Billag-Gebühren

10. September 2014 07:12; Akt: 10.09.2014 08:50 Print

Rickli kämpft mit Armen und Alten gegen Billag

von D. Pomper - SVP-Nationalrätin Natalie Rickli gibt nicht auf: Jetzt kämpft sie als Schutzpatronin armer und alter Menschen gegen die «Billag-Schikanen».

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Richard Baumann (59) schaut nicht fern. Er hat weder einen Fernseher noch ein Tablet noch ein Mobiltelefon, wie schätzungsweise 20'000 Menschen in der Schweiz. «Ich möchte mir auch keine Empfangsmöglichkeit aufdrängen oder unterschieben lassen», sagt Baumann. Zwangsgebühren trotz Konsumverzicht sei mit dem freiheitlichen Staat unvereinbar.

Doch weil Baumann nur sein Radio gemeldet hat, hat er von der Billag ein Informationsschreiben erhalten. Mit der Aufforderung auf der Billag-Homepage, ein Online-Formular auszufüllen. Die Billag verschickt jährlich 200'000 bis 300'000 solcher Schreiben an Haushalte und Betriebe, die gar nicht oder nur für ein Medium angemeldet sind.

Leider hat Richard Baumann keinen Internetanschluss. Wie er dieses Online-Formular so ausfüllen soll, war Baumann ein Rätsel, weshalb er sich an Natalie Rickli gewandt hat. Wie Dutzende andere Verzweifelte auch. «Diese Leute werden von der Billag schikaniert. Das ist eine Frechheit», sagt SVP-Nationalrätin Rickli. Es brauche ja wohl nur etwas Menschenverstand, um zu merken, dass ältere Personen, die weder einen Fernseher noch ein Radio hätten, wohl auch keinen Internetanschluss hätten. Diesen Kunden müsse die Billag zumindest ein schriftliches Formular zustellen.

Extra grosse Telefonnummer für Alte

Den Vorwurf des rücksichtslosen Umgangs mit älteren Personen lässt die Billag aber nicht auf sich sitzen. Es sei «selbstverständlich möglich, telefonisch auf unser Informationsschreiben zu reagieren», sagt Sprecher Jonny Kopp. Bei Kunden, bei denen der Jahrgang bekannt sei, hebe die Billag den telefonischen Kanal für die Rückmeldung deutlich hervor.

Ihren Kampf gegen die Billag-Gebühren hat Natalie Rickli noch nicht aufgegeben. Am Donnerstag debattiert der Nationalrat darüber, ob TV- und Radio-Abstinenzler in den nächsten fünf Jahren von der Gebührenpflicht befreit werden. Der Ständerat hatte diesen Absatz in der letzten Session aus dem Gesetz gekippt.

«Es werden künftig Personen zur Kasse gebeten werden, die gar kein Empfangsgerät besitzen», enerviert sich Rickli. Dass diese Personen nicht einmal eine Opting-out-Möglichkeit hätten – also die Möglichkeit, sich abzumelden –, sei ein Skandal. Es gebe doch auch viele Alleinerziehende, die sich keinen Fernseher leisten könnten und Eltern, die aus pädagogischen Gründen keinen Fernseher zu Hause hätten.

Wichtiger Beitrag für den Zusammenhalt in der Schweiz

CVP-Nationalrat Martin Candinas, ein Billag-Befürworter, räumt ein, dass die Gebührenpflicht für «einige Medienabstinenzler» sicher hart sei. Aber auch diese sollten einen solidarischen Beitrag leisten. «Denn das überregionale Schweizer Radio und Fernsehen leistet einen wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt in unserer viersprachigen Schweiz.»

