.Mediengleichheit für Alle!

    einklappen einklappen
  • Tom am 25.09.2010 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    SP-TV

    Die sollen sich endlich umbenennen lassen

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erwin B. am 28.09.2010 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Einseitig

    Somit ist geklärt wie Vordergründig das Staatsfernsehen ist.Dann kommt noch die Überlegung wieviel politisches Interesse bei diesem Medium vertreten ist.Ich verstehe Frau Rickli sehr gut. Es täte der Medienlandschaft nur gut, wenn dieverse Stimmen und Meinungen präsentiert würden.

  • Guru02 am 27.09.2010 23:37 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nur?

    Warum muss die SVP, allen voran Mörgeli, Rickli, Tuena und so weiter und so fort - zu jedem Hundehaufen ihren Kommentar loswerden? Seit wann ist es die Aufgabe einer politischen Partei sich für die Arbeitsbedingungen für Private einzusetzen? Wohl einzig und allein aus der Wahnvorstellung heraus, dass die bei SF eh alle links sind, ausser bei TV Blocher. Übrigens ist in China zur gleichen Zeit ein Reissack umgefallen. Auch dazu würde der SVP-Kommentar passen, dass bei den Linken die Säcke reihenweise umfallen, im Gegensatz zur SVP - da stehen die Säcke stramm in Reih und Glied.

  • René Brügger am 27.09.2010 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Am besten nur noch einer

    Warum stellt man nicht einfach die TPC an, die ja sowieso für die SRG Sender dort ist und lässt alles von Ihnen Filmen und stellt das Material allen Sendern zur Verfügung? Dann müsste man nur noch die Fotografen zulassen und hätte genug Platz. Radiosender können ja die Interviews von TPC genau so gut senden.

  • Guru am 27.09.2010 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Natalie Rickli, schönste Politikerin

    Ich muss das jetzt einfach mal loswerden. Wenn es ein Miss Parlament gäbe, dann wäre es mit Sicherheit Natalie Rickli, die Frau ist einfach Klasse, hübsch, intelligent und erst noch in der richtigen Partei :-)

  • Holdrio am 27.09.2010 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Medienpolitik

    So lange die Politiker eine derart schwache Arbeit abliefern täten die Medien gut daran sich den unterhaltenden Dingen wie guten Konzerten zu widmen.Diese Konzerte live zu übertragen brächte wenigstens ein wenig Entspannung in den grauen Informationsbelieferungsmief.