Bundesgerichtsentscheid

16. Juli 2014 11:59; Akt: 16.07.2014 13:50 Print

Riverrafting-Unfall wird erneut aufgerollt

Das Zürcher Obergericht muss nochmals über die Bücher: Die Ungereimtheiten im Fall des ertrunkenen Mädchens müssen laut Bundesgericht geklärt werden.

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Riverrafting auf der Saane: Eine Schulklasse aus Regensdorf ZH hatte im Juli 2007 eine geführte Tour durch die Vanel-Schlucht unternommen. (Bild: Screenshot 10vor10)

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Das Bundesgericht hat das Urteil der kantonalen Vorinstanz bezüglich des Riverrafting-Unfalls im Juli 2007 auf der Saane aufgehoben. Das Zürcher Obergericht hatte bei der Beurteilung der Genugtuungsforderung der Familie des damals ertrunkenen Mädchens Beweise nicht zugelassen.

Die Eltern der Oberstufenschülerin aus Regensdorf ZH hatten bereits vor dem Bezirksgericht eine Expertise zur Frage gefordert, ob sich die gesamte für das Riverrafting vorgesehene Strecke für das Durchfahren mit Jugendlichen im Alter von 15 Jahren eigne.

Die Klasse des tödlich verunglückten Mädchens hatte im Rahmen eines Abschlussausflugs eine Tour auf der Saane gebucht. Die Schüler fuhren in drei hintereinander fahrenden Booten von Gstaad BE nach Château-d'Oex VD.

Genugtuung von 158'000 Franken verlangt

Dabei kenterte ein Boot, weil es auf das vordere auffuhr. Die junge Regensdorferin verfing sich mit ihrer Schwimmweste unter Wasser. Sie konnte erst nach einigen Minuten befreit werden und starb später im Spital.

Die Eltern und die Schwester der Verunglückten fordern von der Oberstufenschulpflege eine Genugtuung von total rund 158'000 Franken. Sowohl das Bezirksgericht als auch das Obergericht Zürich wiesen die Klage ab.

Weil das Obergericht die geforderte Expertise nicht einholte, selbst aber auf die Ungereimtheiten bei der Beurteilung des befahrenen Flussabschnitts durch das Bundesamt für Sport hinwies, muss es nochmals über die Bücher.

Guide vom Regionalgericht Thun freigesprochen

Nach dem Riverrafting-Unfall auf der Saane wurden Untersuchungen gegen mehrere Personen geführt. Die Verfahren gegen den Geschäftsführer des Tour-Anbieters und gegen den Lehrer der Klasse wurden eingestellt, wogegen die Familie des Mädchens bis vor Bundesgericht focht.

Ende Juni wurde der Guide des gekenterten Bootes vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung vom Regionalgericht Thun freigesprochen. Auch gegen dieses Urteil hat die Familie des Opfers Berufung angekündigt. (Urteil 2C_795/2013 vom 16.06.2014)

(sda)