Zudem wäre es mit einem grossen bürokratischen Aufwand verbunden, Ausnahmen für Einzelne zu erlassen. «Nur ein winzig kleiner Teil der Bevölkerung sieht weder fern noch hört er Radio», sagt Candinas. Schwerer in der Waagschale wiege die Anzahl der Schwarzhörer und -seher. «Diese dürfen nicht davonkommen. Ich wehre mich gegen ein Modell, welches das erlaubt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • C.Maurer am 10.09.2014 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bezahlung

    Für ein Grottenschlechtes Unterhaltungsprogramm des SRF und dies somit auch noch fördern? Nein Danke.

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  • Laura Baumann, Bern am 10.09.2014 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    So nicht!

    Das geht entschieden zu weit, wenn Leute bezahlen, die keine Geräte in der Wohnung benutzen - so nicht meine Damen und Herren! Wo leben wir hier eigentlich! Wieso ist so etwas überhaupt möglich? Eine absolute Frechheit! Nur damit die Schwarz-Seher nicht mehr verfolgt werden müssen, weil das viel kostet, einfach allen CH-Haushalten ein Abo unterjubeln! Ich möchte meine Probleme am Arbeitsplatz auch so lösen - nur wäre ich dann die Kunden los!!

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  • Karl Loob am 10.09.2014 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natalie for President 

    Billag abschaffen und via Steuererklärung erledigen. Damit lassen sich jährlich Millionen sparen... Völlig unnötig das ganze! Bravo Natalie!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Billag-Zahlender am 11.09.2014 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten senken durch gerechte Verteilung

    Ich schaue sehr selten fern. Ich finde jedoch, dass die Billag-Gebühren so auf die ganze Bevölkerung verteilt werden sollten, dass die Kosten für alle günstiger werden. Es kann doch nicht sein, dass die einen einfach nichts bezahlen und dadurch die Kosten der andern in die Höhe treiben. Kassiert die Billag über die Steuern ein. So können schon mal Billag-Verwaltungskosten eingespart werden.

  • P. Buchegger am 11.09.2014 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Eröffnet sie damit ihren Wahlkampf 2015?

    Eröffnet damit Natalie Rickli bereits ihren Wahlkampf für die NR-Wahlen von 2015? Sie will ja sicher im Kt. Zürich wieder am meisten SVP-Stimmen einheimsen. Geld ist in der Parteikasse ja mehr als genug vorhanden.

  • E Meier am 11.09.2014 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn Herr Candinas

    Ach Herr Candinas , unrecht darf nicht durch Unrecht bekämpft werden, das sollten Sie als Politiker doch wissen. Was sie hier rauslassen ist eigentlich Schwachsinn um eine verdeckte Steuer zu rechtfertigen. Eine technische Umsetzung ist heute ohne weiteres möglich. Die Förderung der Sprachvielfalt und - Verständigung unter den Regionen bringt mir als SFR- Abstinentem nichts, vor allem merkt man nichts. Ich denke hier meinen Sie v.a. Das Rumantsch (welcher Idiom auch immer) das unterstützt und künstlich erhalten wird, weil man es selber nicht schafft. Wie viele Subventionen braucht es noch ???

  • Billag Gegnerin am 11.09.2014 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absolute Frechheit und Abzocherei

    Nicht nur die Alten werden von der Billag belästigt. Ich muss der Billag für nicht bezogene Leistung (Radio- und TV-Gebühr) für die Dauer von 6 Monaten bezahlen (ca. CHF 230.-)! Eigentlich müsste mir doch die Billag für die Dauer des Nichtbezuges Geld zurückerstatten (wäre logisch und fair). Stattdessen erhielt ich eine neue Rechnung! Ich kann es einfach nicht verstehen, dass ein von der Schweiz. Eidgenossenschaft beauftragtes Unternehmen so gegen die eigenen Bürger vorgeht. Ein Armutszeugnis. Der Billag sollte endlich den Riegel geschoben werden und eine gerechte Lösung gefunden werden!

  • Hanspeter am 11.09.2014 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Schickt die Vögte in die Wüste

    Ich habe keine Kinder, will aber unter diesen Umständen auch Kindergeld bekommen, weil das Gerät zum machen ist ja klar vorhanden.